(openPR) „Ich kann nicht mehr singen.“
Was macht eine Opernsängerin ohne ihre Stimme? Für S bestand das Leben aus Musik. Menschen und Natur in Tönen wahrzunehmen war ihre große Gabe. Sie beherrschte die Bühnen dieser Welt, liebt den Regen, das Wasser, sein Blau. Blau 47. Und G, von ihrer Stimme verzaubert. Aber plötzlich bleibt alles still in ihr. S hat keine Töne mehr.
Begonnen hat alles vor fünf Jahren.
Die Situation bildet den Ausgangspunkt für Renate Münzers Komposition „Meeres Stimme“. Wie die Welt der Protagonistin zur Musik wurde, so wird es auch der Roman, dessen Mittelpunkt S bildet.
Der Autorin gelingt es, mit Worten und Sätzen eine Symphonie zu erschaffen, die den Leser in seinen Bann zieht, die ihm in den Ohren klingt und ihn sich verlieren lässt in den Strömungen aus Sehnsucht, Trauer, Besessenheit, Nicht-Verstehen-Wollen und Melancholie. Liebe und Verlust sind ihre Noten, die mal in Moll, mal in Dur die Stimme des Meeres nachempfinden. „Meeres Stimme“ erzählt crescendierend und descrescendierend, dann wieder akzentuiert und vor allem intuitiv von einem unerwarteten (Wieder-)Beginn.
Der Weg zurück zu sich selbst beginnt in der Abgeschiedenheit der Bretagne, verheißt einen Neubeginn. S ist mit den Wellen allein, sitzt an den Felsen, lauscht der Gischt. Sie begegnet einem alten Bretonen, mit dem eine zögerliche Freundschaft entsteht. Auch er versteht die Lyrik der Natur. Nachdem er ihr ein Bündel Briefe hinterlässt, stirbt er unter mysteriösen Umständen. Die Briefe aus dem Jahr 1837, die sie endlich zu lesen wagt, konfrontieren sie mit einer Tragödie in ihrem Leben, die sie viel zu lange unter Verschluss gehalten hat.
Gegenwart und Vergangenheit fließen wie im steten Wechsel der Gezeiten ineinander, während S mit der Erinnerung ringt und um ihren Verstand ...
Wie die Kraft des Ozeans zieht „Meeres Stimme“ den Leser in seinen Strudel. Er verliert sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart, Erinnerung und Erleben wie in der tosenden Brandung des Ozeans – hineingeworfen, mitgerissen, chancenlos. Und allmählich wird ihm bewusst, dass die Bretagne keineswegs einen Neubeginn darstellt; sie ist Rückbesinnung auf eine fast vergessene Tragödie.
Das Meer? G kennt mehr als zweihundert Blautöne. Wassertöne – einer ist blutrot.
Renate Münzer hat in München und Taipeh studiert, bevor sie als Dozentin am Goethe-Institut und als Studienreiseleiterin in China tätig war. Heute arbeitet sie als Journalistin in München. Ihrem ersten veröffentlichten Roman gingen 47 Tagebücher voraus.
Renate Münzer
Meeres Stimme
Roman
Schardt Verlag Oldenburg
Broschur, 247 Seiten, 12,80 Euro
ISBN 978-3-89841-652-8













