(openPR) (Speed-Magazin.de / Lukas Gorys) Der nächste Formel 1 GP 2012 in Bahrain wird vielleicht als kein normales F1 Rennwochenende in die Geschichte der Königsklasse eingehen. Egal was im Hinblick auf mögliche Proteste während des F1 Grand Prix auch geschehen mag, eines muss vorab festgehalten werden: Bahrain ist üblicherweise ein sehr gastfreundliches Land. Die Bahrainis haben die Formel1-Leute in den vergangenen Jahren immer extrem freundlich willkommen geheissen.
In der unwirtlichen Welt der Wüsten zählt Gastfreundschaft noch etwas. Und die Insel Bahrain besteht in der Hauptsache aus Wüste. Aber die Ölquellen, auf denen der Reichtum von Bahrain basiert, sind in der Mehrzahl längst versiegt. Heute raffinieren die Bahrainis das Öl aus Saudi-Arabien. Und sie haben ausserdem in den letzten Jahren versucht Banken ins Land zu holen und sich als „business-friendly“ darzustellen.
Der kleine Inselstaat ist über eine Brücke mit Saudi Arabien verbunden. An den Tagen des arabischen Wochenendes (Donnerstag und Freitag) ist in der lebenslustigen Hauptstadt Manama der Teufel los. Saudis mit schweren SUVs und luxuriösen Sportwagen patrouillieren in den Strassen der Stadt. Hier wird Party gemacht – so weit und so gut es der Koran zulässt.
Wer sich als Ausländer bis in die Tiefen der Hauptstadt Manama traut, wird im Gewürz-Souk durch die intensiven Düfte in eine fremde Welt entführt. Ruft der Muezzin durch zahllose Lautsprecher verstärkt die Gläubigen zum Gebet, läuft in den engen Gassen auch Christen ein Schauer über den Rücken – so intensiv ist das Erlebnis. Verschleierte Frauen mit schwarzen Gewändern gehören hier ebenso zum Strassenbild wie Männer im traditionellen arabischen Kaftan. Grosse Teile der Stadt wirken erstaunlich ärmlich und bescheiden. Vom arabischen Märchen aus 1001 Nacht ist man hier weit entfernt.
Die Formel 1 Rennstrecke von Sakhir liegt im südlichen Teil der Insel, circa 30 Kilometer von Manama entfernt. Eine gut ausgebaute Autobahn führt direkt nach Sakhir, wo den Besucher eine faszinierende Anlage erwartet. Der Bahrain International Circuit schlängelt sich zu mehr als der Hälfte durch echte reine Wüstenlandschaft und damit durch die unwirtlichste Umgebung aller Formel1-Rennstrecken. Ende April brennt die Sonne gnadenlos vom Himmel. 35 Grad sind Standard, dazu eine unglaubliche Trockenheit und der Wüstenstaub, der sich über den Besucher, die Rennwagen und die gesamte High-Tech-Mechanik der F1 legt. Der feine Staub ist eine der grössten Herausforderungen für die Motoren. Eigens deshalb bringen die Teams stärkere Luftfilter nach Sakhir, um Motorschäden möglichst zu vermeiden. Haupttribüne und Paddock sind in einem begrünten Teil der Strecke untergebracht, die an eine Oase erinnert. Das Fahrerlager von Sakhir wird am Abend illuminiert. Diese Kulisse gehört zu den schönsten des ganzen Formel-1 Jahres.
In der Vergangenheit hat sich der gesamte F1-Zirkus jedes Jahr auf die Reise nach Bahrain gefreut - eine perfekte Location, gastfreundlicher Empfang und ideales Wetter. Umso schlimmer, dass in diesem Jahr ein grosser Schatten der zu erwartenden politischen Proteste über dem Event liegt. Die mittlerweile in Bahrain angekommenen Formula One Teammitglieder beschreiben die Lage bisher als normal und ruhig.
Das Auswärtige Amt jedoch hat seinen Sicherheitshinweis für Bahrain im Hinblick auf das Formel-1-Rennen aktualisiert. Auf der Website der deutschen Botschaft Bahrain befindet sich folgender Text: „In Stadtteilen bzw. Ortschaften mit überwiegend schiitischer Bevölkerung (z.B. Sitra, Sanabis, Jidhafs, Daih, Nuwaidrat, A'Ali, Sanad, Salmabad, Buri, Bilad Al-Qadeem, Zinj, Dar AlKulaib), sowie in Ortschaften entlang des Budaiya Highway und auch im Stadtzentrum von Manama kommt es in den Abendstunden und an den Wochenenden regelmässig zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, teilweise auch unter Einsatz von Tränengas. Seitens der Demonstranten werden häufiger Molotowcocktails benutzt sowie Strassenblockaden durch brennende Autoreifen, Öl oder Stahlspikes errichtet, wodurch es zu Beeinträchtigungen des Strassenverkehrs kommen kann. Im Vorfeld und während der Formel 1 vom 20.-22.04.2012 muss täglich mit Demonstrationen gerechnet werden. Reisenden wird empfohlen, sich umsichtig zu verhalten, Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden und die örtliche Medienberichterstattung zu verfolgen.“
Zu keinem anderen Austragungsort eines Formel 1 Rennens der Saison 2012 wird man derartige Aussagen lesen müssen. Die Botschaft Manama macht deutsche Staatsbürger die nach Bahrain reisen ferner auf die Möglichkeit der Aufnahme in die Krisenvorsorgeliste der Botschaft aufmerksam.
Das kann ja wirklich heiter werden...












