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Glückskekse erobern die Neuköllner Oper

09.07.201209:55 UhrKunst & Kultur
Bild: Glückskekse erobern die Neuköllner Oper
Foto:Neuköllner Oper
Foto:Neuköllner Oper

(openPR) Berlin-Neukölln, 5. Juli 2012 Wer hat nicht schon einen dieser sprachlich wirren Glückskeksweisheiten gelesen? Die Neuköllner Oper beamt seine Zuschauer in eine nicht immer glückliche Glückskekszukunft. Die „Chinesische Offenbachiade“ stellt im Studio der Neuköllner Oper eine chinesische Glückskeksfabrik im Jahr 2030 dar. Schwüle Luft, die die Premierengäste schon vor dem Musikabend ins Schwitzen brachte, war die authentische Kulisse für den „Aufstand der Glückskekse“.


Ein Fließband spuckt im Sekundentakt Glückskekspakete aus. Volksgenossen verpacken die kitschigen Glückskeksweisheiten. Die Monotonie ist körperlich zu spüren. Angetrieben vom Vorarbeiter und der Chefin, aufgeheizt mit platten politischen Parolen, müssen die Arbeiter immer mehr leisten: Immer schneller, keine Pausen, wenig Urlaub, keine Rechte. Hier werden Glückskekse produziert, aber die Arbeiter sind hier alles andere als happy. Und so kommt es, wie es kommen musste, Ma und Li begehren auf und entpuppen sich nach und nach als getarnte deutsche Gastarbeiter. Li singt von ihrer Verzweiflung und Sehnsucht: „Lange halte ich das Theater nicht mehr aus.“ Diese „Butterstinker“, wie man sie hier nennt, dürfen sich aber nicht wirklich zu erkennen geben. Unterstützung erhält der Aufstand dann unerwartet von der Fabrikchefin Ai. Aber da haben sie nicht mit Hung, dem Vorarbeiter, gerechnet. Der fährt alle Geschütze auf, um den Aufstand niederzuschlagen.
Die Original Operetten-Geschichte von Jacques Offenbachs „Ba-ta-clan“ wurde von Kriss Rudolph und Andrew Hannan in eine heutige persiflierte Zukunftsvorstellung transferiert. Im kleinen Neuköllner Studio ist das Fließband die Bühne. Die Texte sind witzig und amüsant. Sprachübungen zur Verbesserung des rollenden „R“ (Blaukraut bleibt Blaukraut) sollen die Integration erleichtern. Manchmal bleiben aber nur noch klischeehafte Kalauer und eine Schuhplattler-Glückskeksparade übrig. Die Weisheiten von Konfuzius werden genauso verwurstet, wie ein Rückblick auf den aktuellen EU-Rettungsschirm.
Andrew Hannan hat sehr gelungen die Musik für eine zweimanualige Konzertorgel arrangiert und greift auch höchstpersönlich in die Tasten. Der Bariton Dejan Brkic spielt den autoritären Vorarbeiter Hung und die Chefin Ai wird von Nini Stadlmann interpretiert. Die Arbeiterin Li, Sopranistin Alexandra Schmidt, verbündet sich mit Ma, Nicolas Heiber, der den zweiten Arbeiter singt und spielt. „Der Aufstand der Glückskekse“ ist eine zauberhaft lebendige und unterhaltsame Operette. Die gesangliche Leistungen des gesamten Ensembles überzeugen - ohne Ausnahme! Die Freude und der Spaß am Spiel blitzen den Sängerinnen und Sängern aus den Augen. Und das ist es dann auch, was bei dem sechzigminütigen Vergnügen mehr als überzeugt.
Das Singspiel der Neuköllner Oper ist kurzweilige Unterhaltung auf hohem gesanglichen Niveau, aber manchmal halt auch so ein bisschen Klamauk und Kindergeburtstag.
Thomas Moser - BerLi-Press
„Aufstand der Glückskekse“
eine chinesische Offenbachiade von Kriss Rudolph und Andrew Hannan
Musikalische Leitung: Andrew Hannan
Inszenierung: Gustav Rueb
Choreographie: Nini Stadlmann
Ausstattung: Alexandre Corazzola
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Spieltermine: 5./6., 12.-15., 19.-22.,26.-29. Juli und 2. – 5., 8., 12. August, jeweils 20 Uhr
http://www.neukoellneroper.de

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