(openPR) Es war eine kleine, aber sehr feine Szene, die der Jazz-Musiker in der DDR. Die Jazz-Pioniere mussten sich nach Gründung der DDR gegen allerlei Widerstände durchzusetzen, denn die »Affenmusik« war bei den Politikern überhaupt nicht gern gesehen, weil sie sich überhaupt nicht in den sozialistischen Realismus einordnen ließ. Eher zwangsläufig lockerten die Oberen nach und nach die Zügel und ließen eine Entfaltung der Szenerie, natürlich unter strenger Beobachtung, zu.
Der Fotograf und Journalist Frank Rüdiger nahm sich in seinem Buch MOMENTAUFNAHMEN die Jahre 1973 bis 1989 vor, jener Zeit also, die er selbst bewusst als Jazz-Fan bewusst erlebte. Er hat zusammengetragen, welche Jazz-Größen aus dem sogenannten Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW) ihre Zelte zeitweilig in der kleinen DDR aufschlugen und dort das Publikum begeisterten. Und nicht zuletzt deutet Rüdiger mit seiner gelungenen Mischung aus Reportage- und Porträtfotos an, welche Rolle die eigenen Jazz-Musiker im Vergleich zu den internationalen Eliten hatten. Die mussten sich keineswegs verstecken und entwickelten eine eigene musikalische Jazz-Kultur und hielten jeden Qualitätsvergleich mit den westlichen Kollegen stand.
Neben Amiga trug vor allem der DDR-Rundfunk, der neben diversen Jazzsendungen ab 1971 regelmäßig Mitschnitte vom Internationalen Dixieland-Festival in Dresden und ab 1977 von der »Internationalen Jazz-Bühne-Berlin« sendete, wesentlich zur Verbreitung der Jazzmusik in der DDR bei. Beide Veranstaltungen entwickelten sich zu Höhepunkten im Jazzleben der DDR. Dazu fanden in Peitz Jazzworkshops statt, welche neben Jazzenthusiasten auch die DDR-»Blueserszene« anlockten und auf denen auch Musiker aus dem Ausland (Ost und West) auftraten. Die wachsende Popularität solcher Veranstaltungen führte Anfang der 1970er Jahre zur verstärkten Gründung von »Jazzklubs« – der älteste war der 1959 gegründete Jazzklub Eisenach – und sogenannter Interessengemeinschaften Jazz beim Kulturbund der DDR. Aber auch Veranstaltungsreihen wie Jazz in der Kammer (ab 1965 im Deutschen Theater Berlin), Jazz im tip (im Berliner Palast der Republik) und die Leipziger Jazztage trugen wesentlich zur Verbreitung dieser Musik in der DDR bei.
»Frank Rüdigers Photographieren ist ein behutsames, einverständiges, welches nicht das Andere, Exotische ausstellen will, sondern im Fremden das Vertraute sieht und findet, anhand der Ausnahme die Regel, im Besonderen das Allgemeine. « T.O. Immisch
FRANK RÜDIGER | MOMENTAUFNAHMEN.
Jazz in der DDR - 1973 bis 1989
gerade erschienen
120 Seiten, gebundene Ausgabe
24,99 Eur[D] / 25,70 Eur[A] / 35,50 CHF UVP
ISBN 978-3-95480-068-1












