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"Schizophrene" Medien?

12.04.201212:31 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) "Schizophrene" Medien?


Wie lokale und nationale Medien über psychische Erkrankungen berichten und wie sie oftmals sorglos Begriffe aus der Medizin verwenden, beleuchtet eine Studie des Zentrum für Soziale Psychiatrie Salzwedel (ZSP Salzwedel).




Studien belegen (1), dass seriöse überregionale Printmedien wie FAZ, Spiegel, SZ oder Die Zeit sehr oft Begriffe aus der Psychiatrie benutzen, sich aber selten mit den entsprechenden psychiatrischen Inhalten befassen. Oft wird das Fachvokabular nur beiläufig erwähnt oder als sinnentfremdete Metapher genutzt – der Informationsgehalt ist gering. Das Zentrum für Soziale Psychiatrie Salzwedel hat über zwölf Monate hinweg die Berichte aus allen fünf Lokalzeitungen im Altmarkkreis Salzwedel durchgearbeitet und diese mit der überregionalen Presse verglichen.

Bei der Inhaltsanalyse wurden insgesamt 817 Ausgaben der Lokalzeitungen aus 2007-2008 nach bestimmten Wortstämmen und Fachbegriffen wie "psychiat", "psychoth" oder "schizo" durchgesehen. Zwar ist ein Anteil von 45 Prozent im negativen Zusammenhang nicht gering, doch die verbleibenden Artikel waren entweder positiv (16 Prozent) oder neutral (39 Prozent) gefärbt. In der überregionalen Presse hingegen tauchte z.B. "schizo" zu fast 75 Prozent negativ besetzt auf. Generell ergibt sich dadurch eine starke Stigmatisierung der psychisch Kranken und ihrer Ärzte. In der Altmärker Presse tauchte der Begriff dagegen im Untersuchungszeitraum überhaupt nur vier Mal auf und war in Berichten der Lokalredaktionen auch nicht negativ besetzt.

Dr. Nicolas Nowack vom ZSP Salzwedel erklärt die Problematik: "Die unsachliche Verwendung von Fachtermini kann - ungewollt - diskriminierend wirken. Zudem werden in der überregionalen Presse oft Verbrechen mit psychischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Durch die Berichterstattung denken viele Leser, dass Gewaltdelikte häufiger von psychisch Kranken begangen würden. Aber das ist völlig falsch! Gewaltverbrechen werden von psychisch Kranken nicht häufiger begangen als von der Normalbevölkerung!"

Die lokalen Medien hingegen berichten über psychiatrische Einrichtungen vor Ort, die Redakteure kennen und besuchen sie. Dabei informieren sie ausführlich über Therapieformen oder öffentliche psychiatrische Veranstaltungen und zeigen Erfolge der Einrichtungen auf. Dr. Nowack: "Die Nähe der Lokalredakteure zu den Einrichtungen scheint bessere Chancen auf sachliche Berichterstattung zu bieten."

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Psychiatrische Praxis" 2011, Heft 3, 38. Jg.; S. 129-134 veröffentlicht.

Weitere Informationen: www.zsp-salzwedel.de

(1) Hoffmann-Richter U. Psychiatrie in der Zeitung. Urteile und Vorurteile. Bonn: Psychiatrie-Verlag; 2000
Finzen A. Die Psychiatrie, die psychisch Kranken und die öffentliche Meinung. Beobachtungen zu einer gestörten Kommunikation. Soziale Psychiatrie 2000; 4: 4-6
Thornicroft G, Rose D, Kassam A, Sartorius N. Stigma: ignorance, prejudice or discrimination? Br J Psychiatry 2007; 190: 192-193
Drexelius N. Kontakt mit Erkrankten hilft gegen Stigmatisierung. Fortschr Neurol Psychiat 2009; 77: 61
Canadian Mental Health Organisation, Edney D R. Mass Media and Mental Illness: A Literature Review. www.ontario.cmha.ca/docs/about/mass_media.pdf, Ontario 2004 - 2010

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