(openPR) Was wissen wir über die Mongolei? Nicht viel. Wir denken zuerst einmal an unendlich weite Steppen und Wüsten, an Nomaden und ihre runden Zelte, an die Tiere der Nomaden (Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder, Kamele, Yaks und andere), vielleicht auch an vergorene Stutenmilch, die Kaschmirwolle, an die Pferdekopfgeige und den Obertongesang. Manche denken auch an Dschingis Khan; das Mongolische Reich erstreckte sich am Höhepunkt seiner Macht im 12. Jahrhundert über die östliche Hälfte Europas und einen großen Teil Asiens - inkl. China - und stellt das größte zusammenhängende Reich der Geschichte dar.
Für Deutsche ist die Mongolei oft ein Sehnsuchtsort, eine Reise mit der Transmongolischen Eisenbahn ein Lebenstraum. Begeisterung lösen einige statistische Werte aus: Die Bevölkerungsdichte (2 Einwohner pro qkm in der Mongolei, 226 pro qkm in Deutschland), die Zahl Sonnenstunden (ca. 1000 Sonnenstunden mehr pro Jahr als in Deutschland), die Höhe des Landes (durchschnittlich 1580m über NN), die Wetterextreme (-40 bis +40 Grad; der Jahresdurchschnitt in der Hauptstadt Ulaanbaatar liegt bei -3,2 Grad Celsius).
Ernüchterung tritt ein, wenn die Menschen erfahren, dass die Mongolei noch immer ein Entwicklungsland ist (BIP/Kopf in 2012 rund 3800 US-Dollar) und Ulaanbaatar aufgrund von Kohlekraftwerken und Kohleöfen die Smog-reichste Hauptstadt der Welt ist.
Wie sieht es wirtschaftlich aus?
Die Mongolei lag beim Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren auf den vordersten Plätzen und Frau Merkel unterzeichnete 2011 das erste Rohstoffabkommen, das Deutschland überhaupt mit einem anderen Land abschloss.
Hintergrund für das Wirtschaftswachstum sind die ins Land fließenden Investitionen in den Bergbau und der stark wachsende Dienstleistungsbereich. Beispiel: Die Bergbauunternehmen Turquoise Hill Resources / Rio Tinto besitzen 66 % des größten Bergbauprojektes in der Mongolei, der Mine Oyu Tolgoi. Die Investitionen in diese riesige Kupfer-/Goldmine und in die Anlagen zur Herstellung von Kupferkonzentrat betragen rund 10 Mrd. US-Dollar.
Hintergrund für das Rohstoffabkommen ist das Potential des Landes. Die Mongolei ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Es gibt riesige Vorkommen an Kokskohle, Kupfer, Gold, Uran, seltenen Erden, Molybdän, Flussspat, Erdöl etc.
Gleichzeitig ist die Lage kompliziert. Das Land liegt zwischen den großen und mächtigen Ländern China und Russland. Die beiden Länder sind mit je ca. 30% die größten Lieferländer. Faktisch besteht eine sehr große Abhängigkeit von China, wohin weit über 90% der mongolischen Exporte geliefert werden. Von der Russischen Föderation hängt die Mongolei aufgrund der Rohöllieferungen und dem Verkehrszugang über die Transsibirische Eisenbahn ab. Die Transmongolische Eisenbahn gehört zu 50% der Russischen Eisenbahn und wird durch diese faktisch dominiert.
Der Bergbausektor wird bis auf weiteres der entscheidend für die Wirtschaftsentwicklung sein. Die politische Zielvorstellung, Rohstoffe zunehmend im eigenen Lande zu verarbeiten und von dieser Wertschöpfung zu profitieren, soll die Abhängigkeiten verringern. Gleichzeitig wird eine „Politik des dritten Nachbarn“ verfolgt; dies bedeutet, dass auch andere Länder wie insbesondere auch Deutschland größere Bedeutung beim Import und Export erlangen sollen.
Es gibt keine gemeinsame Grenze mit einem weiteren Land, es gibt keinen Seezugang. Das Wetter ist extrem, die Infrastruktur ist sehr schwach entwickelt (rund 3000 km befestigtes Fernstraßennetz in einem Land, das viereinhalb mal so groß ist wie Deutschland), das Ausbildungsniveau ist vergleichsweise niedrig, die Landflucht in die Hauptstadt und der braindrain ins Ausland sind hoch. Einige kurze Schlaglichter: Hermes-Länderkategorie: 5 (die schwächste ist die Gruppe 7). Ease of Doing Business: Rang 76 von 185. Global Competitiveness Index: 93 von 144. Transparency Perception Index: Rang 120 von 183.
Was wir gebraucht?
Austausch von Wissen und Erfahrungen, Baumaschinen und Baustoffe, Infrastruktur und moderne Logistik, Kühltechnik für die Lebensmittellogistik, Maschinen für den Bergbau, Medizintechnik, Werkstatt-Ausrüstungen für das Handwerk und vieles mehr.
Wir sollten bei der Mongolei also nicht nur an Steppen und Wüsten denken, sondern auch an die wirtschaftlichen Herausforderungen und an die großen Chancen für deutsche Unternehmen.











