(openPR) Köln, 11. Oktober 2005 - Verbraucher können denken und diese Kopfarbeit darf ihnen durch die Politik nicht abgenommen werden. Gegen Verbote und Beschränkungen sprach sich Holger Krahmer, MdEP aus. Er appellierte an den mündigen, selbstverantwortlichen Bürger anlässlich des BLL-Forums „Werbung, Wettbewerb, Verbraucherschutz – wie sinnvoll sind Verbote?“. Im Rahmen der diesjährigen Anuga diskutierten auf der Veranstaltung des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbraucherschutz Notwendig- und Unsinnigkeiten von Werbeverboten.
Die bereits jetzt existierenden werberechtlichen Regelungen sind ausreichend, so Dr. Gerhard Wronka, Hauptgeschäftsführer Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Weitere Reglementierungen führen allenfalls zu Scheinlösungen. Bürger seien schließlich keine „Konsumtrottel“, die Werbung nicht verstünden. Falsche Verhaltensweisen – ob im Bereich Ernährung oder beim Autofahren – seien auf viele soziale Faktoren zurückzuführen.
Erfolgreiche Märkte brauchen Innovationen und Werbung, machte Prof. Dr. Ulrich Nöhle, Vorstandsvorsitzender Nordzucker AG deutlich. Mit Sorge registriere die deutsche Lebensmittelwirtschaft eine verstärkte Tendenz zur Einschränkung der Werbefreiheit, wobei Korrelation und Kausalität oft verwechselt würden. Nöhle forderte die ursachengerechte Bewertung und nicht das Argumentieren mit scheinbaren Zusammenhängen. Diesen Ansatz stützte Prof. Dr. Jörg Diehl, Justus-Liebig-Universität Gießen: „Wir schlachten das falsche Schwein“. Der Wissenschaftler machte deutlich, dass keine wissenschaftlichen Belege existieren, die Werbung im Zusammenhang mit ungesunden Verhaltensweisen zeigen. Und zudem: In Fällen, wo Einschränkungen verordnet wurden, wie in Schweden oder Québec, konnten keine positiven Einflüsse auf das Ernährungsverhalten festgestellt werden. Werbung verbieten würde einen Faktor beseitigen, der nicht wirkt.
Verbraucherschützer und einige Vertreter aus den Reihen der Politik fordern trotzdem strengere Gesetze. Insbesondere im Zusammenhang mit steigendem Übergewicht in der Bevölkerung werden Einschränkungen in der Werbung für bestimmte Lebensmittel diskutiert. „Werbung mache Spa?, gestand Heidrun Franke von der Verbraucherzentrale Brandenburg, „sie darf aber keine falschen Hoffnungen wecken“. Die Verbraucherschützerin forderte eine obligatorische Nährwertkennzeichnung für alle verpackten Lebensmittel sowie ein Werbeverbot für gesundheitsbezogene Aussagen (Health claims) bei ungünstigen Nährwertprofilen.
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL)
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. ist ein Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören Verbände und Unternehmen aus Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und aus angrenzenden Gebieten an. Als Partner seiner Mitglieder führt der BLL den Dialog mit der Politik, den Medien und der Öffentlichkeit. Dabei erfüllt er vier zentrale Aufgaben:
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Der BLL ist Ansprechpartner für Bundesregierung und Bundestag, Länderregierungen und Länderparlamente. Er vertritt darüber hinaus die Interessen der deutschen Lebensmittelwirtschaft auf europäischer Ebene, z. B. im Rahmen der CIAA (Vereinigung der Europäischen Ernährungsindustrien) sowie durch regelmäßige Kontakte zum Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission. Zusätzlich beteiligt sich der BLL an den Arbeiten des Codex Alimentarius.








