(openPR) "Teilchenbeschleuniger" - Backen für den kulinarischen Ausstieg
Teilchenbeschleuniger” ist ein investigatives Kunstprojekt des Künstlerduos 431art, welches Atomenergie kritisch reflektiert. Der "Teilchenbeschleuniger" verteilt Teilchen namens "Jülicher Törtchen", "Brokdorfer Mürbchen" oder "Muffins Fukushima" an die Bevölkerung. Eine Petition an die Bundesregierung und ein Mailing an die Kanzlerin sowie die Umweltminister Altmaier und Remmel (NRW) sind Aktionen zur Beschleunigung politischer Handlungsfähigkeit in Sachen Atomkraft und Ausbau regenerativer Energien. Teilchenbeschleuniger wird im August/September 2012 in Deutschland (Bundesland NRW und Berlin) realisiert.
Schöppingen, den 27.8.2012
Künstlerisches Konzept
Der Projekttitel “Teilchenbeschleuniger” rekurriert auf den gleichnamigen Begriff aus der Kernphysik. Der Begriff “Teilchen” wird umgangssprachlich auch für Backwaren verwendet, die Teil des Projektes sind. Die kritische Masse hochradioaktivem zwischen gelagertern Restmülls ist erreicht. 431art verlegt den Ort der politischen Diskussion und Auseinandersetzung um die Kernenergie vom Stammtisch an den Kaffeetisch. Das Gebäck, im folgenden kurz: Teilchen genannt, wird zum Impetus einer erweiterten bürgerlichen Auseinandersetzung um die Kernenergie. Indem Grosch und Rausch ihre Backkreationen mit Symbolen und visuellen Verweisen auf Radioaktivität und Kernkraft versehen und verteilen, manifestieren sie das unsichtbare Phänomen radioaktiver Strahlung mit einem Augenzwinkern als permanente Gefahr in Backwaren.
Der "Intoxikations-Ausgleich" ist ein von 431art ins Leben gerufenes Instrumentarium zur weltweiten Solidarisierung mit allen, von den Folgen und Gefahren atomarer Energie direkt oder indirekt betroffenen Menschen. Zur Realisierung des "Intoxikations-Ausgleichs" wird der "Teilchenbeschleuniger" eingesetzt. Der „Intoxikationsausgleich“ verteilt die real existierende Strahlung atomaren Restmülls symbolisch gleichmäßig auf alle Bürger. Der "Intoxikationsausgleich" ist sowohl ein konkreter Vorschlag an Politiker, als auch eine Maßnahme zur Beschleunigung politischer Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zum Thema Kernenergie. Das partizipative Projekt nutzt die Methode der Kontextverschiebung und wird im August/September 2012 in mehreren Stufen realisiert.
Kreispolizeibehörde Borken stuft "Teilchenbeschleuniger" als Versammlung ein
Die Kreispolizeibehörde Borken lud Grosch und Rausch im August zu einem Kooperationsgespräch nach Ahaus ein, da sie deren partizipatorische Kunst im Sinne des Grundgesetzes als Versammlung einstuft.
Am 20.8.2012 erhielten Haike Rausch und Torsten Grosch die offiziellen Genehmigungen der Kreispolizeibehörde Borken.
Aktion Teilchenbeschleuniger: Muffins "Fukushima" werden beschleunigt
Das „Teilchenbeschleuniger-Mobil“ startet im Münsterland und fährt an insgesamt sechs Tagen durch Ahaus, Gronau und Schöppingen. Grosch und Rausch kündigen die Aktion während der Fahrt per Megaphon im Stile von Warnmeldungen an die Bevölkerung an. In orangefarbenen Schutzanzügen verteilen Grosch und Rausch Backwaren namens „Harrisburger“, „Tschernobyler“, „Sellafielder cookies“, „Brokdorfer Mürbchen“, „Jülicher Törtchen“ oder „Muffins Fukushima" an die BürgerInnen. Der "Renner" dürften die mit Miniaturkernkraftwerken versehenen Muffins namens "Fukushima" werden. Der solidarische "Intoxikations-Ausgleich" findet im Verteilen und Verzehr eigens für die Aktion kreierter Teilchen ihren Ausdruck. Benannt wurden die Teilchen nach den größten Störfällen der Geschichte der Atomkraft, sowie zwei Kernkraftwerken Deutschlands.
Sellafield: zahlreiche Störfälle, u.a. 1957 verursacht durch Brand
Harrisburg: 1979 durch den Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island bekannt geworden
Tschernobyl: 1986 Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl
Fukushima: 2011 Unfälle in den Kernkraftwerken Fukushima ausgelöst durch Erdbeben
Brokdorf: Atomkraftwerk bekannt durch zahlreiche Proteste während des Baus in den 1970er und 1980er Jahren
Jülich: ehemaliges Versuchskernkraftwerk und erster Hochtemperaturreaktor Deutschlands. Abgeschaltet 1988. Aufgrund der Kontamination des Kühlkreislaufs bietet der vollständige Rückbau massive Probleme. Die Genehmigung zur Zwischenlagerung von ca. 300.000 verbrauchten Brennelementekugeln in 152 Castor-Behältern läuft 2013 ab. Das Forschungszentrum Jülich plant deshalb, die Zwischenlagerung in Ahaus. Das führte ab 2010 zu massiven Protesten in ganz NRW.
