(openPR) In diesen Tagen ist der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, zusammen mit der Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschusses Hannelore Bartscherer und weiteren Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft ins polnische Kreisau reisen, haben sie nicht etwa ihr Freizeitvergnügen im Blick, sondern verfolgen den Gedanken von Frieden und der Versöhnung.
Kurz vor der Abreise gaben Tim Kurzbach und der Geschäftsführer des Diözesanrates noch folgendes Interview:
Herr Kurzbach, Sie sind in den kommenden Tagen, zusammen mit der Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschusses Hannelore Bartscherer, dem Kölner Bürgermeister Hans-Werner Bartsch, Vertretern der Pax-Bank und weiteren Interessierten aus Kirche, Politik und Gesellschaft in Kreisau/ Polen. Was verbindet sie alle mit dieser Stadt?
Tim-O. Kurzbach: Die niederschlesische Stadt Kreisau ist gerade für uns im Erzbistum Köln von hoher Bedeutung, ja, von hoher Friedensbedeutung. Die Kölnerin Freya von Moltke, ihr Mann und seine Gefährten, waren es, die von hier aus den friedlichen und unermüdlichen Widerstand gegen das verheerende Nazi-Regime planten. Wir stehen dort auf einem sehr geschichtsträchtigen Boden und ich bin mir dieser Bedeutung sehr wohl bewusst. Für mich, der weit nach Ende des 2. Weltkrieges geboren wurde, ist die Geschichte um Freya von Moltke immer wieder neu Mut und Ansporn den Frieden im Kleinen und im Großen Wirklichkeit werden zu lassen – Frieden und Versöhnung hat die Welt gerade jetzt so nötig.
Ihre Reise ist nach der großen Gedenkveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstages von Freya von Moltke im Jahre 2011 in Köln und der Veröffentlichung der Stele am ehemaligen Deichmannhaus 2012 nun die dritte Veranstaltung in Gedenken an die beeindruckende und unerschrockene Frau von Moltke. Was bewegt den Diözesanrat unermüdlich Freya von Moltkes zu gedenken?
Kurzbach: Das Evangelium ruft uns Christen immer wieder neu zu Frieden und Versöhnung auf. Nur durch des Menschen Hand und Geist kann die Welt diesen Frieden erreichen. Wir brauchen Menschen wie Freya von Moltke, die sich unerschrocken für diese gute Botschaft einsetzen. Wir alle verstehen uns dabei in der europäischen Identität. Die Identität, die uns friedlich und als Gemeinschaft in Europa leben lässt, in der der kulturelle Austausch verkörpert und Völker über Landesgrenzen hinaus nach einer versöhnlichen Verständigung suchen.
Wir als Diözesanrat sehen uns selbstredend auch für diese europäischen Identität verantwortlich und sind nicht zu Letzt durch unser Handeln, durchs Aufmerksam machen und durch die klaren Worte immer wieder neu aufgefordert, Frieden, Versöhnung und Gemeinwesen zu stärken.
Wir müssen was tun, denn nichts ist schlimmer als das Vergessen unserer dunklen Geschichte.
Herr Michels, Frieden und Versöhnung ist derzeit auf unserem Kontinent nicht flächendeckend zu finden.Täglich werden wir immer wieder neu auf die Krisen und Spannungen, wie in der Ukraine oder der Türkei und dem angrenzenden Syrien, aufmerksam gemacht. Wie bedrohlich empfinden Sie diese Entwicklungen und tragen Ihr und das Engagement des Diözesanrates den Friedensgedanken voran?
Norbert Michels: Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unseren zahlreichen Angeboten zum Thema Freya von Moltke oder das derzeit laufende Veranstaltungsformat „DonnerstagsForum gegen Rechts“ dazu beitragen, nicht das Vergessen an eine dunkle Zeit zu fördern, sondern den wichtigen Gedanken, wie wertvoll uns Frieden, Gemeinschaft und Interkulturalität sein muss.
Selbstverständlich sehe ich mit großer Sorge allabendlich die Nachrichten im Fernsehen. Manchmal überkommt mich auch ein Gefühl der Angst. Letztlich können wir nur auf zwei Dinge vertrauen:
Wir dürfen mit unserem Engagement im Kleinen nicht aufhören und müssen fortwährend für den Frieden und die Einheit der Völker beten.
Von Kreisau aus gründete die unerschrockene Freya von Moltke zusammen mit ihrem Mann Helmuth James Graf von Moltke eine Widerstandsgruppe mit Menschen verschiedener sozialer, politischer und konfessioneller Herkunft. Mit ihren drei Zusammenkünften in der niederschlesischen Stadt planten sie in den Jahren 1942/43 für ein demokratisches Deutschland und ein vereintes Europa nach der barbarischen Hitlerzeit. Freya von Moltke begleitete ihren Mann durch den Widerstand und die Haftzeit, bis hin zu seinem Tod durch die Nationalsozialisten. Seine täglichen „Briefe an Freya“ gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des deutschen Widerstandes.











