(openPR) Bad Dürkheim, 18.07.2014 — Sprache ist nicht statisch; sie ist dynamisch, passt sich dem Lauf der Dinge und dem Wandel der Zeit an, korrigiert und präzisiert, erfindet sich auch neu. Joachim Zischke hat darüber nachgedacht, welches Wort als Ersatz für das Wort 'verkosten' dienen könnte und hat eines gefunden.
Als der amerikanische Schriftsteller Heidelberg und andere Orte in Deutschland besuchte, mokierte er sich über die schreckliche deutsche Sprache. Er meinte, deutsche Bücher seien ziemlich leicht zu lesen, wenn man sie vor den Spiegel hält oder sich auf den Kopf stellt. Ähnlich erging es Joachim Zischke, Autor für Text und haptische Planspiele aus dem pfälzischen Bad Dürkheim.
Während er ein System der visuellen Wein-Sensorik entwickelte, nahm er an Seminaren und Messen teil, um das Verkosten von Wein zu erlernen und zu üben. Glücklicherweise musste er sich deswegen nicht auf den Kopf stellen. Dennoch missfielen ihm irgendwann irgendwie die immer wieder auftauchenden Wörter 'verkosten' und 'Verkostung'. "Das Verb 'verkosten' empfinde ich nicht nur verquast, sondern geradezu als Genuss hemmend", sagt Zischke. "Dann habe ich recherchiert. Die Vorsilbe 'ver-' weist überwiegend negative Bezüge auf: verbauen, verhauen, verbrennen, vergehen, vergiften, verprügeln, vergewaltigen, versengen, versenken, verteufeln, vertrösten, und so weiter. In all diesen Wörtern stecken Unglück und Unangenehmes." Und er fragt: "Ist denn das Verkosten von Wein oder Speisen eine unangenehme Tätigkeit, etwas, das wir nur widerwillig tun? Warum benützen wir dann, um mit Mark Twain zu sprechen, ein so schreckliches Wort?"
Die deutschsprachigen Schweizer, in deren Vokabular zahlreiche durch das Französische geprägten Wörter heimisch sind, benützen das Verb 'degustieren'. Derjenige, der degustiert, ist ein Degustator, die Veranstaltung eine Degustation. Das hört sich für unsere Ohren vielleicht ein wenig amtlich, streng, auch geschraubt an, meint Zischke, dennoch klinge es für ihn deutlich angenehmer. Um einem neuen Wort auf die Spur zu kommen, verglich er alle Präfix-Kombinationen mit dem Wort 'kosten'. Beim Wort 'dekosten' blieb er hängen.
"Der Begriff wirkt leicht, schwungvoll und munter, er betont das sinnliche Vergnügen. Außerdem steckt in diesem Verb alles, was das Analysieren, Probieren und Bewerten ausmacht", sagt Zischke. Die Vorsilbe 'de-' beschreibe etymologisch das Aufheben oder Rückgängigmachen. Und genau das geschehe, wenn wir einen Wein oder eine Speise dekosten: wir heben die Gesamtheit eines Produkts auf, um beispielsweise Aromen, Düfte und Mineralstoffe herauszufinden.
Jemand, der dekostet, ist ein Dekoster, gerne auch eine Dekostee. "Wir sollten uns allerdings vor typisch deutschen Wortungetümen hüten", warnt Zischke. "Dekostung oder Dekostation, das wirkt manieriert, das sind verbale Hemmnisse, welche die Leichtigkeit und das Vergnügen des Dekostens verletzten. — Wer dafür ist, hebe die Hand. Wer dagegen ist, bitte auch."













