(openPR) Fast jeder kennt jemanden, der unter Rosacea leidet. Jene mysteriöse Hautkrankheit des Ge-sichts, die anfangs oft nur durch Rötungen und erweiterte Äderchen (Couperose) auf sich aufmerksam macht, in späteren Stadien aber durch Entzündungen, Pusteln und Wucherungen großen Kummer verursachen kann.
Rund 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Rosacea. Dabei handelt es sich um eine wahrscheinlich genetisch bedingte Erkrankung der talgdrüsenreichen Hautregionen im mittle-ren Gesicht. Sie kann außerordentlich chronisch verlaufen – unbehandelt besteht sogar das Risiko ernster Entstellungen.
Rosacea bricht meistens in der zweiten Lebenshälfte aus, befällt beide Geschlechter gleich häufig, verläuft bei Männern aber meist schwerer. „Die Ursache ist unklar, offenbar setzt eine gestörte Blutgefäßregulation im Gesicht – die Gefäße sind auf weit gestellt – mit nachfolgen-den Talgdrüsenentzündungen den Mechanismus in Gang“, erklärt Dr. Hans-Ulrich Voigt. Kaffee, Tee und besonders Alkohol, scharfe Gewürze, Wärme- und Kälteexposition, lange Sonnenbäder, Sauna und Stress können die Krankheit provozieren und verschlechtern. Eine Immunschwäche sowie Magen-Darm-Störungen, z.B. der Befall mit dem Hefepilz Candida albicans oder dem Bakterium Helicobacter werden ebenfalls als Mitauslöser diskutiert.
Folgende Merkmale sind für Rosacea typisch:
1. Stadium:
Teleangiektasien (erweiterte Äderchen)
Flächige Rötungen an den Wangen und der
Nasenhaut, die insbesondere bei Temperaturwechsel und bei Akoholkonsum auffallen.
2. Stadium:
Zusätzlich Knötchen und Pusteln bis hin zu entzündlichen Platten (eitrige Entzündungen)
3. Stadium:
Wucherungen von Talgdrüsen mit Vergröberung des Hautreliefs bis hin zum Rhinophym (Knollennase), vor allem bei Männern.
Im Gefolge von Rosacea können auch Augenerkrankungen wie Lidrand-, Bindehaut- und Hornhautentzündung, selten auch Regenbogenhautentzündung auftreten. Diese Augen-symptome werden bei ca. 50% der Rosacea-Patienten diagnostiziert, bei 20% gehen sie den Hautveränderungen sogar voraus.
DIE THERAPIE BEIM DERMATOLOGEN
Die gute Nachricht: Eine frühzeitige, konsequente Behandlung mit den heutigen Möglichkei-ten der Medizin und Kosmetik ist in aller Regel erfolgreich!
- Im ersten Stadium kann eine IPL- oder Lasertherapie die erweiterten Äderchen und die Mehrdurchblutung der Haut vermindern oder beseitigen. Eine starke permanente Gesichtsrö-tung oder eine anfallsweise Rötung (Flush) kann seit neuesten mit dem Alpha-Blocker Bri-monidin (Mirvaso-Creme) effektiv (für 12 Stunden) behandelt werden.
- Im zweiten Stadium wird zuerst eine äußerliche anti-entzündliche Therapie empfohlen. Da-bei wird das Mittel Metronidazol in einer fettarmen Creme aufgetragen. Bei einem stärker entzündlichen Verlauf kann zusätzlich eine Pimecrolimus-haltige Creme (Elidel) benutzt wer-den, eine weitere Option ist Azelainsäure (Skinoren Creme). Zur Beschleunigung der Abhei-lung von entzündeten und eitrigen Hautveränderungen haben sich auch feuchte Umschläge mit Grüntee oder Schwarztee bewährt (30 Minuten täglich).
