(openPR) Alzey, August 2014 – Ab dem ersten Milchzahn, spätestens ab etwa acht Monaten, sollten Eltern das erste Mal mit ihrem Kind zum Zahnarzt gehen und danach regelmäßig und im besten Fall alle sechs Monate Vorsorge und Prophylaxe beibehalten. Der Kieferorthopäde kommt zu diesem Zeitpunkt im Normalfall noch nicht ins Spiel. Die reguläre kieferorthopädische Behandlung erfolgt mit zirka neun bis zwölf Jahren, wenn die Milchzähne durch die bleibenden Zähne ersetzt werden. Doch es gibt Ausnahmen. Deshalb sind manchmal Behandlungen schon deutlich früher nötig. Said Khawatmi, seit einigen Monaten als Kieferorthopäde in der Alzeyer Zahnarztpraxis Schöner Mund tätig, weiß, wann er Zahn- und Kieferfehlstellungen behandeln muss, um ausgeprägte Kieferanomalien, die das Kieferwachstum beeinflussen können, zu vermeiden.
Eine kieferorthopädische Frühbehandlung im Milchgebiss bei Kindergartenkindern ist selten erforderlich. Dort stellen die prophylaktischen Maßnahmen wie Einschleifen von Milchzähnen oder Abgewöhnung von Angewohnheiten wie etwa Daumenlutschen oder Fehlfunktionen die häufigsten Therapiemaßnahmen dar. Die frühe kieferorthopädische Behandlung beginnt meist mit dem Eintritt in die Schule und findet in der ersten Phase des Zahnwechsels statt. Wenn die Gefahr einer Wachstumsbehinderung besteht oder eine deutliche Verstärkung der Anomalie droht, dann kommt der Kieferorthopäde ins Spiel. Said Khawatmi weiß, in welchen Fällen eine Frühbehandlung Sinn macht, beziehungsweise welche Indikatoren gegeben sein müssen. Der frontale Kreuzbiss ist solch eine Indikation: Dabei ist das Oberkieferwachstum gehemmt und die unteren Schneidezähne stehen vor den oberen, was zu einer Überlastung der unteren Frontzähne führen kann. Beim seitlichen Kreuzbiss und einer Abweichung des Unterkiefers zu einer Seite wächst der Unterkiefer asymetrisch, die oberen Backenzähne stehen zu weit innen und die unteren Backenzähne zu weit außen. Das kann zu einer Gesichtsasymmetrie führen. "Es ist ratsam, sowohl den frontalen als auch den seitlichen Kreuzbiss frühzeitig zu korrigieren. So wird ein störungsfreies Wachstum ermöglicht. Längere kieferorthopädische Behandlungen zu späterem Zeitpunkt können dadurch vermieden werden", erklärt der Zahnarzt. Ebenfalls frühzeitig behandelt werden sollte eine extreme Rücklage des Unterkiefers mit vergrößerter Frontzahnstufe. Wenn nicht, kann daraus ein Einbiss der unteren Front in die Gaumenschleimhaut entstehen und die oberen Schneidezähne können enorm geschädigt werden. Auch nach dem Verlust eines Milchzahnes, wenn Lücken geöffnet oder offen gehalten werden müssen, wird der Einsatz des Kieferorthopäden nötig.
Welche Behandlungsmethode der Arzt wählt, ist abhängig von der Art des Problems. Im Allgemeinen werden Kreuzbissfälle mit individuell angefertigten, herausnehmbaren Zahnspangen behandelt. In manchen Fällen sind extraorale Behandlungsgeräte, beispielsweise eine Gesichtsmaske, erforderlich. Bei der extremen Rücklage des Unterkiefers greift man häufig zu funktionskieferorthopädischen Geräten - herausnehmbaren Zahnspangen, die locker im Mund liegen.
Reguläre Behandlung ab neun Jahren
Die reguläre kieferorthopädische Behandlung erfolgt mit zirka neun bis zwölf Jahren, wenn die zweite Phase des Zahnwechsels einsetzt. In diesem Zeitraum nutzt der Kieferorthopäde das gesteigerte Wachstum des Gesichtsschädels, um Abweichungen des Kiefers auszugleichen. Zahnspangen hemmen oder fördern das Wachstum und lenken die Zähne in die richtige Position. In der regulären Behandlungsphase passt sich das umgebende Weichgewebe besonders gut an. Die häufigsten Behandlungsgründe in dieser Phase sind Platzmangel - zu wenig Platz für bleibende Zähne - oder eine Kieferfehllage, das heißt, Ober- und Unterkiefer passen nicht exakt zusammen. Die Behandlung der Patienten beschreibt Khawatmi als recht unkompliziert, denn sie sind in diesem Alter zugänglich und empfänglich für die Verwendung der herausnehmbaren Spangen oder der notwendigen Apparaturen. "Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass Zahnspangen für Jugendliche längst keine Ausnahme mehr sind, sondern fast die Regel. Viele finden das Tragen der Zahnspange sogar cool", stellt der Kieferorthopäde fest. Und in der Tat unterstützen auch die Ergebnisse von Umfragen diese Vermutungen: Laut Statistiken der Krankenkassen wird knapp die Hälfte aller Heranwachsenden vom Kieferorthopäden behandelt und rund 60 Prozent aller Kinder tragen eine lose oder feste Spange. Zwei Drittel dieser Kinder und Jugendlichen tragen festsitzende Apparaturen (Brackets).













