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Über die Unbrauchbarkeit der Philosophen

05.06.201215:18 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Über die Unbrauchbarkeit der Philosophen
Buchcover: Daan Paresco - Über die Unbrauchbarkeit der Philosophen
Buchcover: Daan Paresco - Über die Unbrauchbarkeit der Philosophen

(openPR) Über den Nutzen der Philosophie und eben der Philosophen ist immer wieder trefflich gestritten worden. Daan Paresco lässt diese Debatte, die in der Antike begründet wurde, mit acht Beispielen aufleben und bemüht zu diesem Zweck die Philosophen und Schriftsteller Lukianos, Hermias, Erasmus von Rotterdam, Friedrich Schiller, Jean Paul, Friedrich Engels und Josef Victor von Scheffel. Herausgekommen ist eine satirisch gefärbte Streitschrift, die wohl letztlich die Frage nach der Notwendigkeit philosophischer Einlässe allgemeingültig unbeantwortet lässt, dafür aber zugleich den Nutzen solcher Debatten, die wohl im Austausch der Gedanken und Meinungen besteht, illustriert.


Es war und ist ein ewiger Kampf zwischen den unterschiedlichen philosophischen Ansichten. Was nicht naturwissenschaftlich zu erklären war, sollte wenigstens halbwegs philosophisch gedeutet werden können…
Die vorliegenden Texte unterstreichen – zum Teil in eine satirisch-literarische Hülle verpackt – auf ihre Weise, dass eine gesunde Skepsis gegenüber den wohllauten philosophischen Verheißungen angeraten scheint, wenn diese den Anspruch auf Allgemeingültigkeit hegen und keine anderen neben sich dulden. Ansichten können geäußert und verworfen werden; sie sind im Lichte ihrer jeweiligen Zeit zu sehen und können sich – mehr oder weniger – gesellschaftlicher Realität nähern. Dennoch bleiben sie Kinder ihrer Zeit und ein Ergebnis relativer Ansichten und Anschauungen.
Als ein antiker Meister des Spotts offenbart sich etwa Lukian von Samosata (etwa um 120 bis ca. 180), sozusagen der erste vielschreibende Satiriker. Lukian schrieb durchweg in der klassischen altgriechischen Sprache aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., nicht in der Koine seiner Zeit. Anfangs verfasste er leichte Dialoge, die vom Alltagsleben handelten. Darin wurden gesellschaftliche, philosophische und theologische Themen behandelt, bei denen seine Religionskritik zum Ausdruck kam. Er geißelte die Verschwendungssucht der Reichen, beleuchtete die anrüchigen Gewerbe und machte sich über die Dummheit lustig. Diese Dialoge spiegeln treffend die gesellschaftliche Situation im damaligen römischen Reich wider.
Ein großer Verehrer von Lukian war der niederländische Gelehrte des europäischen Humanismus, der Theologe, Philosoph und Philologe Erasmus von Rotterdam (ca. 1466/1467/1469 bis 1536). Neben der „Stilübung“ gehört die Satire „Lob der Torheit“ (Laus stulticiae), aus der wir hier einen Auszug anbieten, die er seinem Freund Thomas Morus gewidmet hatte. Mit dieser Satire entgegnete er 1509 mit Spott und Ernst tief verwurzelten Irrtümern und trat für vernünftige Anschauungen ein.
Der christliche Apologet Hermias (um 200 n. Chr.) macht sich in unserem Auszug aus dem Aufsatz an die „Verspottung der heidnischen Philosophen“. Die hier vorgestellte kurze, die Lehren der griechischen Philosophen verspottenden Schrift, ist das einzige vom Autor überlieferte Werk.
Kenner des großen deutschen Literaten Johann Christoph Friedrich von Schiller (10. November 1759 bis 9. Mai 1805) wissen sehr wohl, dass er sich leidenschaftlich auch mit philosophischen Fragen befasste, die sich nicht zuletzt auch in seinen literarischen Werken widerspiegelten. Auf der Karlsschule las Schiller Shaftesbury, Rousseau, Lessing, Garve u. a. und wurde durch seinen Lehrer Abel mit der Leibniz-Wolffschen Philosophie vertraut, wie dies die »Philosophischen Briefe« (1786) zeigen. Einen starken Eindruck machte dann (seit 1787, 1791) Kant auf ihn, auf dessen Wegen er, aber mit selbständigen