(openPR) Max Rüdel, CEO von der kanoon records GmbH im Interview mit zeitjung.de, am 30.05.2013
Erst mal alles auf Anfang. Seit wann seid ihr in den Startlöchern?
Max Rüdel: Das Plattenlabel Kanoon Records an sich gibt’s seit 2010, die Grundidee vonkanoon-music.com basiert ja auf dem klassischen Plattenlabelgeschäft. Mit der technischen Entwicklung der Plattform haben wir im Dezember gestartet und sind jetzt bereit das Ding loszutreten. Seit zwei Wochen laden wir Leute ein, haben die Plattform für die User geöffnet. Wir haben keinen festen Termin gemacht, sondern gesagt: Ok, wir machen mal das Gatter hoch, lassen die Leute rein und dann schauen wir mal, was da an Reaktionen kommen.
Warum die Community-Erweiterung?
Da war einfach der Ärger über die Vergangenheit, über die vergangenen Releases. Selbst wenn eine Promotionskampagne sensationell lief, wie zum Beispiel bei den Toy Horses - Da gab es eine dpa-Meldung in der die Band abgefeiert wurde, das Ding lief im Radio rauf und runter - liest du am Schluss die Zahlen der CD-Verkäufe und denkst: Das hätte doch besser laufen müssen. Da dachte ich mir, die beste Werbung die man haben kann, ist nach wie vor eine Empfehlung von Freunden an Freunde. So führte ein Gedanke zum Nächsten und die Idee war zum Schluss: Dann belohne die Leute, die etwas empfehlen! Wir haben sozusagen einen eigenen Promotionsweg geschaffen und sind damit nicht mehr so abhängig von der Radiopromotion, der Pressepromotion, der Clubpromotion und der TV-Promotion. Wir hauen auch regelmäßig neue Bands auf die Plattform - wenn die Leute die genauso toll finden und darauf anspringen, machen wir einen Release daraus. Und das ist die Idee der Community: Wir stellen euch was vor und ihr entscheidet. Das ist ein Marktforschungsding für uns und für die Community eine Möglichkeit neue Songs zu entdecken, sich zu connecten und sich über Musik auszutauschen.
Die User sind auch die Talentscouts?
Genau. Dafür haben wir eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet, jede Band kann sich bei uns bewerben. Wenn eine Band davon überzeugt ist, dass sie von der Schlagkraft her ähnliches auf dem Kasten hat wie die Bands, mit denen wir derzeit zusammenarbeiten, ist sie willkommen sich bei uns zu melden. (
Wenn ihr eine neue Band aufnehmt, was sind die Kriterien? Kann man sich auch als totaler Newcomer melden?
Von den Bands, die wir aus dem Ausland haben, sind wir die Lizenznehmer. Ganz generell sind wir nicht Diejenigen, die produzieren - noch nicht. Wenn ein Newcomer die Möglichkeit hat, ein Album aufzunehmen und dieses noch dazu eine sehr gute Qualität hat, hören wir uns das gerne an und befragen mitunter auch die Community. Wir haben leider noch nicht die Möglichkeit zu sagen: Hier habt ihr Fünfhunderttausend Euro, geht damit ins Studio und nehmt eure Platte auf. Auch beim Tourmanagement haben wir nur bedingt die Finger im Spiel, wir arbeiten mit Veranstaltern zusammen. Diese Woche geht unsere erste Band auf Tour, Útidúr aus Island. Auf unserer Plattform gabs dafür z.B. Tickets zu gewinnen.
Wie funktioniert das Belohnungsprinzip?
Die Registrierung ist natürlich kostenlos. Man kann sich einloggen, Songs kaufen oder so oft Videos auf facebook teilen, bis man sich die Songs verdient hat. Wenn man Freunde einlädt, kriegt man Credits, wenn man an einem Voting teilnimmt, erhält man ebenfalls Credits, genauso wenn man ein Bild teilt – kurz gesagt: für ziemlich alle Aktionen erhält man Credits und diese können unsere User wiederum im Kanoon-Shop gegen kostenlose Songs einlösen. Im Shop gibt’s demnächst auch kostenlose Songs ohne Credits einsetzen zu müssen. Dafür haben wir bereits eine Rubrik eingerichtet.
Wie viele Punkte braucht man für einen Song? Wie schnell hat man die beisammen?
Für einen Song braucht man 500 Credits. Runtergebrochen ist die Rechnung: Wenn du einen Tag lang auf unserer Plattform sehr aktiv bist, z.B. Freunde einlädst, Artikel teilst oder Videos kommentierst, gibt’s einen Song. Man erhält auch für den täglichen Login Credits.
Für die Bands ist kannoon-music.com also hauptsächlich Promo?
