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Somatoforme Störungen: keine eingebildete Krankheit, multiple Ursachen

Bild: Somatoforme Störungen: keine eingebildete Krankheit, multiple Ursachen
Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 4/2013
Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 4/2013

(openPR) Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung leidet zeitweilig oder langfristig unter somatoformen Störungen: körperliche Beschwerden, für die die Medizin keine Erklärung oder Therapie anbieten kann. Gelegentlich tritt der falsche Verdacht auf, die Krankheit sei "eingebildet". Doch sie hat verschiedenste Ursachen; somatoforme Störungen fordern eine differenzierte biopsychosoziale Diagnostik heraus, berichten Psychologen in der Fachzeitschrift "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin", Schwerpunktausgabe "Somatoforme Störungen - Neuentwicklungen bei Klassifikation, Diagnostik und Modellbildung".



Häufige somatoforme Störungen sind

- chronische Müdigkeit,
- chronische Rückenschmerzen,
- chronische Unterbauchbeschwerden
- Fibromyalgie
- funktionelle Dyspepsie
- Globus
- Hyperventilationssyndrom
- Idiopathischer Gesichtsschmerz
- Multiple Chemische Sensitivität
- Nicht-kardialer Brustschmerz
- Prämenstruelles Syndrom
- Reizdarmsyndrom
- Schleudertrauma-assoziierte Beschwerden
- Spannungskopfschmerz
- Temporomandibuläre Störung

In den seltensten Fällen ist nur an eine einzige Ursache zu denken. Susanne Fischer und Urs Nater (Universität Marburg) erläutern in ihrem Beitrag in "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" die unterschiedlichen Komponenten:

Zunächst stehen Traumatisierung und Stress im Vordergrund; sehr häufig berichten Betroffene über Verletzungen in der Kindheit oder in späteren Jahren. Immer wieder werden auch Ergebnisse von "Modellernen" sichtbar, etwa: Wurde während der Kindheit eine bestimmte Beschwerde mit besonderer elterlicher Zuwendung "honoriert", kann sich das Beschwerdebild festigen.

Fischer und Nater beschreiben detailliert mögliche genetische, neuroendokrine, autonome und immunologische Faktoren. Auch in der Hirnanatomie lassen sich Hinweise erkennen: "Insbesondere bei funktionellen Schmerzsyndromen scheinen Auffälligkeiten sowohl in der Verteilung der grauen Gehirnsubstanz, wie auch in der basalen und stimulierten Gehirnaktivität vorhanden zu sein. Die Reduktion grauer Gehirnsubstanz in der sogenannten ´Schmerzmatrix´" scheint hier eine Rolle zu spielen. Die bei Betroffenen "festgestellte Dysbalance von hemmenden und erregenden Neurotransmittern sowie die reduzierte Dopaminausschüttung dürften eine entscheidende Rolle in der Regulierung von Schmerz innerhalb dieser Matrix spielen."

Klinische Studien haben auch in der Persönlichkeit Betroffener eine Komponente gefunden: Vor allem Perfektionismus, Neurotizismus, Alexithymie können direkt oder indirekt über das Erleben von Stress die Ausbildung der somatoformen Störung beeinflussen.

>> Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 4/2013. Gastherausgeber: Maria Kleinstäuber und Michael Witthöft. Themenschwerpunkt: Somatoforme Störungen - Neuentwicklungen bei Klassifikation, Diagnostik und Modellbildung
www.psychologie-aktuell.com/vuv

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