(openPR) Untersucht wird auch auf den Borreliose-Erreger
Erste Ergebnisse soll es frühestens in vier bis fünf Jahren geben
Ein Netzwerk deutscher Forschungseinrichtungen aus der Helmholtz-Gemeinschaft, den Universitäten, der Leibniz-Gemeinschaft und der Ressortforschung hat deutschlandweit die Initiative für den Aufbau einer groß angelegten Langzeit-Bevölkerungsstudie ergriffen, um unter anderem die Ursachen von Volkskrankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes, Demenzerkrankungen und Infektionskrankheiten aufzuklären.
Inzwischen haben viele OnLyme-Aktion.org-Mitglieder an die Verantwortlichen der Planungsgruppe Infektion geschrieben und angefragt, ob die Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen auch auf Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Lyme-Borreliose untersucht werden. Vor kurzem erhielt OnLyme-Aktion.org schließlich die Auskunft der Planungsgruppe Infektion: „Wir haben durchaus vor, Borreliose-Serokonversion im Rahmen der Kohorte zu untersuchen. Aufgrund des prospektiven Studienansatzes werden die Seren aber erst in vier bis fünf Jahren zur Auswertung zur Verfügung stehen.“
In der Kohorten-Studie (www.nationale-kohorte.de) werden 200.000 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren aus ganz Deutschland medizinisch untersucht und nach Lebensgewohnheiten wie z. B. körperliche Aktivität, Rauchen, Ernährung, Beruf befragt. Darüber hinaus werden allen Studienteilnehmern Blutproben entnommen und für spätere Forschungsprojekte in einer zentralen Bioprobenbank gelagert. Nach fünf Jahren werden alle Teilnehmer erneut zu einer Untersuchung und zweiten Befragung in die Studienzentren eingeladen. Im Laufe der Nachbeobachtung über 10 bis 20 Jahre werden bei einigen Teilnehmern naturgemäß bestimmte Erkrankungen auftreten, die dann mit den erhobenen Daten in Verbindung gebracht werden können.
Borreliose – erste Untersuchungsergebnisse werden in vier bis fünf Jahren erwartet
Die weitere Entwicklung werden Betroffene mit großem Interesse verfolgen. Immerhin sprechen wir bei der Lyme-Borreliose über die häufigste durch Zecken übertragene und sogar eine der häufigsten Infektionskrankheiten in Deutschland überhaupt. Die Infektion kann einen langwierigen Verlauf nehmen, mit entsprechend hohen individuellen und sozialen Folgekosten. Bislang gibt es für diese ernstzunehmende Infektion nur unzureichende Forschungsergebnisse. Mangels eigener, europäischer Langzeit-Studien wird bei Borreliose immer noch auf US-Studienergebnisse verwiesen, diese können jedoch nicht einfach auf europäische Patienten übertragen werden, da Borreliose in Europa durch andere Borrelienspezies übertragen wird und andere Krankheitsausprägungen hervorruft.
„Leider stützen sich beispielsweise die Borreliose-Leitlinien der Neurologen und der Dermatologen hier in Deutschland hauptsächlich auf US-Studien, obwohl die Leitlinien für Patienten in Deutschland gedacht sind“, bedauert ein Sprecher von OnLyme-Aktion.org. „Das könnte Patienten und Ärzte in die Irre führen. Hinzu kommt, dass es sich bei beiden Leitlinien qualitativ nur um sogenannte S1-Empfehlungen handelt. Sie sind weder evidenz- noch konsensbasiert und gehören damit qualitativ/wissenschaftlich zur schlechtesten Leitlinien-Kategorie. Auch das ist vielen Patienten und Medizinern oft nicht klar, wenn davon gesprochen wird, sie würden „leitliniengerecht“ therapiert.“
OnLyme-Aktion.org appelliert an die Forschungs- und Gesundheitspolitik endlich europäische Langzeitstudien zur Therapie der Lyme-Borreliose auf den Weg zu bringen. Immer wieder auf US-Studienergebnisse zu verweisen sei für europäische Patienten und die sie behandelnden Ärzte ganz sicher der falsche Weg. Viele wissenschaftliche Fragen zur Lyme-Borreliose sind immer noch nicht beantwortet. Medizinische Fachgesellschaften in Deutschland laufen Gefahr sich in Ermangelung europäischer Langzeitstudien eher auf „Meinung“ statt auf „Evidenzen“ zu stützen.










