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Besenreiser

30.01.201314:31 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Was sind Besenreiser?

Besenreiser sind kleine rötliche oder bläuliche Blutgefäßerweiterungen an den Beinen, die sich wie ein Kehrbesen aus Reisig unter der Hautoberfläche ausbreiten. Sie stellen kleinste Venenerweiterungen dar, die bei geringem Durchmesser rötlich und bei größerem Durchmes-ser bläulich durch die Haut scheinen. Besenreiser entstehen aus genetischer Disposition bei Venenwandschwäche und können Teilsymptom einer allgemeinen Bindegewebsschwäche sein, sind aber auch häufiger Ausdruck einer beginnenden Venenabflussstörung durch Klap-penundichtigkeit oder Venenverschluss (chronische venöse Insuffizienz). Sie können somit erste Anzeichen einer schwerwiegenderen Venenerkrankung sein. Besenreiser werden meist von einer tiefliegenden „Nährvene“ (feeder vein) gespeist. Fälschlicherweise werden Besen-reiser häufig als „geplatzte Äderchen“ bezeichnet, diese sind jedoch lediglich erweitert und nicht geplatzt. Außer der genetischen Disposition gibt es begünstigende Faktoren, wie langes Stehen und Sitzen, Übergewicht, Bewegungsmangel und starke Wärmeeinwirkung (Sauna, Sonne). Fast die Hälfte der Frauen und jeder 6. Mann sind betroffen. In erster Linie stellen Besenreiser ein ästhetisches Problem dar, solange die größeren Venen nicht mitbetroffen sind.




Welche Untersuchungen müssen vor einer Behandlung durchgeführt werden?

Da ein gewisser Prozentsatz der Fälle Hinweis auf ein bestehendes ernsteres Venenleiden ist, ist es auf jeden Fall sinnvoll, das tiefe Venensystem vor einer Behandlung abzuklären. Dies geschieht heute am besten mittels der farbcodierten Duplex-Sonographie, einem speziellen Ultraschallverfahren, mit dem die Strömungsver-hältnisse in den Arterien und Venen ebenso abgeklärt werden können, wie die Funktion und Schlussfähigkeit der Venen-klappen.
Sollte hier eine relevante Klappenundichtigkeit oder ein Venenverschluß (z.B. nach Throm-bose) aufgedeckt werden, sind diese zuerst zu behandeln.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

1. Nach wie vor ist die Verödungsbehandlung (Mikrosklerotherapie) die verbreitetste und am besten untersuchte Behandlungsmethode. Bei der Sklerosierungsbehandlung wird ein chemi-sches Verödungsmittel mittels feiner Kanülen direkt in die erweiterten Besenreiser oder auch in die größeren Venen eingespritzt. Das Mittel führt zu einer Entzündung der Blutgefäßin-nenwand, wodurch diese „klebrig“ wird. Hierdurch verkleben die Venenwände miteinander und verschließen das Blutgefäß. Bei kleinen Besenreisern nimmt man hierbei eine deutlich geringere Konzentration des Verödungsmittels als bei größeren oder gar Stammvenen. Neu ist hierbei die sogenannte Schaumsklerosierung. Bei dieser wird das Verödungsmittel durch schnelles Hin- und Herschieben zwischen 2 Spritzen über ein Verbindungsstück zu Schaum „geschlagen“. Wenn dieser Schaum in das Blutgefäß eingespritzt wird verdrängt er zum einen mehr Blut als die ungeschäumte Flüssigkeit, zum anderen ist die Kontaktzeit mit den Blutge-fäßinnenwänden länger als mit dem der reinen Verödungsflüssigkeit, die schnell wieder aus-geschwemmt wird. Hierdurch ist der Verödungseffekt wesentlich stärker. Die Verödungsbe-handlung ist kaum schmerzhaft, das sie mit sehr feinen Kanülen durchgeführt wird. Nach der Einspritzung wird in der Regel ein Klebeverband für 1-3 Tage aufgelegt. Dies ist zwar nicht obligatorisch, verbessert aber die Ergebnisse. An Nebenwirkungen können vorübergehend Entzündungen, Hämatome (Blutergüsse), bräunliche Verfärbungen (insbesondere bei dunkel-häutigeren Menschen), selten Unverträglichkeitsreaktionen wie Allergien, eine Neubildung von bläulichen Blutgefäßen („Matting“) und selten bei Überdosierung, ein kleines Hautge-schwür entstehen. Das Matting und die bräunlichen Pigmentierungen (postinflammatorische Hyperpigmentierungen) sind hierbei die ärgerlichsten Folgewirkungen, da sie das kosmetische Ergebnis verschlechtern können. Therapeutisch sind hier allerdings gute Erfolge mittels Laserbehandlung zu erzielen. Nicht verödet werden dürfen schwangere und stillende Frauen, bettlägerige Patienten, Patienten mit akuter Venenthrombose und mit bekannter Allergie auf das Verödungsmittel. Ebenso dürfen im Verödungsbereich keine Hauterkrankungen oder In-fektionen bestehen. Nach der Verödungsbehandlung sollten für 2 Tage Sport, für 1 Woche Schwimmen, Saunabesuche und Sonnenbestrahlungen gemieden werden.