Das kann man so sagen. Wir steigern hauptsächlich den Bekanntheitsgrad. Allerdings verschenken wir nicht nur Songs, im Shop kann man sie auch kaufen. Dadurch, dass wir durch die Online-Downloads keinen Vertrieb mehr haben, also keinen Händler mehr, sondern als Label direkt verkaufen, können wir einen höheren Share an die Bands abgeben. Das ist sehr viel bandfreundlicher.
Worüber hat der User die Macht?
Wir lassen unter anderem auch Singleauskopplungen wählen. Das heißt: wenn man ein Album veröffentlicht, ist die haarige Entscheidung oftmals die: Welcher Song soll als Single ausgekoppelt werden? Und diese Entscheidungen überlassen wir gerne den Usern. So geschehen bei unserer Band Senakah. Deren Album „Human Relations“ wurde am 18.5 veröffentlicht und die erste gewählte Single, die ebenfalls „Human Relations“ heißt, wird bereits fürs Radio bemustert. Wir können dann zum Sender gehen und sagen: Die Öffentlichkeit hat entschieden. Und die User, die dann den Song im Radio hören freuen sich: „Hey, das ist doch der Song, für den ich gestimmt habe!“
Man kann bei euch auch den „Song der Woche" voten. Hat es für die Bands Konsequenzen, wenn sie bei Votings nicht gut ankommen?
Wir versuchen es für die Bands immer so zu machen, dass es für die Band gut ist. Selbst wenn eine Band in einem Voting nicht den gewünschten Erfolg erzielt und wir trotzdem an die Band glauben und sehen, dass die Community an die Band glaubt, eine Fangruppe halt nur kleiner ist, werden wir sie trotzdem unterstützen und Gas geben.
Wie geht es weiter mit kanoon?
Wir haben eine Reihe von Aktionen in Planung, die wir bald publik machen werden. Desweiteren planen wir auch eine Reihe abgefahrener Gewinnspiele. Auf kanoon.de soll der User wissen: Alles dreht sich um Musik. Wir verlosen mal ein E-Schlagzeug, mal Festivaltickets... Im Augenblick sammeln wir noch Ideen, es gibt viele Dinge, die man raushauen kann.
Weiter wollen wir Kanoon.tv ausbauen, einen live-streaming-channel. Die User haben damit die Möglichkeit, live bei einer Bandprobe oder einem Konzert irgendwo auf der Welt dabei zu sein. Das Ganze wird dann mittels Smartphone oder Tablet direkt auf unsere Plattform gestreamt. Dazu wird’s demnächst auch eine richtig schöne Programmvorschau geben, wo es z.B heisst: Montag, 13:00, The Animation, live aus dem Proberaum in Stockholm. Es ist dort auch ein Chatmodul integriert, in dem die User direkt sagen können: Liebe Band, der zweite Song geht ja mal gar nicht.
Behindert es nicht den kreativen Prozess des Künstlers, wenn er während der Produktion schon dem Urteil der Öffentlichkeit ausgeliefert ist?
Der kreative Prozess, also was das Cover, das Tracklisting und nicht zuletzt die Songs angeht, bleibt natürlich immer beim Künstler. Wir stellen Votings auch nur dann auf unsere Plattform wenn wir Rücksprache mit den Bands gehalten und die uns dann das O.k. dafür gegeben haben. Bei uns kann also jeder Künstler Künstler sein und das soll auch so bleiben. Wenn aber Feedback von der Community gewünscht ist, dann stoßen wir solche Votings an
Liegt beim unbedingten Mitspracherecht des Publikums nicht vielleicht eine Gefahr der Vermainstreamung?
Mit „Vermainstreamung“ ist schwierig umzugehen. Auf der einen Seite will man als Band cool und „underground“ sein - ich kenne aber keine Band, die sich gegen den Erfolg gewehrt hat – und wir als Label, das vom Verkauf von Liedern lebt, verhindern auch keine Verkäufe. Ob das dann gleich mit Mainstream verbunden werden kann und dieser Mainstream automatisch schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich gönne jeder Band die hart arbeitet und super Songs schreibt den Erfolg, den sie verdient. Wenn dabei noch genug Einkommen rumkommt, so dass sich die Band auch weiter auf’s Songwriting, Touring oder Recording konzentrieren kann – umso schöner. Wir als Label tun alles dafür, dass unsere Künstler dorthin kommen und nutzen und befragen hierzu auch unsere Community. Ich wollte ursprünglich Kanoon Records zum größten Label der Welt machen, indem ich jeden User zu einem Firmenmitglied ernenne, so dass wir am Schluss die meisten Mitarbeiter eines Labels der Welt gehabt hätten. Jeder User hätte ein Zertifikat erhalten. Das wäre nur leider notariell und rechtlich nicht ganz sauber gewesen.










