(openPR) Ein autobiografisches Kinder-Theater
„Ich hasse Montag!“ Sophie stampft verbittert mit dem Fuß auf. „Und Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag auch!“ Eigentlich mag das zierliche Mädchen die Schule, berichtet es weiter. Nur der Schulweg – der sei das Problem. Unglücklich sieht das Kind auf seine Schuhspitzen, beißt sich auf die Unterlippe und geht schließlich schweren Herzens los. Den drei Jungen, denen sie auf ihrem Weg begegnet, muss sie ihr Pausenbrot geben. Am nächsten Tag verlangt die Gruppe den Füller. Das Mädchen ist verzweifelt.
Sophie könnte jeder sein – aber es gibt sie nicht wirklich: Es ist Elijona aus der 3c der Grundschule Charlottenburger Straße, die diese Rolle bei einer Schulaufführung spielt. Sie und 18 weitere Kinder haben ein halbes Jahr lang einmal in der Woche an einem Theaterprojekt gegen Mobbing teilgenommen. Kooperationspartner der Schule waren dabei die Telekom sowie die Kulturinitiative Jenfeld. Die beiden Theaterpädagoginnen Andrea Gritzek und Anna Kornbrodt haben mehrere Theaterstücke mit der Klassenlehrerin und den Kindern erarbeitet. Und genau hier liegt auch der Schwerpunkt des Projekts, bei dem der Weg das Ziel ist: Es gibt keine fertigen Dialoge zum Auswendig lernen, keine vorgefertigten Szenarien und auflösende Schlussszenen. Vielmehr mussten sich die Schüler sehr intensiv mit sich selbst und ihrem Umfeld auseinandersetzen: Wo hört Ärgern auf und wann fängt Mobbing an? Es wurden Erlebnisse nachgespielt, Rollen getauscht, geschubst und getröstet. Welche Situationen kenne ich aus eigener Erfahrung? Bin ich Opfer, bin ich Täter – oder beides? Was bringt andere – oder vielleicht sogar mich selbst – dazu, so gemein zu sein?
Anhand dieser Fragen haben die Schüler unter Anleitung der Theaterexpertinnen ihre autobiographischen Puzzleteile zu drei Theaterstücken zusammengesetzt. Von jedem Kind steckt also Erlebtes in den Geschichten. Dabei flossen während der Ideensammlung auch schon einmal Tränen. Manche Erinnerungen waren zu traurig und es kamen Zwischenfälle ans Tageslicht, die im Klassenrat oder im Einzelgespräch besprochen wurden.
„Was hätte ich tun können? Wie kann ich mich aus der Opferrolle befreien?“, waren deshalb auch zentrale Fragen des Projekts. Die Kinder beschlossen, dass Sophie ihre Mutter einweiht. Mutter und Tochter sollten den Tätern mit Freundlichkeit begegnen, indem sie sie zu einem Klassenfest dazu bitten. Das Gespräch mit den älteren Jungen ist holperig, gelingt nicht so ganz – aber die Überfälle hören zumindest auf und Sophie bekommt ihren Füller zurück. Ein erstere Schritt.
Im zweiten Stück wird der „Stinkerin“ Mia der Schulrucksack wegegenommen, herumgeworfen und schließlich ausgeleert. Sven sorgt mit seinen Behauptungen dafür, dass keiner mehr mit Mia spielen will. Doch die Freundin hält zu Mia. Gemeinsam holen sie weitere Kinder ins Boot, klären andere auf. Auch Svens Freunden geht langsam ein Licht auf und sie verlieren die Lust an den fiesen Spielchen. Am Ende ist es Sven, der alleine dasteht.
Das letzte der drei Stücke zeigt Nina, die Felina regelmäßig die Hausaufgaben stiehlt. Der Lehrer glaubt Felina zunächst nicht, weil die niedliche Nina „doch so ein nettes Mädchen ist“. Felina und ihr Freund überlegen, was sie tun sollen. Das ist schwer, denn viele der vermeintlichen Lösungen klappen nicht. Letztendlich sorgen die Kinder dafür, dass Nina auf frischer Tat ertappt wird. Nur so kann Felina die Lehrerin dazu bringen, ihr zu glauben, sind die Theater-Kinder überzeugt.
„Wenn ich geärgert werde und es nicht aufhört, hole ich Hilfe“, wird Elijona später an ihre beiden Theaterlehrerinnen schreiben. Anita ergänzt: „Man darf das nicht verheimlichen.“ „Ich erzähle es meinem Vater“, hat Omed seinen Weg gefunden. „Mobbing muss aufhören.“, fordert zum Schluss Nils, der im Laufe des Projekts sogar seine selbstgewählte Rolle niederlegte: weil er nach all den Erfahrungen nicht einmal mehr auf der Bühne bei den fiesen Jungen mitmachen will.









