(openPR) Mit Rock’n’roll hatten die sechs Vertreter/innen des Russischen Jugendverbandes, die sich vom 3.-12. September auf Einladung der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW in Nordrhein-Westfalen aufhielten, relativ wenig am Hut. Umso mehr interessierten sie sich jedoch für die Themen "Sex" und "Drugs".
"Jugendliche und Drogen - Prävention und Therapie", das war das Thema einer Fachkräftemaßnahme, für die Anfang September sechs russische Jugendvertreter nach NRW gekommen waren. Die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) hatte hierfür eine ganze Reihe von Fachgesprächen und Besuchen organisiert, um das Thema aus möglichst vielen verschiedenen Blickpunkten zu beleuchten. Wie im Bereich der Suchtprävention hierzulande gearbeitet wird, erfuhren die Gäste aus Russland am eigenen Leib bei der Suchthilfe Aachen. Mit einer sog. "Rauschbrille" ausgestattet, konnte jeder im nüchternen Zustand selbst feststellen, was 1,3 Promille mit dem Körper so anstellen. Eine gerade Linie entlang laufen, nach einem Stift greifen, einen Ball in einen Korb werfen - was ohne Rauschbrille noch spielend gelang, schaffte mit Brille niemand mehr auf Anhieb.
An einer übergroßen "Schadstoffzigarette" wurde der Gruppe außerdem anschaulich vermittelt, welche Schad- und Zusatzstoffe beim Rauchen aufgenommen werden. Dass Rauchen ungesund ist, war allen Beteiligten klar. Doch dass im Zigarettenrauch tatsächlich Arsen, Blausäure, Formaldehyd, Pestizide und sogar Plutonium enthalten sind, hatte dann doch niemand vermutet.
Noch größer wurde die Überraschung, als die Mitarbeiterin der Suchthilfe, Yvonne Michel, den Gästen aus Russland ein paar Tricks der Tabakindustrie verriet: Damit der Zigarettenrauch nicht so sehr im Hals kratzt, wird der Zigarette Lakritz beigemischt. Auch die Beigabe von Menthol dient dem Zweck, die Reizung durch den Rauch mit einer angenehm kühlenden und schmerzlindernden Aromatisierung zu überlagern. Zucker und Kakao dienen als Geschmacksverstärker und sogar Harnstoff enthält eine handelsübliche Zigarette: So kann das Nikotin durch Erhöhung des ph-Wertes besser aufgenommen werden. Aus vermeintlich leichten Zigaretten, auf deren Packung ein niedriger Nikotinwert angegeben ist, wird so eine starke Zigarette. Und noch perfider: Eine Zigarette enthält auch Magnesium. Warum? Normalerweise würde eine brennende Zigarette dunklen Rauch produzieren. Instinktiv verbindet der Mensch schwarzen Rauch aber mit Gefahr. Damit das beim Rauchen nicht passiert, mischt man der Zigarette noch Magnesium bei - und siehe da: der Rauch wird hell.
Möglichst umfassend wollte die dbb jugend nrw ihre Gäste aus Russland über das Thema "Jugendliche und Drogen" informieren und daher standen ebenfalls Besuche bei der Drogenberatungsstelle "komm-pass" in Düsseldorf sowie der Düsseldorfer Drogenhilfe e.V. auf dem Programm. Auch beim Kommissariat Vorbeugung der Polizeiwache Oberkassel wurden die Gäste vorstellig und erfuhren hier mehr über die Drogenpräventionsarbeit der Polizei. Besonders spannend war für die Gruppe der Besuch am Flughafen Köln/Bonn, als die Jugendvertreter aus Russland bei den Kollegen vom Zoll einem Rauschgiftspürhund bei einer eigens veranstalteten Übung zusehen durften. Wie an den Schulen in Deutschland mit auffälligen Jugendlichen gearbeitet wird, erfuhren die Gäste aus Russland in einem Gespräch mit einer Schulsozialarbeiterin und den Aspekt der Therapie von drogenabhängigen Jugendlichen vertiefte die Gruppe bei einem Gespräch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Köln.
Auf Wunsch der Gruppe wurde auch das Thema "HIV / AIDS" bei der Programmplanung berücksichtigt und somit rückte neben dem Thema "Drugs" auch das Thema "Sex" in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der Kooperationspartner der dbb jugend nrw, die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., ermöglichte der Gruppe nicht nur einen Einblick in ihre Arbeit, sondern auch den direkten Austausch mit Betroffenen. In einem intensiven Gespräch berichteten zwei HIV-positive Menschen ganz offen über ihr Leben mit dem Virus und bescherten den russischen Gästen eine sehr eindrucksvolle Begegnung, über die nachher noch lange geredet wurde. Wie in Deutschland sexuelle Aufklärungs- und Präventionsarbeit abläuft, erfuhren die Gäste dann bei einem Termin bei der Aidsberatung im Gesundheitsamt und in einem Gespräch über die Präventionsarbeit vom Jugendrotkreuz, Landesverband Nordrhein. Hier stießen zwei völlig gegensätzliche Ansätze aufeinander: Auf der einen Seite die zwar pädagogisch und altersgerecht angepasste, aber doch relativ offene sexuelle Aufklärung an deutschen Schulen, die häufig schon recht früh beginnt - und auf der anderen Seite ein regelrechtes Tabuthema in Russland, wo sexuelle Aufklärung als Propaganda für Geschlechtsverkehr verstanden wird und in Klassenzimmern überhaupt nicht stattfindet. Von lautem Gelächter bis hin zu großer Empörung reichte die Reaktion der russischen Jugendvertreter - und mündete letztendlich bei jedem Besuch in einen konstruktiven Dialog über verschiedene Formen sexueller Aufklärungsarbeit.
"Entscheidend ist nicht, dass ihr die hier vorgestellten Methoden und Konzepte eins zu eins übernehmt und nicht hinterfragt", brachte es das zuständige Mitglied der Landesjugendleitung, Sabrina Deiter, auf den Punkt, die mehrere Tage gemeinsam mit der Gruppe unterwegs war: "Entscheidend ist vielmehr, dass ihr euch mit den unterschiedlichen Methoden kritisch auseinandersetzt und dann eine verantwortungsvolle Entscheidung trefft, wie ihr zukünftig in diesem Bereich arbeiten möchtet." Und wenn man diesen Maßstab zugrunde legt, war das Fachkräfteprogramm für die Jugendvertreter aus Russland auf jeden Fall von Erfolg gekrönt. Im nächsten Jahr wird der Gegenbesuch zum gleichen Thema in Russland erfolgen. Dann wird sich eine deutsche Delegation einen Überblick darüber verschaffen können, welche Methoden und Konzepte nach Russland importiert wurden.