Bei ausgeprägten Entzündungen ist die innerliche Gabe von Doxycyclin oder Minocyclin über 4-8 Wochen dann leider unumgänglich. Diese Antibiotika werden auch bei Augenbeteiligung eingesetzt. Neu ist ein mikroverkapseltes Doxycyclinpräparat (Orayzea), das nur noch 20% der bisher üblichen Substanzdosis enthält – bei gleicher Effizienz. Hier wird nur noch der anti-entzündliche Effekt genutzt, die antibiotische Wirkung (mit den entsprechenden Neben-wirkungen) kommt nicht zum Tragen.
Bei sehr schweren Verläufen, die mit den genannten Medikamenten nicht beherrschbar sind, muss der Patient Vitamin-A-Säure (Isotretinoin, z.B. Aknenormin, Isotret Hexal o.a., früher Roaccutan) einnehmen. Da diese Behandlung relativ massiv ist und laufend Blutkontrollen erfordert, macht sie aber wirklich nur bei Extremfällen Sinn.
- Bei therapieresistenten Fällen kann auch eine Infektion mit der Haarbalgmilbe Demodex follicurorum der Auslöser sein. Diese Milben finden sich bei 20 bis 30% der Patienten – Ge-wissheit bringt hier eine Auflichtmikroskopie oder eine Gewebeuntersuchung (Histologie). Für die Behandlung gibt es spezielle Milbenmittel (z.B. Permethrin, Crotamiton).
- Im dritten Stadium sind chirurgische Maßnahmen zur Abtragung der gewucherten Talg-drüsen manchmal unvermeidlich. Sie werden heute vor allem mit dem Erbium-YAG- und CO2-Laser durchgeführt, bisweilen genügt eine Dermabrasion, in seltenen Fällen muss das Gewebe mit dem Skalpell abgetragen werden.
- Wird eine Hefepilzinfektion des Magen-Darm-Traktes diagnostiziert, muss sie diätetisch und medikamentös mitbehandelt werden.
UND DAS KÖNNEN SIE SELBST TUN
- Sanfte Pflege: Rosacea-Patienten sollten zuhause auf eine konsequente, der spezifischen Hautsituation angepasste Gesichtspflege achten. Empfehlenswert sind milde Reinigungs- und Pflegeprodukte, die die Haut nicht reizen und ihr viel Feuchtigkeit schenken. Cremes dürfen nicht zu reichhaltig sein (Öl-in-Wasser-Emulsionen statt Wasser-in-Öl-Cremes) und keine mineralischen Fette auf Vaseline-Basis enthalten, besser sind physiologische, also organische Fette. Produkte, die Alkohol, Duftstoffe, Menthol oder Eukalyptusöl enthalten, sind tabu. Ideal ist Kosmetik mit beruhigenden Substanzen. Viele Hersteller bieten heute schon spezielle Rosacea-Linien an.
- Anti-Aging in Maßen: Wer trotz Rosacea nicht auf Anti-Aging-Produkte verzichten möchte: „Anti-Aging-Wirkstoffe können in begrenztem Maße durchaus eingesetzt werden“, sagt Dr. Voigt. „Erlaubt sind z.B. entzündungshemmende Polyphenole aus Grüntee oder Coffeeberry-Extrakte sowie die Vitamine A und E. Vitamin C ist dagegen mit Vorsicht zu genießen. Verboten sind alle mechanischen Anti-Aging-Eingriffe wie z.B. Peelings.“
- Leider verboten: Auch wenn’s noch so schwer fällt: Sonnenlicht, Sauna, eisiger Wind beim Skifahren und Alkohol gehören auf die Rote Liste. Wenn überhaupt Sonne, unbedingt spezielle fettfreie Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen. Bei Eiseskälte lohnt sich eine Kälteschutzcreme, die aber zuhause schnell wieder runter muss, da sonst ein Hitzestau droht.
- Wellness-Treatment: Sehr wohltuend bei Rosacea ist eine regelmäßige kosmetische Ge-sichtsbehandlung und Massage. Diese Anwendung, die mit einer Art Lymphdrainagebehand-lung des Gesichtes verglichen werden kann, geht auf den Dänen Paul Sobye zurück.