Anschauungen (besonders auf dem Gebiete der Ästhetik) im Einzelnen, wandelte. Ohne ein systematischer Philosoph zu sein, hat Schiller in Poesie und Prosa eine ausgeprägt idealistische Weltanschauung, Grundzüge einer Kulturphilosophie dargelegt. Zu Schillers wichtigsten philosophisch-ästhetischen Schriften gehörten u.a.: Philos. Briefe, 1786. – Über den Grund unseres Vergnügens an tragischen Gegenständen, 1792. – Über die tragische Kunst, 1792, – Über Anmut und Würde, 1793. – Über naive und sentimentalische Dichtung, 1796. – Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts, 1795. – Vom Erhabenen
Auch dem Schriftsteller Jean Paul (1763 bis 1825; eigentlich Johann Paul Friedrich Richter) war die satirische Auseinandersetzung alles andere als fremd. Er spielte ständig mit einer Vielzahl witziger und skurriler Einfälle. Seine Werke sind geprägt von wilder Metaphorik sowie abschweifenden, teilweise labyrinthischen Handlungen. In ihnen mischte Paul Reflexionen mit poetologischen Kommentaren; neben geistreicher Ironie stehen unvermittelt bittere Satire und milder Humor, neben nüchternem Realismus finden sich verklärende, oft ironisch gebrochene Idyllen, auch Gesellschaftskritik und politische Stellungnahmen sind enthalten.
Georg Herwegh über Paul und sein Werk „Clavia Fichteana“: „Der Humor verachtet die Welt nicht, er dringt in dieselbe ein, er schaut sich nach allen Seiten um, rührig und tätig, in Hütten und Palästen, aber sein Maßstab, den er an die Endlichkeit anlegt, ist nicht das Ich, sondern das Göttliche, dessen schönster Tempel Jean Pauls Herz gewesen. Da findet er uns Kindergestalten denn freilich zu kurz und allen Menschenwitz unzureichend dem Ideale gegenüber. Aber er verstößt uns nicht, sondern erbarmt sich unserer, er streift die komische Hülle von unserm Körper ab, damit wir umso kühner und ungehinderter den Aufflug versuchen mögen zum Absoluten.“
Spott und Ironie waren auch für den Gesellschaftstheoretiker Friedrich Engels (1820 bis 1895) wesentliche Elemente der agitatorischen Arbeit. Seit seinen Streitschriften gegen Schelling widmete Engels der Philosophie immer größere Aufmerksamkeit. Er studierte die Werke Hegels, beschäftigte sich ausführlich mit dem Stand der religionskritischen Forschungen und wandte sich zum ersten Mal der Philosophie der französischen Materialisten zu. Ab Mitte 1842 begann er, sich mit Ludwig Feuerbach (Das Wesen des Christentums) auseinanderzusetzen, der in seinen Werken die Religion sowie den Hegelschen Idealismus verwarf. Unter dem Eindruck dieser Studien entfernte sich Engels zunehmend vom Junghegelianismus und fing an, Positionen des Materialismus einzunehmen. In den Jahren 1842/43 erschienen – unter dem Eindruck von Schellings Hegel-Vorlesungen in Berlin – Artikel und Broschüren zu Schelling und dessen Hegel-Kritik. Engels kritisiert darin den Versuch Schellings, die christliche Religion zu rechtfertigen und verteidigt die Hegelsche Dialektik. Schellings Philosophie stelle einen Rückfall in die Scholastik und Mystik dar und sei der Versuch, die Philosophie wieder zur „Magd der Theologie“ zu erniedrigen.
Mit der „Phänomenologie des Geistes“ von Joseph Victor von Scheffel (1826 bis 1886) endet schließlich unser kleiner, augenzwinkender Exkurs bezüglich der kritischen Beleuchtung der Rolle des Philosophen. Scheffel, 1876 geadelt, gehörte im 19. Jahrhundert zu den viel gelesenen deutschen Schriftstellern und Dichtern. In Heidelberg und Berlin studierte Scheffel intensiv Philosophie. Zu seinen Lektüren gehörten die Werke Hegels, die er ausgiebig exzerpierte. Das verband ihn mit vielen politischen Köpfen des „Vormärz“, den Jahren vor den revolutionären Eruptionen 1848.
Daan Paresco: Über die Unbrauchbarkeit der Philosophen. Eine Streitschrift mit acht Beweisen, Der Neue Morgen, 200 Seiten, Broschur, 14,99 EUR, ISBN 978-3-95480-013-1

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