(openPR) Das Wort „temperamentum“ tauchte erstmalig in der Pharmazie des 16. Jahrhunderts auf und umschrieb das Mischungsverhältnis der Körpersäfte. Erst seit dem 18. Jahrhundert wird es verwendet, um typische Verhaltensmuster, z.B. Reizschwelle oder Stimmung, zu beschreiben. Das Agieren und Reagieren der Menschen wird wesentlich durch motorische, emotionale und aufmerksamkeitsbezogene Reaktionen und einer entsprechenden Selbstregulierung bestimmt.
Griechische Vier-Elemente-Lehre
Auf Galenos von Pergamon – griechischer Arzt und Anatom der Antike – gründet eine der bekanntesten Lehren zum Temperament in Europa: die Vier-Elemente-Lehre. Wie die Welt selbst, so setzt sich auch der Mensch aus den Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft zusammen. Die Elemente entsprechen den körpereigenen Säften Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim. Stehen sich diese Körpersäfte in einem harmonischen Verhältnis gegenüber, so verfügt auch der Mensch über ein harmonisches Temperament. Überwiegt jedoch ein Element, so wirkt sich dieses prägend auf den Charakter aus:
? Feuer - Choleriker
Choleriker fahren schnell aus der Haut, beruhigen sich aber ebenso schnell, weshalb es zumeist sinnvoll ist, sie sich einfach ausbrüllen zu lassen. Die Autorität eines Cholerikers sollte nie in Frage gestellt werden und kommt es zu persönlichen Angriffen, gilt es die Ruhe zu bewahren und gegebenenfalls die Situation zu verlassen.
? Erde - Melancholiker
Melancholiker neigen zu Schwermut, Traurigkeit, Misstrauen, Pessimismus und Kritik. Sie brauchen positives Feedback, positive Beispiele aus dem Leben oder der Arbeitswelt. Gute Leistung sollte unbedingt lobend herausgestellt werden. Einem Melancholiker werden allerdings auch positive Eigenschaften wie Selbstbeherrschung und Verlässlichkeit zugesprochen.
? Wasser - Phlegmatiker
Phlegmatiker zeichnen sich durch Trägheit und mangelnde Lebenslust aus. Sie sind ruhig, schwerfällig und langsam, andererseits aber auch von friedliebendem Temperament. Sie sind ordentlich, zuverlässig und diplomatisch.
? Luft - Sanguiniker
Sie besitzen ein heiteres und lebhaftes Temperament. Sie sind phantasievoll, optimistisch und kommunikativ, aber auch leichtsinnig, wankelmütig und skrupellos.
Asiatische Fünf-Elemente-Lehre
Die Fünf-Elemente-Lehre findet ihren Ursprung in den asiatischen Kampfkünsten und lehnt sich an die europäische Vier-Elemente-Lehre an, indem sie dieser lediglich das fünfte Elemente der Leere hinzufügt.
Allerdings untersucht die Fünf-Elemente-Lehre nicht wie die Vier-Elemente-Lehre das statische Temperament eines Menschen, sondern die Reaktionsmuster bzw. das Problemverhalten:
? Feuer: Werde ich respektiert?
Feuer symbolisiert Präsenz – wo auch immer oder wem auch immer etwas geschieht. Respekt und Liebe verbindet mit anderen Menschen. Aus negativen Situationen wird so das Beste herausgeholt, manchmal auch mit Humor und Selbstkritik.
? Erde: Bin ich etwas wert?
Um neue, unbekannte und vielleicht sogar angsteinflößende Situationen bewältigen zu können, braucht es Selbstsicherheit, Gelassenheit und ein positives Selbstwertgefühl. Dieses symbolisiert die Erde.
? Wasser: Wer bin ich?
Das Element des Wassers steht für die Fähigkeit, den nötigen Abstand zu Problemen zu gewinnen, um mit etwas mehr Zeit und mehr Informationen die Lösung zu finden. So kann darüber entschieden werden, was gut und was schlecht ist, welche Werte gelebt werden sollten.
? Luft: Werde ich gebraucht?
Hier stellt sich die Frage nach der sozialen Gemeinschaft und den Wert anderer Menschen. Mitgefühl sowie das Gefühl, gebraucht zu werden, dominieren.
? Leere: Wie soll mein Leben verlaufen?
Durch eine übergeordnete Sichtweise können Probleme überschaut und passende Entscheidungen getroffen werden. Die Leere bietet Raum und Kreativität, um schnell und situationsbedingt zwischen den Elementen zu wechseln.
Geschickter Umgang mit den verschiedenen Temperamentstypen
Dominante Menschen versuchen anderen ihren eigenen Willen aufzuzwingen und bevorzugen dazu das Mittel der Manipulation. Verbale Angriffe, auch von Seiten eines Cholerikers, projizieren eigene negative Gefühle. Das Erzeugen eines Dilemmas durch doppelte Botschaften wiederum verunsichern das Gegenüber, es weiß nicht, woran es eigentlich ist. Wie lässt sich auf welches Temperament entsprechend reagieren und gleichzeitig die Integrität wahren?
Schlagfertigkeit ist ein sehr effektives Mittel, das durchaus für jedermann erlernbar ist. So lassen sich manche Vorwürfe herrlich zurückwerfen: „Du sprichst wohl aus Erfahrung?“. Manchmal hilft es auch, den Spieß umzudrehen und den Angreifer zum Thema zu machen: „Du magst mein Chaos nicht? Du bist wohl so ein ganz Ordnungsliebender.“
Wichtig ist ein selbstsicheres Auftreten. Sich klein zu machen, lädt geradezu zu verbalen Angriffen ein. Ein aufrechter Gang hingegen bringt Respekt.
Eine gewisse Leichtigkeit mit einer gesunden Portion Humor und der Fähigkeit, auch über sich selbst lachen zu können, nimmt einer hitzigen Diskussion den Stachel und hilft, entspannt und locker zu bleiben.
Doch manchmal können all diese Mittel einfach nicht zu dem gewünschten Erfolg führen, dann hilft Distanz. Es bringt nichts, in eine Verteidigungsrolle zu fallen oder zu emotional zu reagieren. Sachlichkeit und gegebenenfalls ein räumlicher sowie zeitlicher Abstand ermöglichen, die Situation zu überdenken und bei einem späteren Gespräch gelassener zu reagieren.
Wichtig ist, stets situationsbedingt zu handeln: Es ist keine besonders gute Idee, einem cholerischen Temperament mit Schlagfertigkeit zu begegnen. In einem Beziehungsstreit hingegen kann es durchaus angebracht sein, direkt in ein intensiveres Gespräch einzusteigen. Prinzipiell lässt sich allerdings feststellen:
Persönliche Angriffe nehmen für gewöhnlich in genau dem Umfang ab, in welchem das eigene Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit zunehmen.













