(openPR) Auf dem 8. „Weltkongress zum Melanom“ in Hamburg hört man es überall: Endlich tut sich etwas im Bereich der Hautkrebserkrankungen – das gilt für die Vorsorge und für die Behandlung von schwarzem wie auch hellem Hautkrebs in der fortgeschrittenen Form.
Professor Dirk Schadendorf (53) vom Westdeutschen Tumorzentrum im Universitätsklinikum Essen berichtete auf einer Pressekonferenz der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs am Rande des Kongresses von beeindruckenden Erfolgen in der Vorsorge: „Vor zehn Jahren wurden in Schleswig-Holstein in einer Feldstudie die Auswirkungen des so genannten Vorsorge-Screenings untersucht“, so der Hautkrebsexperte. „Das Ergebnis ist deutlich: Zwischen Nord- und Ostsee liegt inzwischen die Sterblichkeit aufgrund von Hautkrebs um etwa 50 Prozent niedriger als im übrigen Deutschland!“
Aber auch in der Behandlung von fortgeschrittenen Hautkrebserkrankungen sind Erfolge zu vermelden: Die wichtigste Botschaft gleich vorweg: Hautkrebs ist zwar eine der bösartigen Erkrankungen, aber mit guten Heilungschancen, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Das gilt allerdings nicht für die fortgeschrittene Form von schwarzen Hautkrebs - dem malignen Melanom: Bis heute verstirbt rund ein Fünftel aller Patienten mit dem gefürchteten Hochrisiko-Melanom. Doch nach drei Jahrzehnten des Stillstands in der Behandlung wurde ein Durchbruch erzielt. „Voraussetzung für die innovative, zielgerichtete Therapie war die Entdeckung eines wichtigen Signalwegs der Tumorentstehung“, erklärt Prof. Schadendorf. „Aus der Forschung ans Krankenbett kommen jetzt ganz neue Therapeutika, die zum Beispiel gezielt die Signalübermittlung der Botenstoffe unterdrücken. Damit wird die Teilung der bösartigen Zellen zum Erliegen gebracht.“
Neue Behandlungen auf dem Weg in die Praxis
Nach ganz ähnlichem Prinzip arbeitet der neue Wirkstoff Vismodegib, der soeben für die Behandlung des fortgeschrittenen Basalzellkarzinoms zugelassen wurde. Er dockt an ein bestimmtes Eiweiß in den Krebszellen an, in denen der so genannte Hedgehog-Signalweg aktiv ist, und unterbindet so den Befehl zur Zellteilung.
Das Basalzellkarzinom ist die häufigste Form des hellen Hautkrebs. „Generell ist der helle Hautkrebs zwar über lange Zeit weniger aggressiv als der schwarze Hautkrebs, dafür allerdings viel häufiger“, erläutert der Experte. „Inzwischen gehen wir von 170.000 neuen Erkrankungsfällen pro Jahr aus. Hauptrisikofaktor sind lange und zu häufige ungeschützte Aufenthalte in der Sonne.“
Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt, kann sich der Tumor weitflächig oder tief in das umliegende Gewebe ausbreiten. Mit dem neuen Wirkstoff ist nun eine gezielte Behandlung dieser Patienten möglich.
Ein Blick in die Zukunft
„Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet auch in den nächsten Jahren eine sehr gute Option für Patienten mit einem fortgeschrittenen Hauttumor“, wirft der Experte einen Blick in die Zukunft. „Neben den bereits neu zugelassenen Medikamenten haben wir mindestens zwei weitere, wirksame Medikamente, für die wir in den nächsten 18 Monaten eine Zulassung erwarten. Und damit stellen sich neue, brennende Fragen: Kann durch Kombinationen oder durch einen Wechsel der Therapeutika die Wirkung verbessert werden? Gibt es bald Möglichkeiten treffender vorherzusagen, welcher Patient von welchem Medikament am meisten profitiert. Fakt ist, wir verstehen inzwischen immer mehr, wie Hautkrebs biologisch funktioniert und deswegen können wir die Überlebenszeit endlich verlängern.“
Professor Dirk Schadendorf ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsklinik Essen und leitet das Hauttumorzentrum Essen. Außerdem ist er seit Mai diesen Jahres geschäftsführender Direktor des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) Essen und engagiert sich unter anderem ehrenamtlich im Vorstand der Hiege-Stiftung gegen Hautkrebs.









