(openPR) Ketzin / 12. Dezember 2016. Aktuell machen verschiedenste Aktio-nen und Studien zum Bildungswesen in Deutschland auf sich auf-merksam, zu dem der Fachverband der integrativen Lerntherapeuten
(FiL e.V.) eine eindringliche Stellung abgibt:
Das Bildungsministerium für Bildung und Forschung hat mit einer Dekade für Alphabetisierung angekündigt, die Lese- und Schreibfä-higkeiten von Erwachsenen in den nächsten zehn Jahren deutlich verbessern zu wollen. Der Bund und die Länder erkennen an, dass sich ein Land wie Deutschland eine Rate von 7,5 Millionen erwach-senen funktionalen Analphabeten dauerhaft nicht leisten kann. Die Initiative unterstützt jedoch die Förderung der Erwachsenen in Al-phabetisierungskursen, die vorrangig an Volkshochschulen stattfin-den „Das ist sicher wichtig, wenn wir den Analphabetismus aber wirk-lich bekämpft wollen, müssen wir in der Schule ansetzen. Der über-wiegende Teil der funktionalen Analphabeten sind Muttersprachler und besuchten eine Schule in Deutschland“, betont die FiL-Geschäftsführerin Marlies Lipka.
So zeigen die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie 2015 der Orga-nisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf, dass es bei aller verhaltenen Freude noch immer rund 16% der Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gelingt, im Bereich Lesekompetenz ein Grundkompetenzniveau (Kompetenzstufe 2 von 6) zu erreichen. 17% der Schülerinnen und Schüler erreichen zudem in Mathematik kein Grundkompetenzniveau. Das bedeutet, dass die-se Kinder im Altern von 15 Jahren nach rund zehn Jahren Schule immer noch leistungsschwach sind und nur unzureichend über Grundkompetenzen in Lesen und Mathematik verfügen.
„Da liegt ein Zusammenhang nahe und es stellt sich die Frage, ob diese Schülerinnen und Schüler es in den wenigen verbleibenden Schuljahren die Basiskompetenzen noch ausreichend erwerben oder sich am Ende ihrer Schullaufbahn unter die oben genannten 14 Pro-zent der erwerbsfähigen Bevölkerung gesellen, die ihren Alltag ohne ausreichendes Lesen und Rechtschreiben bewältigen muss? Sieht es im Bereich Rechnen und Mathematik ähnlich aus? Auch dieser Verdacht liegt nahe. Da der Bezug zur Bildungsbiografie jedoch nicht thematisiert oder untersucht wird, hat man den Eindruck, Analphabe-tismus sei eine Krankheit, welche Erwachsene urplötzlich ereilen kann“, so Marlies Lipka.
Zieht man auch die OECD-Bildungsstudie hinzu, in der immer wieder auf den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen hingewiesen wird und berücksichtigt man, dass es noch immer keine einheitlichen Regelungen zur Förderung für Kinder mit LRS gibt, liegt der Schluss für eine weitere Bestätigung des Bezuges nahe. Die adäquate Hilfe für diese Betroffenen wäre eine professionelle Lern-therapie. Diese wird jedoch vom Jugendamt erst finanziert, wenn die Kinder von einer seelischen Behinderung betroffen sind (§35a SGB), das Antragsverfahrung ist sehr aufwendig und mühsam und lässt die Eltern als „Bittsteller“ dastehen. Krankenkassen zahlen diese Hil-femaßnahme – im Gegensatz zu Logopädie oder Ergotherapie – nach wie vor nicht.
Erfreulicherweise hat Prof. Dr. Cordula Löffler von der Hochschule in Weingarten in ihrem Schlusswort anlässlich der Auftaktveranstaltung der Alphabetisierungsdekade auf den Zusammenhang zwischen An-alphabetismus und frühschulischen Lese-/Rechtschreibstörungen (LRS) hingewiesen. Sind die durchaus begrüßenswerten Bemühun-gen von Bund und Ländern zur Verbesserung des Schulniveaus und zum Abbau der Analphabetenrate unter Erwachsen jedoch ernst ge-meint, muss frühzeitig in Grundschulen begonnen werden. Der Weg zur Lerntherapie muss allen Betroffenen offen stehen, am besten eingebunden in eine multiprofessionelle Teamarbeit an der Schule, bei der Lehrkräfte, Förder- bzw. Sonderlehrerkräfte und Lernthera-peut/innen zusammenarbeiten. Nur dann verbessert sich die Mög-lichkeit, dass Schülerinnen und Schüler Grundschulen mit den nöti-gen Grundkompetenzen verlassen, die in weiterführenden Schulen unerlässlich sind, in allen Schulformen, für die Berufsausbildung so-wie für eine autonome Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!
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Quellen:
Pressemitteilung des BMBF vom 28.11.2016 sowie OECD-Studie vom 06.12.2016










