(openPR) Am 27. Januar 2006 wurde der erste virtuelle Flashmob auf der Webseite von Spiegel online beobachtet. Die spontane Zusammenkunft dauerte nur wenige Minuten. Die Teilnehmer trafen sich auf dem Artikel, der über den Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau berichtete. Sie äußerten alle das Wort "Trauer" in Ihren Sprechblasen und verschwanden nach einer Schweigeminute wieder.
Es begann auf Google, wo sich häufig viele Web Mobs treffen, denn jeder der viel mit dem Internet arbeitet, kommt mehrmals täglich bei Google vorbei. Am 27. Februar tippte ein Besucher in seine Sprechblase, dass Johannes Rau gestorben sei. Ein anderer fragte: "Echt? Woher weißt Du?". Dann sendete der Erste die Webadresse des entsprechenden Spiegel-Artikels http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,397603,00.html in seiner Sprechblase. Spontan entschieden sich eine Handvoll Leute auf den URL zu klicken und trafen sich dort wieder. Beim Lesen des Artikels schreib einer "*Trauer*" in seine Sprechblase, wie es in der Chat Sprache üblich ist. Die anderen taten es ihm nach. Dann kehrten die Teilnehmer des ersten dokumentierten virtuellen Flashmob wieder zu ihren ursprünglichen Tätigkeiten zurück und verließen die Webseite. Innerhalb von wenigen Minuten war der Flashmob vorbei.
"Weil alles so schnell ging, habe ich leider vergessen einen Screenshot zu machen", berichtet Dr. Heiner Wolf, einer der Teilnehmer des virtuellen Flashmobs. "Aber ich war dabei und es war faszinierend."
Flashmobs sind bisher nur in der realen Welt bekannt gewesen. Menschen, die sich vorher nicht kannten kommen spontan zusammen, um gemeinsam etwas zu tun. Flashmobs galten zunächst als Kunstform, später in Anlehnung an Howard Rheingolds Smart Mobs auch als Kundgebung. Sie kommen dadurch zustande, dass Teilnehmer einer Aktion über Websites, in Newsgroups, SMS oder Email über Ort, Uhrzeit und geplanter Handlung informiert werden.
Beim ersten virtuellen Flashmob wurden die Teilnehmer allein durch ihre virtuelle Präsenz ohne Hinweis auf der Webseite selbst organisiert. Sie waren zufällig an demselben virtuellen Ort, auf einer Webseite, auf der zum Flashmob aufgerufen wurde. Die Teilnehmer entschieden spontan, Anteil am Tod des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau zu nehmen. Sie vollzogen alle dieselbe Handlung. Die Gruppe, die Anwesenheit und Sichtbarkeit der anderen, brachte jeden einzelnen dazu, gemeinsam zu handeln.
Beim ersten virtuellen Flashmob war die Teilnehmerzahl noch recht übersichtlich. Denkt man das Prinzip aber weiter, könnten die neuen Kollektive in Zukunft erstmals globale, weltweite Kundgebungen direkt vor der virtuellen Haustür der Ziele ihrer Proteste organisieren. Flashmobs entwickeln sich auch im Web zum politischen Instrument.
Möglich gemacht wurde der virtuelle Flashmob vom Social Networking Dienst Web Mobs. Mit Web Mobs können die Besucher einer Webseite sich sehen und miteinander kommunizieren, unabhängig von den Tools der Webseite selbst. Die Social Software Web Mobs unterstützt rein zufällige Begegnungen. Es ist nicht notwendig, dass die Personen sich kennen oder Instant Messenger Adressen voneinander besitzen. Web Mobs wurde auf Basis des Jabber Protokolls XMPP entwickelt und unterliegt der Open Source Lizenz GPL.
Weitere Informationen zur virtuellen Präsenz und Web Mobs:
http://www.virtuelle-praesenz.de und http://www.webmobs.de.
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Stichworte:
Social Software, Social Networks, Co-Browsing, virtuelle Präsenz, Flashmobs, Smart Mobs













