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Im Angesicht des Todes oder Die Geschichte einer Umkehr

25.07.201418:43 UhrKunst & Kultur
Bild: Im Angesicht des Todes oder Die Geschichte einer Umkehr
Die Buhlschaft (Eva Wiedemann),  Jedermann (Claudio Maniscalco)
Die Buhlschaft (Eva Wiedemann), Jedermann (Claudio Maniscalco)

(openPR) Mit Szenenapplaus und stehenden Ovationen haben die Zuschauer die Premiere des Jedermann am Donnerstag, 24. Juli 2014, auf der Clingenburg in Klingenberg am Main belohnt. Regisseur Marcel Krohn und sein Ensemble schafften es, den Festspielklassiker von Hugo von Hofmannsthal als unterhaltsames und dennoch tiefgründiges Freilichttheater auf die Bühne der Burgruine zu bringen. Die kurzweilige Inszenierung zeigte, dass große Weltliteratur auch heute noch eine positive Rezeption fernab des hehren Festspielstatus bietet: Eine Umkehr im letzten Augenblick des Lebens oder die Beschäftigung mit der Frage: Würde ich mein Leben so weiterleben, wenn es der letzte Tag meines Lebens wäre? Insgesamt wird „Jedermann“ 10 Mal bis zum 3. August 2014 aufgeführt.



Gott (Gernot Endemann) beauftragt den Tod, Jedermann aufzusuchen, damit er Gericht über seine irdischen Taten halte. „Herr, ich will die ganze Welt abrennen, und sie heimsuchen Groß und Klein, die Gotts Gesetze nit erkennen, und unter das Vieh gefallen sein.“ Es sind diese Originalversformen und die moderne Kulisse, die den besonderen Reiz der Inszenierung ausmachen. Nach dem Vorbild des mittelalterlichen Mysterienspiels schrieb Hofmannsthal das Drama, das insbesondere durch die von Max Reinhardt 1920 gegründeten Salzburger Festspiele berühmt wurde. Bei den Clingenburg Festspielen ist das Bühnenbild (Christian Baumgärtel) bewusst modern gehalten: Der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, dass die Handlung rund um Reue, Glaube und richtiger Lebensführung jederzeit im Hier und Jetzt geschehen kann.

Die Kraft der Sprache in Verbindung mit der atmosphärischen Kulisse der Burgruine verfehlten ihre Wirkung auf das Publikum nicht: Es ist mucksmäuschenstill als der Tod mitten in die Glitzer-Glamour-Festgesellschaft platzt, zu der Jedermann seine vermeintlichen Freunde und Verwandten geladen hat. „Jedermann“ schallt es markerschütternd aus dem Gemäuer der altehrwürdigen Clingenburg.

In einer knapp zweistündigen Inszenierung entfaltete sich das ganze Drama um das Sterben des reichen Mannes vor den Augen des Publikums. Gebannt verfolgen die Zuschauer, wie ein grotesk schwarz-weiß geschminkter Clown (Maske: Ingrid Acero, Kostüme: Ulla Birkelbach) über den im Moment erstarrten Partygästen erscheint. Es ist der Tod, meisterhaft verkörpert von Michael Marwitz. Die schrägen Töne, die er auf seiner Fidel spielt, gehen durch Mark und Bein. Nur eine Stunde wird ihm gewährt, um sich für den schweren Weg eine Begleitung zu suchen.

Claudio Maniscalco verkörpert vortrefflich die Figur des Jedermann, ein Geschäftsmann im besten Alter - kultiviert, grau meliert und in feinem Tuch. Weder unsympathisch noch kaltherzig ist er, der Jedermann, und es wird offensichtlich, dass er kein besserer oder schlechterer Mensch als jeder andere ist: Er gibt einem armen Nachbarn, der ihn um Geld bittet, und erweist sich als milde gegenüber der Frau eines Schuldners. Als ihm aber auch noch seine kränkliche Mutter (Sabine Schmidt-Kirchner) wegen seines Lebensstils ermahnt, ist er der Gewissensreden überdrüssig. Wie gut, dass ihn da die Reize seiner Geliebten ablenken. Eva Wiedemann spielt die Buhlschaft verführerisch mit schwarzgelockter Mähne und rotem Abendkleid. Doch Jedermann wird entsetzt feststellen, dass weder sie noch seine Vettern (Günter Rüdiger, Vasilios Zavrakis) oder sein guter Gesell (Daniel Során) ihn begleiten wollen. „Solang einer im Glück ist, der hat Freunde die Menge, doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt, dann verläuft sich das Gedränge“.

Nach der Pause verdichtet sich das ganze Drama zu eindringlichen Szenen. Hier treten vor allem die Personifikationen auf, die typisch für Mysterienspiele sind. So zum Beispiel der Mammon (Tristan Fabian), der als aufgeblähter goldener Geldsack aus seinem Tresor springt. Jedermann erkennt schlussendlich, dass ihm nur noch seine wenigen guten Taten und der Glaube (Dorina Pascu) bleiben, um mit ruhigem Gewissen vor Gottes Gericht zu treten. Julia Hell spielt die Werke Jedermanns als gebrechliche, schwache Frau so überzeugend, dass die Zuschauer ganz berührt sind. Die Verzauberung geht in Szenenapplaus über, als Michael Marwitz, dieses Mal als feuerroter, hinkender Teufel, mit maliziösem Schalk auftaucht, um sich die Seele Jedermanns zu holen. Zu seinem Verdruss muss er jedoch feststellen, dass die Gnade Gottes stärker ist.

Noch ganz gefangen von der mystischen Atmosphäre der Läuterung, geht das Stück in der lauen Sommernacht fast zu früh zu Ende. Ein großes Schauspiel, das Regisseur und Festspielintendant Marcel Krohn zeitgemäß auf die Bühne der Clingenburg bringt: Mit Anspruch und Unterhaltungswert ganz im Sinne von Hofmannsthal – eine perfekte Theaterfaszination unter freiem Himmel, einschließlich Stoff zum Nachdenken.

Kartenvorverkauf
Eintrittskarten für „Jedermann“ gibt es in der Tourist-Information der Stadt Klingenberg, Hauptstraße 26a, 63911 Klingenberg am Main, Telefon 09372 3040 und 921259, Telefax 09372 12354. Die Tourist-Information ist von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr sowie am Samstag von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr geöffnet.

Eintrittskarten sind auch online unter clingenburg-festspiele.de und für alle Nachmittags- und Abendvorstellungen unter adticket.de sowie in den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Für Kurzentschlossene öffnet die Abendkasse eine Stunde vor Aufführungsbeginn.

Klingenberg, 25. Juli 2014
Abdruck honorarfrei.

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