2. Laser- und IPL-Behandlungen
Zur Behandlung von Besenreisern sind in den letzten 20 Jahren alle möglichen Laser- und IPL-Behandlungen versucht und beschrieben worden, von denen viele keine guten Ergebnisse zeigten. Das Problem ist hierbei, dass die Besenreiser etwas tiefer in der Haut liegen als be-spielsweise erweiterte Äderchen im Gesicht und somit das Laser- und IPL-Licht erst eine ge-wisse Strecke durch die Haut zurücklegen muss, bevor es auf das Gefäß trifft. Insofern ist es schwierig die Besenreiser selektiv zu erhitzen ohne die darüberliegende Haut zu schädigen. Erst mit Einführung des langepulsten Neodym-YAG-Lasers ist hier ein Durchbruch erzielt worden. Das Licht dringt nämlich sehr tief in das Gewebe ein, reagiert mit dem roten Blut-farbsstoff der roten Blutkörperchen, heizt diese in kürzester Zeit stark auf, wodurch diese anschwellen und das Blutgefäß verschließen. Hierzu ist eine gewisse Menge an roten Blutkör-perchen erforderlich, weshalb die Laserbehand-lung besser bei etwas dickeren Besenreisern funktioniert. Die über den Besenreisern liegende Haut wird dabei weitestgehend geschont.
Auch dunkel pigmentierte Menschen können behandelt werden, da das Pigment nicht ange-griffen wird. Durch die große Eindringtiefe ist die Behandlung sehr effektiv, auch bei flächig ausgedehnten Venenerweiterungen, wie dem venösen „Matting“ (bläuliche Verfärbung durch zahlreiche kleine bläuliche Besenreiser).
Auch dickere Besenreiser und Nebenastvenen bis 4 mm Durchmesser können mit dem Laser verschlossen werden. Nachteilig ist allerdings, dass die Behandlung durch die große Eindring-tiefe des Laserlichtes schmerzhaft ist, da auch die Hautnerven erhitzt werden. Eine deutliche Linderung der kurzen Schmerzimpulse bringt hier allerdings eine Kaltluftbehandlung mit –30 Grad kalter Luft und eine manuelle Massage, die die Schmerzhaftigkeit wesentlich lindert. Nach der Behandlung verfärben sich die behandelten Besenreiser rötlich und verschwinden in der Regel innerhalb von 1-3 Monaten allmählich. In vielen Fällen ist nur eine einzige Behand-lungssitzung erforderlich, in ausgeprägten Fällen sind mehrere Sitzungen im Abstand von 4 Wochen notwendig. Nachbehandlungen, wie Kompressions- oder Klebeverbände oder Stütz-strümpfe sind nicht erforderlich. Nach der Behandlung sollten Schwimmen und Saunabesuche 1 Woche lang, Sonnenbäder für 4 Wochen gemieden werden, weitere Einschränkungen beste-hen nicht. An Nebenwirkungen können gelegentlich bläuliche Verfärbungen („Matting“), Blutergüsse durch Platzen von kleinen Besenreisern und selten, bei Überdosierung, kleine Hautgeschwüre entstehen, die innerhalb von einigen Wochen abheilen. Die Laserbehandlung ist auch in schwierigen, der Verödungsbehandlung nicht zugängigen Situationen, wie dem Matting, sehr tiefen und sehr stark verzweigten Besenreisern meist noch erfolgreich.

3. Stichelung
Unter Stichelung versteht man das Einstechen einer Kanüle mit scharfem Schliff entlang des Verlaufes von dickeren Besenreisern. Dies kann in Oberflächenanästhesie oder auch ohne Betäubung durchgeführt werden. Durch die scharfkantige Kanüle werden die kleinen Blutge-fäße durchtrennt und durch einen anschließend aufgelegten Druckverband zum Verkleben gebracht. Die durchtrennten Blutgefäße werden innerhalb von 3-4 Wochen abgebaut. Das Verfahren ist mit Nebenwirkungen wie Blutergüssen und manchmal dunklen oder hellen Punkten entlang der Einstiche verbunden, weswegen die Methode heute nicht mehr häufig durchgeführt wird.

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