(openPR) Deutschlands wohl bekanntester Hochstapler Gert Postel, der nicht nur seine Erfahrungen als Leitender Oberarzt der Psychiatrie in seinem Buch »Doktorspiele« literarisch verarbeitete, ist bis heute Gegenstand lebhafter Diskussionen. Im Juni wird der Mann, der laut Volker Zastrow (FAZ) »in vielerlei Hinsicht durch Wände zu gehen vermag«, in Nürnberg aus seinem Werk vorlesen.
Eulenspiegel oder Hochstapler, Psychiatriekritiker oder Betrüger: Die Etiketten, die man Gert Postel umhängt, sind zahlreich. 1999 verurteilte das Landgericht Leipzig den in Bremen geborenen gelernten Postboten wegen mehrfachen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von vier Jahren. Grund: Postels Geschick für zielführende soziale Interaktion hatte dem Hauptschüler eine Stelle als Leitender Oberarzt für Klinische Psychiatrie in Zschadraß bei Leipzig eingebracht, die er zwischen 1995 und 1997 mit großem Erfolg ausübte, ehe er durch einen Zufall enttarnt wurde.
Hochstapler unter Hochstaplern
Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus der Haft veröffentlichte Gert Postel ein Buch über seine Erfahrungen, das unter dem Titel »Doktorspiele – Geständnisse eines Hochstaplers« 2001 im Eichbornverlag erschienen ist. Postel, der sich laut eigenem Bekunden als »Hochstapler unter Hochstaplern« verstand, wurde schnell zum Helden der Antipsychiatriebewegung, die sich in ihrer kritischen Haltung durch ihn bestätigt sah.
Eine verspätete Würdigung von allerhöchster Stelle erhielt Postel am 31. Mai 2012 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof Armin Nack, welcher in seinem Vortrag vor der juristischen Fakultät in Passau ausführte, Postel sei als Obergutachter seinen Kollegen überlegen gewesen: »Ich sage Ihnen eines, der Postel war der beste Gutachter, besser als die beiden gelernten Psychiater!«
Gert Postel – Lesung in Nürnberg
Im Juni wird Gert Postel höchstselbst in Nürnberg aus seinem Buch vorlesen. Eine anschließende Diskussion wird Besuchern die Möglichkeit bieten, sich persönlich mit dem schillernden Phänomen auseinanderzusetzen. Das Publikum erwartet ein vergnüglicher Abend mit ernstem Hintergrund: Postel versteht es meisterhaft, die Hochstapelei der Psychiatrie zu entlarven und mit den Worthülsen einschlägiger Diagnosen schamlos sein literarisches Spiel zu treiben. Die Veranstaltung findet am 21. Juni 2013 um 19.00 Uhr in der Villa Leon, Philipp-Koerber-Weg 1 in 90439 Nürnberg (Nähe U-Bahnhof Rothenburger Straße) statt.











