(openPR) MÜNCHEN - Am 20. Februar 2014 findet am Sozialgericht München der Auftaktprozess um einen Fall von Kindesmissbrauch statt. Die Vorwürfe richten sich gegen einen ehemaligen Psychologen. Dieser war in einer therapeutischen Einrichtung des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche Württemberg beschäftigt.
Erschreckend, dass das Thema Kindesmissbrauch nun auch Organisationen erfasst, denen bislang noch viele Menschen vertrauten: In der katholischen Kirche steht zurzeit der Vatikan unter massivem Druck, ähnliche Vergehen durch Geistliche aufzudecken und weitere zu unterbinden. Im Münchener Auftaktprozess nun, dem ein Zivilprozess folgen soll, dreht es sich um ein Sprachheilzentrum der evangelischen Diakonie. Die dortigen Vorkommnisse reichen mittlerweile rund vierzig Jahre zurück.
Niemand denkt bei dem Idyll am Bodensee, wo sich das Sprachheilzentrum befindet, an den Missbrauch von Kindern. Heute nicht und erst recht nicht damals. Zudem wurde ein solches Thema in den 70er-Jahren noch aktiv verschwiegen. Das mutmaßliche Opfer, Markus Schmalzried (51), wurde zunächst mit vier Jahren durch einen Erwachsenen schwer misshandelt. Dieses Erlebnis löste traumatisch bedingtes Stottern bei ihm aus.
Einige Jahre später suchte er wegen der Folgen dieser Misshandlung einen Sprachtherapeuten auf. Dem Jungen sollte in der Einrichtung einfach nur geholfen werden. Der Psychologe jedoch missbrauchte ihn im Rahmen der Untersuchung. Markus fiel in der Folge in seinen schulischen Leistungen dramatisch ab. Dieser abrupte Einbruch fiel auch seinen Mitschülern und Lehrern auf. Später kam dann die Magersucht dazu.
Kläger schwieg viele Jahre
Schmalzried hat das Geschehene über zwei Jahrzehnte verschwiegen und in seinem Leben nie richtig Halt gefunden. Eine Gutachterin attestiert dem mutmaßlichen Opfer eine psychogene Amnesie, die Verdrängung der Vorkommnisse. Es folgen drei Anzeigen gegen den Psychologen, die ohne Erfolg bleiben. Das dritte Ermittlungsverfahren wird Ende 2007 wegen Verjährung eingestellt. Schmalzried wendet sich an die evangelische Landeskirche Württemberg.
Hier zumindest ein Teilerfolg - das Gefühl gehört zu werden und den richtigen Schritt in die Öffentlichkeit getan zu haben: Die kirchliche Seite beginnt zu recherchieren. Auch die heutige Leitung des Spachheilzentrums ist mittlerweile an der Aufklärung der Vorwürfe interessiert. Die Tat wurde von der evangelischen Kirche jedenfalls nie bestritten. Entschädigungsverhandlungen mit Schmalzried wurden aber ohne Angabe von Gründen abgebrochen.
Pikant, dass der Täter, mittlerweile verstorben, die Vorwürfe gegenüber einer
Journalistin der Schwäbischen Zeitung zwischen den Zeilen eingeräumt hat. Schmalzried klagt nun, weil die Trägerin des Sprachheilzentrum nicht einlenkt, im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes gegen das Regierungspräsidium Stuttgart auf Ausgleich.
Um die schutzwürdigen Interessen des Opfers und Angeklagten zu wahren, wird das Verfahren vermutlich weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.











