(openPR) Sommerzeit ist Weidezeit für Rinder. So jedenfalls stellen es sich die meisten Menschen vor und so sollte es sein. Leider sind draußen aber in der Regel nur Aufzuchtkälber, hochtragende Kühe und Masttiere zu sehen. Milchkühe werden nämlich normalerweise wegen der täglich mindestens zwei Melkzeiten, also aus rein arbeitswirtschaftlichen Gründen, in sogenannten Laufställen gehalten. Dies wird von der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung (AGfaN) abgelehnt. Rinder seien als Paarhufer von der Natur für weiche Untergründe eingerichtet und gehörten, wie alle Nutztiere, auf natürlichen Boden. Wo Milchvieh auf die Weide darf, lässt sich beobachten, wie gerne die Tiere davon nach dem morgendlichen Melken Gebrauch machen.
Milchrinder werden seit Jahren in zunehmender Zahl und in immer größeren Herden ganzjährig in Ställen gehalten. Diese haben für jedes Tier eine eigene Liegefläche. Der Bewegungs- und Fressbereich besteht jedoch in der Regel aus Betonboden, durch dessen Spalten der Kot durch den Urin hindurchgespült und durch die Klauen hindurchgetreten werden soll. In der Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Die Tiere stapfen nämlich fortwährend durch ihren Kot, weil die Spalten nicht zu breit sein dürfen, damit die scharfen Kanten keine Verletzungen hervorrufen. Dadurch weichen die Klauen auf und es kann selbst bei kleinen Wunden zu schmerzhaften Entzündungen kommen. Wegen der aus der Glätte herrührenden Rutschgefahr gehen die Rinder auf den einstreulosen Betonböden nur ganz langsam. „Mit dem Begriff ´Rinderlaufstall´ beschönigen die Tierhalter diese Stallform und täuschen die Verbraucher bezüglich der tatsächlichen Lebensbedingungen der Rinder. die im Stall viel gesünder auf guter Stroheinstreu leben und nach draußen gehen würden, wenn man sie nur ließe“, prangert der Rinderfachmann der AGfaN Frank Bergmann die Zustände an. Aus der Sicht des Tierschutzes ist diese Entwicklung sehr zu beanstanden. „Milchkühe sind schließlich leidensfähige Mitgeschöpfe, denen wir Menschen wenigstens ein gutes Leben ermöglichen sollten“, meint Vorsitzender Eckard Wendt. Die Spaltenböden dienen allein der Zeitersparnis durch den Fortfall der Einstreupflege.
Und noch etwas beanstanden die Tierschützer: Aufgrund der angezüchteten hohen Milchleistung kommt es trotz eines ausgefeilten Fütterungsmanagements, das viel eiweiß- und energiereichereiche Bestandteile enthält, insbesondere zur Unterversorgung mit wiederkäuergerechtem Raufutter. Deshalb werden schon bald nach dem Abkalben, also bereits zu Beginn der Milchproduktion (Laktation) sogar körpereigene Fettreserven aufgebraucht. Davon betroffen sind schließlich auch die wichtigen Fetteinlagerungen in den Klauen, die gerade auf hartem Untergrund zur Abfederung der schweren Körper unverzichtbar sind. „Die durch Extremzucht und Mangelversorgung hervorgerufenen Klauenerkrankungen sind sehr schmerzhaft und damit tierschutzrelevant“, beklagt Bergmann. Bedauerlicherweise sorgen viele Rinderhalter, die ihre Tiere noch hinaus lassen, nicht für ausreichenden Witterungsschutz. Dieser ist gerade auch im Sommer bei direkter Sonneneinstrahlung wichtig, wenn nicht selten Temperaturen von bis zu über 40o C vorkommen. Die Wohlfühltemperatur für Rinder liege zwischen +10o und -10oC.
Verfasser: Eckard Wendt (s.o.)