Die Aktionen von "Teilchenbeschleuniger" finden im Dreieck Ahaus, Gronau, Schöppingen statt. In Ahaus dürfen bis jetzt maximal 3960 Tonnen (!) radioaktiven Restmülls oberirdisch lagern. In Gronau existiert die einzige kommerzielle Urananreicherungsanlage in Deutschland. *
Picknick "Störfall sticht"
An zwei Nachmittagen laden Grosch und Rausch zum Picknick und Quartettspiel vor dem Zwischenlager Ahaus ein. In orangefarbenen Schutzanzügen werden Teilchen verzehrt und das Quartett "Deutschlands Atomkraftwerke" gespielt .
"Intoxikationsausgleichs-Abgabe" Petition an die Bundesregierung und Mailing an Politiker:
Radioaktiver Restmüll und Kernenergie bergen ein unkalkulierbares Risiko – bis heute existiert kein sicheres "Endlager" für Atommüll in Deutschland und die Katastrophe von Fukushima hat der Welt die Gefahren der Kernenergie erneut vor Augen geführt. Unser konstruktiver Vorschlag ist die Einführung eines sogenannten "Intoxikations-Ausgleichs".
Der "Intoxikations-Ausgleich" ist eine Abgabe, die – ähnlich dem Soli **– jeder Bundesbürger zu zahlen hat. 30% der Einnahmen sollen in das Finden eines geeigneten "Endlagers" für radioaktiven Müll fließen. 70% der "Intoxikations-Ausgleichs-Abgabe" sind für den Ausbau regenerativer Energien zu verwenden. Der "Intoxikations-Ausgleich" soll für die Dauer der Halbwertszeit von Uran – also für 703,8 Mio. Jahre – durch die jeweilige Regierung eingezogen werden.
Im September erhalten Bundeskanzlerin Merkel, Umweltminister Altmaier, der Umweltminister NRWs Remmel, sowie der Grünen-Politiker Trittin den Vorschlag "Intoxikations-Ausgleich" mit einem Präsentpäckchen, das die oben genannten Backwaren enthält. Dieser wird zudem als Petition im Bundestag eingereicht.
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Termine:
“Teilchenbeschleuniger-Mobil”
Datum: 28.8.2012, Uhrzeit: 15 Uhr und 18 Uhr, Ort: Schöppingen (unterschiedliche Standorte)
Datum: 29.8.2012, Uhrzeit: 14 Uhr – 18 Uhr, Ort: Ahaus (unterschiedliche Standorte)
Datum: 30.8.2012, Uhrzeit: 14 Uhr – 18 Uhr, Ort: Gronau (unterschiedliche Standorte)
“Teilchenbeschleuniger-Mobil”:
Datum: 11.9.2012, Uhrzeit: 15 Uhr – 18 Uhr, Ort: Schöppingen (unterschiedliche Standorte)
Datum: 12.9.2012, Uhrzeit: 14 Uhr – 18 Uhr, Ort: Ahaus (unterschiedliche Standorte)
Datum: 13.9.2012, Uhrzeit: 14 Uhr – 18 Uhr, Ort: Gronau (unterschiedliche Standorte)
“Störfall sticht”: Picknick mit Quartettspiel
Datum: 31.8.2012, Uhrzeit: 12:30 Uhr – 15 Uhr, Ort: Ahaus gegenüber Hauptzufahrt des Zwischenlagers TBLA
Datum: 14.9.2012, Uhrzeit: 12:30 Uhr – 15 Uhr, Ort: Ahaus gegenüber Hauptzufahrt des Zwischenlagers TBLA Ahaus
Petition "Intoxikations-Ausgleich" und Mailing an Politiker
September 2012, Ort: Berlin und Düsseldorf
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* Bis sichere Endlager zur Aufnahme von radioaktiven Abfällen gefunden sind und ihren Betrieb aufnehmen können, müssen die Abfälle, die beim Betrieb und der Stilllegung von Kernkraftwerken und sonstigen kerntechnischen Einrichtungen entstehen, sicher aufbewahrt werden. Das oberirdische Zwischenlager in Ahaus darf maximal 3960 Tonnen Kernbrennstoff aufnehmen (Im Vergleich dazu: Gorleben 3800 Tonnen). Beantragt ist zudem die Lagerung von wiederaufbereiteten Brennelemente aus LaHague, sowie die Lagerung von im Forschungszentrum Jülich lagernden Castoren. In Gronau existiert zudem die einzige kommerzielle Urananreicherungsanlage in Deutschland.
** Soli steht umgangssprachlich für den sogenannten Solidariatätsausgleich, eingeführt nach der Wiedervereinigung Deutschlands zur Finanzierung der Deutschen Einheit.
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www.teilchenbeschleuniger-nrw.de
Förderer:
“Teilchenbeschleuniger” ist Teil des 2012 und 2013 stattfindenden Projektes “Kritische Masse”, und wird gefördert vom Land NRW – Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der “Regionalen Kulturpolitik NRW”. Unser herzlicher Dank für die Förderung gilt außerdem: dem Künstlerdorf Schöppingen, der Bäckerei Ebbinghoff aus Schöppingen Ebenso danken wir der Freiwilligen Feuerwehr und der Kreispolizeibehörde Borken.










