(openPR) Das Locked-in-Syndrom kann mit dem Hirntod verwechselt werden, verdeutlichen Dr. A. Papagianni und Kollegen (Uniklinik Würzburg) anhand eines Beispiels (in Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 1/14). "Die funktionelle Prognose des betroffenen Locked-in-Syndrom-Patienten war zweifellos der Prognose bei Hirntod gleichzusetzen. Bei klinischer und apparativer Untersuchung gemäß den deutschen Richtlinien zur Bestimmung des Hirntods konnte jedoch im vorliegenden Fall keine fatale Fehleinschätzung unterlaufen."
Der 54jährige Patient war aufgrund einer akuten Bewusstlosigkeit und im initial leblosen Zustand in die Intensivstation eingeliefert worden. Bereits zu diesem Zeitpunkt ließ sich in der kraniellen Computertomographie ein beidseitiger ausgedehnter Kleinhirninfarkt mit Beteiligung des Mittelhirns und der Kleinhirnbrückenwinkel nachweisen.
"Dieser Fall ist ungewöhnlich, weil die Ausdehnung des Infarkts zu einem Syndrom führte, das über ein Locked-in-Syndrom hinausging und klinisch einem Hirntodsyndrom entsprach. Dies unterstreicht einerseits, dass die nicht überall übliche Unterscheidung zwischen primär infra- oder supratentorieller Hirnschädigung zu einer Feldiagnose Hirntod führen kann. Zweitens unterstreicht es den Stellenwert der apparativen Funktionsdiagnostik zur Feststellung eines Hirntodes, die bei infratentorieller Läsion international nicht allgemein gefordert wird."
>> Andreas Schwartz: Arbeitstagung Neurointensivmedizin 2014, Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung 1/2014, Seite 93
>> Frank Thömke, Christian Beyer, Thomas Kerz, Stefan Welschehold: Hirntoddiagnostik in Deutschland. In: W. Kuckelt, P.H. Tonner: Jahrbuch Intensivmedizin 2012/2013. Pabst, 352 Seiten, ISBN 978-3-89967-836-9













