(openPR) BERLIN, 5.3.2013. Crowdfunding ist der "Anglizismus des Jahres 2012". Dies gab die unabhängige Jury der Aktion "Anglizismus des Jahres" gestern in Berlin bekannt. "Das Wort füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die durch das Aufkommen einer neuen Art der netzgestützten Kapitalbeschaffung entstanden ist. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt", begründete die Jury ihre Entscheidung.
Mit der Wahl zum "Anglizismus des Jahres" wird der positive Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes gewürdigt. "Im deutschen Sprachraum ist die Vorstellung sehr weit verbreitet, dass Lehnwörter – vor allem, wenn sie aus dem Englischen stammen – den Fortbestand der deutschen Sprache bedrohen", sagt Stefanowitsch. "Die Entlehnung von Wörtern ist aber ein natürlicher Prozess, mit dem Menschen zu jeder Zeit und in allen bekannten Sprachräumen den Wortschatz ihrer Sprache erweitert haben." Der Wettbewerb fand erstmals 2010/11 statt. Damals gewann das Wort leaken als Bezeichnung für das gezielte anonyme Veröffentlichen geheimer Informationen zum Wohle der Öffentlichkeit. Im letzten Jahr gewann Shitstorm als Bezeichnung für eine Welle der Entrüstung in den sozialen Medien.
Um Anglizismus des Jahres zu werden, muss ein englisches Lehnwort eine Lücke im Wortschatz füllen, über eine breite Akzeptanz im Sprachgebrauch verfügen und gut in die lautliche und grammatische Struktur des Deutschen integriert sein. Das diesjährige Siegerwort Crowdfunding überzeugte in allen drei Kategorien. Es bezeichnet eine Methode der Kapitalbeschaffung, bei der viele Menschen jeweils eine relativ kleine Summe beisteuern, um ein Projekt oder Produkt zu unterstützen. "Das Wort hat sich im vergangenen Jahr erstmals auf breiter Ebene im Sprachgebrauch durchgesetzt und kann sich dort an das bereits etablierte Crowdsourcing anlehnen", sagt Jurymitglied Kristin Kopf. Dass es sich gut in die deutsche Sprache integriert habe, so Stefanowitsch weiter, zeige sich auch daran, dass es ein Verb, crowdsourcen, hervorgebracht habe. "Hier bleibt abzuwarten, welches Partizip sich durchsetzt – gecrowdsourct oder crowdgesourct."
Auf den zweiten Platz setzte die Jury das Wort Hipster, ein älteres Lehnwort, das aber seit einigen Jahren einen Bedeutungswandel hin zu einer abfälligen Bezeichnung für eine urbane, sich dem kulturellen Mainstream verweigernde Jugendkultur durchlaufen hat. "Welche Eigenschaften den Hipster eigentlich ausmachen, bleibt dabei aber sehr schwammig", kommentiert Jurymitglied Susanne Flach. "Nur eins ist klar: Hipster sind immer nur die anderen."
Auf den dritten Platz wählte die Jury mit dem Substantiv Fracking ein weiteres typisches Lehnwort, das gemeinsam mit einer neuen Technologie zur Gas- und Ölgewinnung in die deutsche Sprache übernommen wurde und dort mit fracken ebenfalls ein eigenes Verb hervorgebracht hat. "Da das Wort eine heftig umstrittene Technologie bezeichnet, wird es sich im nächsten Jahr sicher noch stärker im allgemeinen Sprachgebrauch verankern", sagt Jurymitglied Kilian Evang.
In der Publikumsabstimmung setzte sich ebenfalls das Wort Crowdfunding durch, gefolgt von gendern, das im allgemeinen Sprachgebrauch die Verwendung geschlechtergerechter Sprache bezeichnet – häufig mit einem kritischen Unterton. "Diese Bedeutung ist relativ neu", sagt Kopf. "In der Fachsprache bedeutet es eigentlich die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterunterschieden, oder die politische Rücksichtnahme auf diese." Auf dem dritten Platz landete in der Publikumsabstimmung ebenfalls Fracking.
"Obwohl das Englische auch 2012 eine wichtige Quelle für die Erweiterung des deutschen Wortschatzes war, hielt sich der Einfluss, wie auch in den Vorjahren, doch in Grenzen", stellt die Jury fest. Von den gut 60 Vorschlägen waren die wenigsten neu genug oder im allgemeinen Sprachgebrauch ausreichend stark verankert, um als aktuelles Lehnwort zu gelten.
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