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Engländer wollen von deutscher Fahrradkultur lernen.

15.05.2013 • 17:19 Uhr • Tourismus, Auto & Verkehr

(openPR) Radfahren wird immer populärer. Aber auch in England bleiben öffentliche Investitionen hinter dem Fahrradboom zurück. Die Cambridge Cycling Campaign geht auf Reisen, um sich dort, wo Radfahren immer schon populär war, Inspiration und Information zu holen.




Cambridge, Oldenburg, Bremen. 16.5.2013. - Cambridge gilt als Hochburg der urbanen Radkultur in Großbritannien. In dem schnell wachsenden Hochtechnologiezentrum soll immer mehr Menschen der Weg vom Auto zum Fahrrad ermöglicht werden, denn nur so läßt sich der drohende Verkehrstillstand vermeiden. Wie hat man das in Oldenburg geschafft? Auf der Suche nach einer Antwort organisiert die Cambridge Cycling Campaign eine viertägige Studienreise nach Oldenburg und Bremen. Die Reise findet um das letzte Maiwochende 2013 statt: http://www.camcycle.org.uk/jumpto/OldenburgTour


Klaas Brümann, Organisator bei der Cambridge Cycling Campaign und gebürtiger Oldenburger, begründet den Besuch: Oldenburg ist wie Cambridge eine Universitätsstadt mit zwei Hochschulen und etwa 20.000 Studenten. Beide Städte gehören zu den top Radstädten ihres jeweiligen Landes, beide haben eine ebene Fläche von etwa 100 km². Oldenburg hat etwa 40,000 Einwohner mehr, was dem für die kommenden Jahre für Cambridge geplanten Bevölkerungswachstum entspricht. Beide Städte sind dabei, einen zweiten Bahnhof zu planen. In Oldenburg regnet es mehr, aber trotzdem wird dort mehr Fahrrad gefahren.


Am Samstag den 25. Mai 2013 werden Verkehrsplaner der Stadt Oldenburg die offizielle Exkursion der Radwege in Oldenburg anführen: Start um 10 Uhr an der Südseite des Bahnhofs. Am Sonntag den 26. Mai führt der ADFC Oldenburg die Besucher aus England auf eine Tour ins Umland, um die Anbindungen und Lösungen in neuen Wohngebieten zu demonstrieren. Am Montag den 27. Mai wird die Gruppe früh aufbrechen, um den Berufsverkehr in Oldenburg in Augenschein zu nehmen. Danach hat sie ein Treffen bei der Oldenburger Handwerkskammer mit Informationen über das duale Ausbildungssystem, insbesondere die Ausbildung zum Fahrradmechaniker. Am Nachmittag wird die Gruppe Termine an weiteren Bildungsstätten Oldenburgs wahrnehmen.


Am Dienstag den 28. Mai fahren die Engländer nach Bremen, wo Beatrix Wupperman und Richard Grassick die Bremer Radkultur und Infrastruktur vorführen. Wupperman und Grassick sind die Produzenten des mehrfach ausgezeichneten deutsch-britischen Films und Buches ‘Beauty and the Bike’, der in Bremen spielt. Der Film geht der Frage nach, warum britische Mädchen als Teenager mit dem Fahrradfahren aufhören, während Mädchen und Frauen in Bremen mit Begeisterung Fahrrad fahren. Der Film begleitet eine Gruppe Mädchen in Darlington, die diesem Phänomen auf den Grund gehen wollen. Sie lernen in Bremen eine Mädchengruppe aus der Fahrradstadt Bremen kennen und entdecken die Vorzüge des Fahrrades im Alltag in einer Stadt mit einer gewachsenen Radinfrastruktur. Gleichzeitig gewinnen alle Mädchen aus Bremen auf ihrer Reise nach England einen Einblick in die britische Verkehrspolitik und ihre Tendenz, das Fahrrad zu marginalisieren.


