(openPR) Mitte Januar soll der GBA eine Entscheidung zur Aufnahme der Akupunktur in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen treffen. Grundlage dazu sollen die durchgeführten ART- und GERAC-Akupunkturstudien sein. Siehe dazu auch die Pressemeldung unter
http://openpr.de/news/72257.html .
Kritiker sagen aber, daß die ART- und GERAC-Ergebnisse nicht aussagekräftig sein können, weil das Studiendesign für jeden, also auch Patienten, im Internet zugänglich und keine Verblindung gegeben war.
Dieser Punkt ist besonders für die GERAC-Studien sehr wichtig, weil damit klar wird: Jede Testperson, die wollte, konnte herausfinden, zu welcher Gruppe ("Echte"- oder "Plazebo"-Akupunktur: Tief oder oberflächlich gestochen, an richtigen oder "falschen" Akupunkturpunkten) sie gehörte (1-3). Was gestochen wurde, sahen die Testpersonen ja oft auch zuhause noch auf der Haut - und ob tief oder oberflächlich gestochen wurde, sah wohl jeder durch bloßes Hinschauen während der Behandlung. Genaue Abbildungen der Lage echter Akupunkturpunkte zum Vergleichen findet man kostenlos im Internet (4). Die Patienten aus der Plazebogruppe konnten sich aber aus Frustration, nicht "richtig" behandelt worden zu sein, Zusatztherapie (Schmerztabletten, Entspannungsübungen, Massagen etc.) holen und so ihren Therapieerfolg verbessern. Scheinbares Resultat: Scheinakupunktur wirkt genauso so gut wie echte, "Stechen, egal wohin", Zusatzausbildung überflüssig.
Diese sehr teuren Studien sollten deshalb keine Verwertung für die kommende Entscheidungen des GBA zur Aufnahme der Akupunktur in die GKV finden. Es wäre sonst zu befürchten, daß es zu einer massiven Abwertung des Akupunkturhonorars kommt mit dem Argument, daß dies jede Ärztin, jeder Arzt, ohne jede Zusatzausbildung durchführen könne.
Literatur zu den GERAC-Studien:
1. Leitungsgremium Diener et al: http://www.gerac.de/deu/download/Masternplan_V9.0_BK.doc
2. Leitungsgremium Diener et al: http://www.amib.ruhr-uni-bochum.de/download/Studienplan_V4.2.pdf
3. Diener et al.: GERAC-Akupunktur-Studien: Modellvorhaben zur Beurteilung der Wirksamkeit Deutsches Ärzteblatt 99, Ausgabe 26 vom 28.06.2002, Seite A-1819 / B-1539 / C-1435 MEDIZIN: Kostenlos für jeden im Internet: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=32190
4. z. B. unter http://www.acuxo.com/meridianPictures.asp?point=PC1&meridian=Pericardium
Ähnliches gilt leider auch für die ART-Studien, denn die Studienpläne wurden vorzeitig veröffentlicht:
1. Brinkhaus B, Becker-Witt C, Jena S, Linde K, Streng A, Wagenpfeil S, Irnich D, Hummelsberger J, Melchart D, Willich SN:
Acupuncture Randomized Trials (ART) in Patients with Chronic Low Back Pain and Osteoarthritis of the Knee - Design and Protocols.
Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd 2003;10:185-191 (DOI: 10.1159/000073474).
2. Melchart D, Linde K, Streng A, Reitmayr S, Hoppe A, Brinkhaus B, Becker-Witt C, Wagenpfeil S, Pfaffenrath V, Hammes M, Willich SN, Weidenhammer W:
Acupuncture Randomized Trials (ART) in Patients with Migraine or Tension-Type Headache - Design and Protocols.
Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd 2003;10:179-184 (DOI: 10.1159/000073473).








