(openPR) Die aktuelle Arbeitstagung Neurointensivmedizin hat erneut Hinweise auf den hohen, aber häufig unterschätzten Wert der therapeutischen Apherese geliefert. Die Fallzahlen der vorgestellten Patientengruppen sind zwar relativ klein; doch die Ergebnisse sind vielversprechend. Die Papers erschienen in "Anästhesie und Intensivbehandlung" 1/2014. Einen aktuellen Überblick über die Weltliteratur zum Thema bietet PD Dr. Rolf Bambauer (Homburg Saar) mit seinem Lehrbuch "Therapeutic Plasma Exchange and Selective Plasma Separation Methods".
Dr. K. Golombeck und Kollegen (Universitätsklinik Münster) legten zwei Studien zur Encephalitis vor:
1.) encephalitis associated with antibodies to N-methyl-D-aspartate receptors
2.) limbic encephalitis associated with antibodies to voltage-gated potassium channel complex
Bei beiden Indikationen belegen die Neurologen eine hohe Effizienz der therapeutischen Apherese.
Dr. K. Fuchs und Kollegen (Bezirksklinikum Regensburg) "halten trotz uneinheitlicher Ergebnisse in Einzelfällen bei paraneoplastischen und Autoantikörper-vermittelten Erkrankungen einen Therapieversuch mit einem Plasmabehandlungsverfahren für gerechtfertigt", soweit keine wirksamen Behandlungsalternativen vorliegen. Die Plasmabehandlung sollte über mindestens ein halbes Jahr durchgeführt werden, "um die Konzentration pathogener Antikörper dauerhaft zu senken, bevor die Wirksamkeit bewertet werden kann."
Über einen optionalen Behandlungsalgorithmus beim Guillain-Barre-Syndrom und dessen Variante Müller-Fischer-Syndrom berichten Dr. I. Schirotzek und Kollegen (UKGM Gießen): "Eine Verlängerung der Zahl von Plasmapheresesitzungen über leitliniengerechte fünf hinaus ist in unserer kleinen Patientengruppe sicher und verträglich gewesen. Die Effektivität ist jedoch bisher nicht sicher zu beurteilen ..."
Rolf Bambauer referiert 22 Studien, in denen das Guillain-Barre Syndrom (Acute Inflammatory Demyelinating Polyneuropathy) mit therapeutischer Apherese behandelt wurde. Die Rationale für die Anwendung des Verfahrens liegt in der humoralen und zellulären immunologischen Dysfunktion. Die Plasmapherese oder Immunadsorption bietet pathophysiologisch gesehen den Vorteil, potentiell pathogene Antikörper aus der Zirkulation zu entfernen. (Intravenös verabreichte Immunglobuline werden als Alternative oder Ergänzung zur Plasmapherese diskutiert.)
Nach Einschätzung von Bambauer sind die therapeutischen Potenziale der Plasma-Austausch- und Plasma-Separations- Verfahren weder in der Neurologie, noch in der Intensivmedizin auch nur annähernd bekannt. Wesentliche Weiterentwicklungen stehen noch aus.
>> Andreas Schwartz (Hrsg.): Arbeitstagung Neurointensivmedizin 2014. Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 1/2014
http://www.pabst-publishers.de/Medizin/med%20Zeitschriften/jai/2014-1.htm
>> Rolf Bambauer, Reinhard Latza, Ralf Schiel: Therapeutic Plasma Exchange and Selective Plasma Separation Methods, 4th Edition 2013. Pabst, 580 pages, ISBN 978-3-89967-732-4
http://www.pabst-publishers.de/Medizin/buecher/9783899677324.htm












