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Die zwei Gesichter der Postmoderne

12.07.201315:08 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
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Die zwei Gesichter der Postmoderne
Die zwei Gesichter der Postmoderne

(openPR) von Laura Schaper - OPTIMUS Redaktion
Am Rande des Boston-Marathons schockierte am 15. April 2013 ein brutaler Bombenanschlag die Öffentlichkeit – noch ist ungewiss, ob islamistische Terroristen oder einheimische Extremisten am Werk waren. Klar ist jedoch, dass die Täter absolut davon überzeugt waren, das Richtige zu tun. Mit einem universalen Wahrheitsanspruch muss zwar nicht zwingend Fanatismus und Gewalt einhergehen, aber als Folge von Intoleranz gegen anders Denkende ist er dennoch oft vorzufinden. Ein solcher allumfassender Wahrheitsanspruch kann in verschiedenen Bereichen entstehen. Totalitäre Regime beispielsweise bestehen immer darauf. Aber auch Religionen geben sich oft intolerant gegenüber anderen Weltanschauungen. Gegen jeglichen Universalitätsanspruch im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme wendet sich die Postmoderne. Weitere Elemente des postmodernen Denkens sind unter anderem Toleranz, Freiheit und Pluralität in Gesellschaft, Kunst und Kultur. Eine eindeutige Definition des Begriffes „Postmoderne“ gibt es bis heute nicht, da er in vielen verschiedenen Kontexten mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wurde. Erst ab den 1950er Jahren zeichneten sich erste Konturen ab, indem mit „Postmoderne“ die Literatur bezeichnet wurde, die nicht mehr den modernistischen Schreibweisen entsprach. Die Literatur der Postmoderne hat das Ziel, den Bruch zwischen Hoch- und Massenkultur zu überwinden, und ein breiteres Lesepublikum anzusprechen. Traditionelle Schreibformen gewannen an Popularität, ebenso wie die Genres Science-Fiction, Kriminal- und Detektivroman. Mit dem Eintritt des Begriffes „Postmoderne“ in die Debatte der Philosophie veränderte sich die Bedeutung des Begriffes.


Diese Entwicklung und dessen Folgen betrachtet Okka Hübner in ihrem Buch. Sie stellt die These auf, dass innerhalb der postmodernen Literatur zwei verschiedene Richtungen vorhanden sind: einerseits die literarische und andererseits die philosophische Postmoderne, wobei Hübner herausarbeitet, dass nur letztere mit dem Poststrukturalismus verglichen werden kann. Der Poststrukturalismus besagt, dass die Sprache die einzige und absolute Basis aller Erkenntnis ist und sich eigenständig von der Wirklichkeit abhebt. Um diese beiden Richtungen voneinander distanzieren und analysieren zu können, baut Hübner ihre Betrachtungen auf zwei Werken der postmodernen Literatur auf. Als Repräsentantin für die philosophische Ausprägung hat sie Elfriede Jelinek und ihr Buch „Krankheit oder moderne Frauen“ ausgewählt. Aus Jelineks Text stellt Hübner klar die Elemente der philosophischen Postmoderne heraus. Beispielsweise wehrt diese sich gegen eine eindeutige Sinnzuschreibung und löst die handelnden Figuren auf, sodass diese zu reinen Übermittlern der Sprache werden. Von einem universalen Wahrheitsanspruch distanziert sich die philosophische Postmoderne sehr deutlich und löst bestehende Wahrheitsmythen auf, ohne neue zu definieren. Als Repräsentant für die literarische Postmoderne wählte Okka Hübner Umberto Eccos
„Der Name der Rose“. An diesem Werk zeigt sie, wie durch den Rückgriff auf traditionelle Erzählmuster und aufklärerisches, subjektorientiertes Denken der Bruch zwischen Hoch- und Massenkultur überwunden werden kann. Weitere Elemente von Eccos Roman sind das Mischen verschiedener Genres und der Gebrauch von Intertextualität. Hübner analysiert, wie Ecco sich gegen das Konzept der literarischen Moderne abgrenzt, welches beispielsweise eine fragmentierte Weltsicht der Figuren, sowie Perspektivwechsel innerhalb eines Buches beinhaltet. Die ehemalige Germanistikstudentin Okka Hübner kann mit diesem Buch zwar auch über ihre distanzierte Betrachtung der Postmoderne keine abschließende Begriffsdefinierung geben, erleichtert aber das Verständnis der verschiedenen Neigungen der Postmoderne erheblich. Auch die Kritik an der Postmoderne lässt sie nicht außer Acht, sondern spricht sie mit Themen – wie der strikten Abwendung von dem Allgemeingültigkeitsstreben der Wissenschaft – an. Dieses Buch ist für jeden geeignet, der Interesse an der Postmoderne, an der Entwicklung der Literatur oder der philosophischen Debatte hat.

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