(openPR) Überirdische Kräfte, kosmische Energie, Wunderheilungen – nicht nur Religionen, auch weltliche Medien beschäftigen sich zunehmend mit unerklärlichen Genesungen. Indizien für eine neue geistige Epoche? Oder alles nur fauler Zauber?
Sicher ist: Die Medien spiegeln den Zeitgeist wider oder eilen ihm sogar voraus. Das steigende Bedürfnis nach körperlich-seelischer Gesundheit wird also offenkundig. Aber bitte nicht mehr mit Hilfe der Schulmedizin! Fehldiagnosen, Kunstfehler, Nebenwirkungen, Profit der „Götter in Wei? – das sind allzu irdische Unzulänglichkeiten, die den Läuterungsprozess im Patienten behindern, ja vergiften. Und: Bevor Mikrochip und Megabyte vollends die rationale Oberhand gewinnen, wird es höchste Zeit, sich auf das Mystische in unserer Welt zu besinnen. Allerdings nicht hinter bleiverglasten bunten Fenstern. Schließlich hat auch die Religion – zumindest die westliche – mittlerweile ihren Jahrhunderte währenden mentalen Kredit verspielt.
So schwappt seit längerer Zeit eine neue Welle über den Globus. Keine Sintflut, die uns ertränken will. Im Gegenteil: eine Woge der Erkenntnis und Erleuchtung. Die Suche nach dem tieferen Sinn, der höheren Vernunft oder der letzten Weisheit, kurzum nach der Erlösung aus dem seelischen Dunkel kommt wieder zunehmend in Mode. Die Fahndung nach der rätselhaften und mächtigen Kraft, welche die Welt im Innersten zusammenhält, wird nicht mehr allein im Elfenbeinturm der Philosophen betrieben. Esoterik ist in. Selbst der rationale Manager im Nadelstreifenzwirn sucht inzwischen nach höheren Weisheiten – unter fachkundiger Anleitung für ein überirdisches Honorar, versteht sich. Räucherstäbchen und Amulette, Hellseher und Wahrsager, Weltverbesserer und Wunderheiler, Gurus und Sekten haben derzeit Hochkonjunktur.
Sicherlich sind rätselhafte Kraftquellen wie kosmische Strahlen, universelle Strömungen oder Magnetismus – irgendwo und irgendwie – existent. Doch sie tragen weder für unsere individuelle Seelennot oder Körperpein die Verantwortung, noch besitzen sie Erlöserqualitäten. Unser tägliches Unwohlsein lässt sich oft auf eine irdische fundamentale Ursache zurückführen: Angst. Die Furcht vor äußerer Bedrohung – Existenzangst also – wird aber gern als Tarnkappe für ganz andere, meist verdrängte Beklemmungen benutzt. Die eigentliche Gefahr kommt aus unserem Inneren.
Der dänische Philosoph Sören Kirkegaard hat dieses typisch Menschliche auf einen verblüffend einfachen Nenner gebracht: „Wir kommen dem Verständnis dieser Angst näher, wenn wir bedenken, dass die Menschen schon in der Kindheit der bedrohlichen Umwelt ausgesetzt waren. Sie haben ja diese bedrohliche Umwelt verinnerlicht. Sie tragen die bedrohliche Richterinstanz, die einst außerhalb von ihnen in ihren Eltern verkörpert war, nun in sich, und ängstigen sich auch dann, wenn alle Menschen freundlich zu ihnen sind.“
Fazit: Die scheinbaren Wunder sind in uns – der Quälgeist ebenso wie die gute Fee. Wir haben sie nicht heraufbeschworen, sondern sie nahmen von uns Besitz, als wir noch zu klein waren, um diesen Psychotrick zu erkennen. Deshalb wollen wir sie auch heute noch nicht wahrhaben und verlegen ihren Wohnort lieber nach draußen, möglichst weit weg, ins Universum. Kein Wunder, dass die Aussaat des Magischen und Okkulten auf fruchtbare Erde fällt.
Warum auch nicht? Wer heilt, hat recht. Und der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Nur: Der (Aber-)Glaube an Wunder hat einen Pferdefuß. Das grenzenlose Vertrauen in allmächtige Helfer verführt zur Passivität, zum Fatalismus. Anstatt zu handeln, lässt man geschehen. Und wenn's nicht geholfen hat, war's Schicksal.
Deshalb ist es viel sinnvoller und wirksamer, Ursachen und Heilmittel für körperliches und seelisches Unbehagen in der eigenen Person zu suchen. Hier entstehen Befürchtungen und Ängste, Gereiztheit und Ärger, Verstimmungen und Depressionen, Funktionsstörungen und Infektionen. Und genau hier liegen auch die Lösungen für solche Verdrießlichkeiten: Möglichkeiten zur Veränderung von Lebensumständen, die Fähigkeit zur Entspannung und Gelassenheit ebenso wie mächtige, ja geniale Selbstheilungskräfte. Ein Wunderheiler in uns heißt „Immunsystem“ und seine Steuerungszentrale „Gehirn“, der Sitz unseres Egos. Das bedeutet: Auch unser individueller Geist kann komplizierte körperliche Vorgänge dirigieren. Schon Anfang des letzten Jahrhunderts bewies der französische Forscher Emile Coué überzeugend, dass einfache Worte, suggestiv formuliert, genau jene Wunder vollbringen können, die Geistheiler gern übernatürlichen Kräften zuschreiben.
Es gibt viele Wege, seine Selbstheilungskräfte anzuregen und sein psycho-physisches Gleichgewicht wiederzufinden – sei es durch Entspannung, Suggestion, Hypnose, Placebos, homöopatische Mittel, „echte“ Medikamente oder psychotherapeutische Gespräche. Dazu gehört auch der Glaube, gewiss. Aber vor allem der Glaube an das göttliche Wunder in uns selbst. Und diese heilsamen Ressourcen werden weder durch gute noch durch böse Geister geweckt und entwickelt, sondern nur durch eigene Initiative und Tatkraft.












