(openPR) Geheime Briefe, Rebellion gegen Kirche und Staat, Hochverrat: Die Sonderausstellung „eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation“ vom 01. Mai bis 31. Oktober auf Schloss Rochlitz erzählt die Geschichte mutiger, kämpferischer und rebellischer Frauen zur Zeit der größten religiösen Umwälzung in Deutschland. Der Ort der Ausstellung könnte nicht besser gewählt sein: Von 1537-47 residierte hier die Herzogin Elisabeth von Rochlitz, die sich gegen jeden politischen, religiösen und vor allem männlichen Widerstand für die protestantische Reformation einsetzte.
Die Reformation war kein rein männliches Ereignis, auch Frauen kämpften damals erfolgreich für religiöse und nicht zuletzt weibliche Selbstbehauptung. Eine von ihnen war Elisabeth von Rochlitz, auf deren ehemaligen Herrschaftssitz, Schloss Rochlitz, die Sonderausstellung „eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation“, die Geschichte der Reformation aus dem Blickwinkel der Frauen erzählt.
Elisabeth von Rochlitz ist von der ersten Stunde an, dem Thesenanschlag Luthers 1517, eine überzeugte Befürworterin der protestantischen Reformation. Die geborene Landgräfin von Hessen kommt als Gemahlin des albertinischen Thronfolgers Herzog Johann zunächst an den Dresdner Hof. Nach dem plötzlichen Tod ihres Gemahls bezieht sie 1537 ihren Witwensitz auf Schloss Rochlitz und beginnt unverzüglich mit ihrem mutigen Einsatz für die reformatorische Bewegung. Gegen den erbitterten Widerstand ihres Schwiegervaters Herzog Georg führt sie im Amt Rochlitz die Reformation ein und holt vertriebene Protestanten zurück. Zudem setzt sie neue Pfarrer ein und tritt im Sommer 1538 als einzige Frau dem Schmalkaldischen Bund bei.
Zu Beginn der 1540er Jahre, der Schmalkaldische Krieg steht kurz bevor, verschärfen sich die politischen und religiösen Spannungen im Reich zunehmend. In dieser Situation kämpft Elisabeth von Rochlitz für weibliche und religiöse Selbstbehauptung und fordert den Wandel gesellschaftlicher Rollenmuster. Sie agiert als kommunikative Mediatorin auf Augenhöhe und schreibt und verhandelt mit den beiden bedeutendsten evangelischen Reichsfürsten, ihrem Bruder Landgraf Philipp von Hessen und ihrem Cousin Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Nach Ausbruch des Krieges wird Schloss Rochlitz von kaisertreuen Truppen besetzt, Elisabeth muss fliehen, wird des Hochverrats beschuldigt und verbringt den Rest ihres Lebens im Exil in Hessen.
Der Lebensweg Elisabeth von Rochlitz ist nur ein Beispiel, anhand dessen die Ausstellung „eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation“ das gängige Bild von der Reformation als einem vor allem männlichen Ereignis aufbrechen und damit Fehlstellen in der deutschen Erinnerungskultur korrigieren will. Neben Katharina von Bora und der Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg-Göttingen werden auch völlig unbekannte Streiterinnen der Reformation wie Ursula Weyda, Wibrandis Rosenblatt oder Katharina Zell vorgestellt. Mit über dreihundert herausragenden Exponaten von nationalen und internationalen Leihgebern, verteilt auf circa eintausend Quadratmetern, dokumentiert die Ausstellung erstmals in dieser Form weibliche Lebenswege und Lebenswelten des 16. Jahrhunderts.
Schloss Rochlitz gehört zu den besonders bedeutsamen Orten am Lutherweg. Das eigenwillige, in seiner Bauform fast einer Kathedrale gleichende Schloss, ist neben der Albrechtsburg Meißen einer der bedeutendsten Herrschaftssitze der Wettiner. Ursprünglich als reine Wehranlage konzipiert, erfuhr das Schloss zahlreiche bauliche Veränderungen von der Romanik bis zur Renaissance - jeweils entsprechend den Ansprüchen des zeitgenössischen Wohnkomforts. Nach seiner wechselvollen Geschichte wird es 1995 schließlich vom Freistaat Sachsen übernommen und umfassend saniert.













