Zwischen Stromausfall und Desinformation – Wie Presseinterviews in Krisenzeiten gelingenAnfang Januar 2026 erlebte die deutsche Bevölkerung einen ungewöhnlichen Medienmoment: Ein Brandanschlag auf eine zentrale Strominfrastruktur in Berlin legte mehr als 40 000 Haushalte und Unternehmen für mehrere Tage lahm – ohne Strom, Telefon und Internet. Die normale Kommunikationsinfrastruktur war stark eingeschränkt, und viele Menschen suchten schnell nach verlässlichen Informationen. Für Journalisten und Pressestellen bedeutete das eine enorme Herausforderung: Interviews, Pressetermine und Abstimmungen mussten kurzfristig angepasst werden, während die Öffentlichkeit dringend Antworten erwartete.Warum Interviews mehr sind als Fragen und AntwortenPresseinterviews gelten als zentrale Gelegenheit, Sachverhalte zu erklären und Orientierung zu geben. Doch die Realität zeigt: Sie sind häufig mit Unsicherheiten, hohem Druck und Erwartungen verbunden – besonders in Krisenzeiten. „Wenn plötzlich alles zusammenbricht, wie bei einem Stromausfall, wird klar, dass Kommunikation kein Luxus ist, sondern ein strategisches Werkzeug“, sagt Dr. Alexander Neuman, CEO eines deutschen Technologieunternehmens, der in seinem Unternehmen regelmäßig Krisenstäbe für unerwartete Störungen leitet. „Wer sich vorbereitet, kann nicht nur die Botschaft vermitteln, sondern auch Vertrauen aufbauen.“Der Stromausfall macht ein generelles Problem deutlich: Die Studie „Fakt oder Fake? Medienkompetenz in Deutschland“ (2025) zeigt, dass über 70 % der Befragten angeben, ihr Vertrauen in die Medien sei durch das Aufkommen von Fake News gesunken, und fast 90 % Fake News als ernsthafte Bedrohung für Demokratie und Freiheit ansehen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie stark Skepsis und Unsicherheit in der Bevölkerung gewachsen sind – und warum gezielt vorbereitete, transparente Kommunikation helfen kann, Vertrauen zu stabilisieren. Zwischen Erwartungen und RealitätFür viele, die selten vor Mikrofon oder Kamera stehen, ist das Interview ungewohnt. Journalisten arbeiten unter starkem Zeitdruck, Themen sind komplex, und die Erwartung an klare, verständliche Antworten hoch. „Ein Interview ist wie ein Balanceakt“, erklärt Mediencoach Jessica Wahl. „Es geht nicht nur darum, Fragen zu beantworten, sondern darum, Botschaften verständlich und glaubwürdig zu vermitteln – gerade, wenn die Öffentlichkeit nervös oder skeptisch ist.“Praktische Erfahrung zeigt: Wer sich früh vorbereitet, kann Stress minimieren. Wahl empfiehlt:Kernbotschaften definieren: Drei zentrale Punkte pro Thema festlegen, die immer wieder eingeordnet werden können.Kurze, prägnante Antworten üben: Lange Fachsätze vermeiden, Alltagssprache nutzen.Brücken bauen: Komplexe Antworten mit Beispielen oder Analogien illustrieren.Kontrollierte Reaktionen: Bei heiklen Fragen ruhig bleiben und nicht in Spekulationen verfallen.„Simulieren Sie ein paar Fragen im Vorfeld“, ergänzt Wahl. „Das hilft, Nervosität zu reduzieren und den Fokus zu behalten.“Gesellschaftliche DimensionenPresseinterviews sind mehr als reine Informationsweitergabe. Sie sind Momente, in denen Vertrauen und Legitimität aufgebaut werden. Prof. Dr. M. Schulz, Kommunikationsforscher, betont: „Interviews spiegeln wider, wie Gesellschaft Informationen verarbeitet und Vertrauen bildet. In Zeiten zunehmender Polarisierung kann ein klarer, sachlicher Auftritt entscheidend sein.“Studien zeigen außerdem: Viele Fachleute berichten, dass ihre letzten Medienkontakte überwiegend positiv verliefen – auch wenn Vorbereitung und Erwartungshaltung sehr unterschiedlich waren. „Es lohnt sich, die Situation analytisch zu betrachten: Welche Fragen könnten kommen, welche Botschaften sind relevant, und wie behalte ich die Kontrolle über meine Darstellung?“ so Schulz.Fazit: Bewusst kommunizieren – auch unter DruckDer Stromausfall in Berlin zeigt, wie schnell Informationslücken entstehen können. Gerade in Krisenzeiten ist Vorbereitung entscheidend: Klarheit, Authentizität und Struktur helfen, Vertrauen zu schaffen und Botschaften wirksam zu platzieren. Wer vorbereitet auftritt, kann Missverständnisse vermeiden und aktiv zur Stabilisierung des Diskurses beitragen.