(openPR) Fachverband integrativer Lerntherapie warnt vor vorschneller Euphorie
Immer noch 14% Analphabeten-Rate unter Schulabgängern
GEORGSMARIENHÜTTE / 6. Dezember 2013. Der Fachverband für integrative Lerntherapie e.V. (FiL) sieht in der aktuellen Freude über die guten Ergebnisse der diesjährigen Pisa-Studie die Gefahr einer trügerischen Sicherheit. Die aktuell veröffentlichten PISA-Ergebnisse weisen zwar nach, dass die Anstrengungen der letzten Jahre, das Bildungssystem in Deutschland zu verbessern, Fortschritte erkennen lassen. Dies ist durchaus ein Anlass, stolz auf das Erreichte zu sein. Der FiL weist jedoch gleichzeitig auf einen nachweislichen Anteil von 14 Prozent der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die von funktionalem Analphabetismus betroffen sind.
Was bedeutet das? 14 Prozent der 15-Jährigen können nur einfachste Texte verstehen und die Level-One-Survey-2011 zeigte auf, dass 14 Prozent aller Erwerbsfähigen in Deutschland funktionale Analphabeten sind, also alltagsrelevante Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Daher rechtfertigt die aktuelle Studie nicht, die Hände selbstzufrieden in den Schoß zu legen.
Lilo Gührs, Vorstandsvorsitzende des FiL und Lerntherapeutin erklärt, warum Schule hier nach wie vor einen hohen Bildungsauftrag hat: „Wer nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen kann, hat auch bei normaler und guter Begabung nur sehr eingeschränkte Chancen am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und einen Beruf zu erlernen, der seinen sonstigen Fähigkeiten entspricht.“ An Lernstörungen wie Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörungen leiden laut internationaler Studien rund fünf Prozent der Kinder. „Wer es sich leisten kann“, so Gührs, „nimmt außerschulische Förderung in Anspruch. Damit ist es nicht verwunderlich, dass die Bildung in Deutschland nach wie vor von der Herkunft abhängig ist.“ Lerntherapie wird nur dann bezahlt, wenn in einem oft sehr langwierigen und aufwändigen Verfahren nachgewiesen wird, dass ein Kind aufgrund seiner Lernstörungen von einer seelischen Behinderung betroffen beziehungsweise in hohem Maße bedroht ist. Berechtigte können unter Umständen auch Lernförderung über das Bildungspaket beantragen. „Neben wichtigen Spitzenleistungen sollte eine Gesellschaft, deren wichtigstes Gut die Bildung der Menschen ist, auf die schauen, die hier nicht die Minimalziele erreichen. Hier fehlt es dringend an Ideen, Initiativen, Maßnahmen und nicht zuletzt an Forschung, wie dies geschehen kann und vor allem wie es zu verhindern oder zu verändern ist“, mahnt die FiL-Vorsitzende.
Um auf Dauer und nachhaltig an diesen Zahlen etwas zu ändern, fordert der FiL, dass Lehrerinnen und Lehrer besser ausgebildet werden, um diese Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen frühzeitig erkennen zu können. Wichtig ist, dass alle betroffenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen die adäquate Hilfeform Lerntherapie etwa als standardisiertes Schulangebot erhalten können. Gerade weil sich die Schulen immer größeren Herausforderungen stellen müssen, ist es dringend notwendig, dass sie bei ihren Aufgaben von weiteren Professionen unterstützt werden. „Hier sei nur auf das Thema Inklusion hingewiesen“, greift Lilo Gührs auf und fährt fort: „Vielfältige Kooperationsprojekte von Lerntherapie und Schule haben inzwischen gezeigt, dass nicht nur Kinder mit Lernstörungen von der Kooperation profitieren, sondern auch die Lehrkräfte und alle anderen Kinder im Unterricht, weil die Lehrerinnen und Lehrer durch den Austausch und das gemeinsame Handeln Kompetenzen erwerben, die im Unterricht allen Kindern zugutekommen.“
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