Beatrix Wupperman sagt: “Bremen ist ein Zentrum für Wirtschaft und Bildung mit einem großen Anteil von Beschäftigten, die im Umland wohnen. Im Vergleich mit Cambridge und vielen anderen englischen Städten hat sich in Bremen eine intelligente Mobilitätsmischung entwickelt: Fahrrad, Car Sharing und öffentlicher Nahverkehr werden immer wichtiger, das Fahrrad nimmt eine Schlüsselrolle hierbei ein. Das Rückgrat des hohen Fahrradanteils bilden dabei die mehr als 700 km Radwege. Nur dadurch ist auch das Autofahren in Bremen relativ schnell und praktisch”. Klaas Brümann, Organisator der Studienreise bei der Cambridge Cycling Campaign und gebürtiger Oldenburger bemerkt: “In Cambridge und anderen Städten mit gravierenden Verkehrsproblemen stellt das Fahrrad eine Notwendigkeit dar, allein weil das Autofahren auf verstopften Straßen so zeitaufwendig, unpraktisch und teuer geworden ist. Dagegen scheint in Oldenburg das Rad eine populäre und gesunde, aber doch freie Wahl, die die meisten Menschen aller Alters- und Einkommensgruppen immer wieder treffen.”


Die Studienreise versucht zu zeigen, wie Radwege, Kreuzungen und andere Verkehrsstrukturen sich hier seit den 1970er Jahren entwickelt haben. Hervorzuheben ist, daß alle oldenburger Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen befahrbar sind, daß Radfahren eine wichtige Rolle für den lokalen Tourismus spielt, aber auch die Bedeutung des Fahrrads für lokales Gewerbe, Handel und die Industrie. Die Teilnehmer werden den Verkehr zu Stoßzeiten beobachten, Schulwege und Wohnstraßen erleben, öffentliche Fahrradzähler in Bremen bei der Arbeit sehen, der Fahrradkodierung zur Diebstahlsicherung beiwohnen und wollen sich über die Arbeit der Verkehrspolizei und die Rolle elektrischer Fahrzeuge in intelligenten elektrischen Netzen und im zukünftigen Individualverkehr bei der EWE informieren.


Die Tour wird auch Unterschiede zwischen der Radkultur in Deutschland und Großbritannien aufzeigen. Dazu gehort zum Beispiel die Tatsache, daß Fahrräder in Deutschland mit Dynamo-Licht ausgestattet sind, während Räder in England ohne Licht verkauft werden. Auch kommen in Deutschland wesentlich weniger Helme und leuchtfarbene Radkleidung zum Einsatz. Wichtig ist auch, daß abbiegender Verkehr dem Radverkehr Vorfahrt zu gewähren hat und daß an Kreuzungen Kraftverkehr, Radfahrer und Fußgänger gleichzeitg grünes Licht bekommen, während es in England meist getrennte Grünphasen gibt. In Oldenburg nutzen sehr viel mehr Rentner das Fahrrad, während von Rentnern in England erwartet wird, daß sie das Milliarden teure Privileg der kostenfreien Rentnerfahrkarte für den Bus in Anspruch nehmen. Die Teilnehmer werden in Bremen auch das Call-a-Bike Mietradsystem ausprobieren, das, anders als das System in London, ohne Dockingstationen auskommt.


Für die Cambridge Cycling Campaign dankt Klaas Brümann lokalen Unterstützern der Reise: “Wir hoffen sehr, daß sich ein enger Kontakt zu den Radfahrern in Oldenburg herstellen läßt. Bitte nehmen Sie die Gelegenheit wahr, wenn sie eine Gruppe neugieriger Engländer treffen und grüßen Sie die Gäste aus England, und nehmen Sie an unserem Programm teil“ sagt Brümann. “Die Besucher werden viele Fragen haben, die Oldenburger Radfahrer am besten beantworten können.” Das Programm kann online eingesehen werden: http://www.camcycle.org.uk/jumpto/OLHBschedule




Die Teilnahme an der Studienreise ist gebührenfrei. Alle Teilnehmer reisen auf eigene Kosten und eigenes Risiko.

Video:
Rush hour in Cambridge

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