(openPR) Elektromobilität bietet für viele Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland ein beträchtliches Wachstumspotenzial, erfordert jedoch ein enormes Investitionsvolumen in neue Technologien. Langsam nimmt das Käuferinteresse weltweit zu. Im Hinblick auf unterschiedliche Modelle für die Mobilität sind derzeit zahlreiche technische Lösungen in der Diskussion, vom reinen Kurzstrecken-Elektromobil bis hin zu Transportern, die mit Brennstoffzellen betrieben werden. Allen technischen Lösungen gemeinsam ist die vergleichsweise kleine Energiedichte von Batteriesystemen mit einer augenscheinlich geringen Reichweite reiner Elektromobile. Diesem Nachteil wirken Brennstoffzellen, Range-Extender-Konzepte oder der Ausbau der Ladeinfrastruktur entgegen.
Mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs gehen auch veränderte Anforderungsprofile an die Qualifizierung der Mitarbeiter einher. Dies betrifft sowohl den Forschungs- und Entwicklungsbereich als auch die Produktion, den Vertrieb und das After Sales. Die Arbeitsgruppe 6 der Nationalen Plattform Elektromobilität hat sich in ihrer Arbeit mit dem durch die Elektromobilität induzierten Qualifizierungsbedarf auseinandergesetzt [NPE AG6 (2010)]. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere ein großer Bedarf an der Vernetzung aller Akteure der akademischen und beruflichen Bildung besteht. Als Konsequenz wurde das Projekt »Qualifizierungsplattform für die Aus- und Weiterbildung in der Elektromobilität« (QEMO), koordiniert durch die Universität Ulm und unter Mitarbeit des Weiterbildungszentrums Brennstoffzelle e.V. (WBZU), initiiert und mit 1,1 Mio. Euro durch das BMBF gefördert [Universität Ulm (2011)]. Inhalt des Projekts ist der Aufbau und Unterhalt einer Vernetzungsplattform mit dem Ziel, Ausbildungs- und Lerninhalte im Bereich Elektromobilität branchenübergreifend zu vernetzen. Neben der Vernetzung der Akteure sieht die NPE in der Intensivierung der vorwettbewerblichen Forschung an den Hochschulen ein wichtiges Mittel, um die praxisorientierte Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sicherzustellen und zur Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft beizutragen [NPE (2011a)].
Sowohl sind die zur Verfügung stehenden Berufsbilder geeignet, neue Ausbildungsmodule zu integrieren, als auch die etablierten Studienfächer passend, um über eine Anpassung der Studieninhalte und die Vernetzung und Kombination bestehender Fächer die neuen Qualifikationsanforderungen zu erfüllen. Diese Integration der durch die Elektromobilität induzierten Qualifizierungsbedarfe in die bestehenden Linien der akademischen und beruflichen Ausbildung ist auch vor dem Hintergrund konsequent, dass über die nächsten Jahrzehnte verbrennungsmotorische, hybride und elektrische Antriebs- und Fahrzeugkonzepte koexistieren werden. Während in der akademischen und beruflichen Ausbildung weniger neue Angebote geschaffen als vielmehr bestehende Angebote modifiziert werden müssen, stellt sich die Situation im Bereich der Weiterbildung anders dar. So wird die Umsetzung der neuen Inhalte in den Ausbildungsberufen und Studienfächern noch einige Zeit in Anspruch nehmen, und die entsprechenden Absolventen stehen dem Arbeitsmarkt dann erst 3 bzw. 5 Jahre später zur Verfügung. Mit auf den Qualifikationsanforderungen entsprechenden, regulär ausgebildeten Akademikern und Ausgebildeten in ausreichender Anzahl kann die Industrie somit erst 2017–2020 rechnen. Bis dahin sind zwingend Weiterbildungsangebote, berufsbegleitend und in Vollzeit, notwendig. Hiervon ist insbesondere der Umgang mit Hochvoltsystemen betroffen. Sowohl die Mitarbeiter in der Produktion und im After Sales, aber auch die Forscher und Entwickler in den Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind im sicheren Umgang mit den teil- oder vollelektrischen Fahrzeugen zu schulen, um Unfälle zu vermeiden. Aufgrund der Heterogenität des Anbieterspektrums und der damit einhergehenden Vielfalt der Qualifizierungsangebote ist insbesondere bezüglich sicherheitskritischer Qualifizierungsmaßnahmen eine Standardisierung von Qualifizierungsinhalten und -abschlüssen erforderlich.
[e-mobil BW, Strukturstudie 2011]
Elektroantriebe erfordern hohe Betriebsspannungen im Bereich 300V bis 600V, um die notwendige Antriebsleitung bei vertretbaren Strömen zu liefern. Batterie- und Brennstoffzellensysteme arbeiten generell mit Gleichspannung, was das Gefährdungspotenzial im Vergleich zu Wechselspannungssystemen noch vergrößert.
Die DGUV (Deutsche gesetzliche Unfallversicherung) hat im Juni 2010 mit der DGUV-I 8686 die Struktur und Inhalte der Qualifizierung von Fachpersonal für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen vorgegeben. Daraus wurde ein mehrstufiges Schulungskonzept entwickelt, das aktuell die Ausbildungsstufen 1 und 2 abdeckt. Im März 2011 konnte der Zertifikatslehrgang mit großem Erfolg an der TAE erstmals durchgeführt werden. Besonders die praktische Ausbildung an mehreren Elektrofahrzeugen war für die Teilnehmer unverzichtbares Training für die tägliche Praxis. Somit wurden sie mit dem Abschluss „Elektrofachkraft für HV-Systeme“ befähigt, selbstständig an HV-Fahrzeugen gefährdungsfrei elektrotechnische Arbeiten (z.B. das Freischalten, das Sichern gegen Wiedereinschalten, das Feststellen der Spannungsfreiheit und der Austausch von HV-Komponenten) durchführen zu können.
Elektrofachkräfte nach Stufe 2b müssen die übertragenen Arbeiten beurteilen, mögliche Gefahren erkennen und die für das HV-System notwendigen Schutzmaßnahmen umsetzen. Sie sind für die eigene Tätigkeit, die der elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuP) und den elektrotechnischen Laien verantwortlich.
Von den über 10.000 Firmen, die ihre Mitarbeiter an der TAE weiterbilden lassen, beschäftigen sich ca. 2.500 mit Themen im Umfeld der Kraftfahrzeugherstellung.
Für Industriebetriebe und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg ist es eine der wichtigsten tragenden Säulen. Kraftfahrzeuge sind zwar zumeist mit Verbrennungsmotoren angetrieben, aber Elektromobilität ist in der Region Stuttgart seit langem Standard. So fahren z.B. Busse der Esslinger Verkehrsbetriebe mit Strom.
Im Mittelpunkt des Interesses steht aber der elektrifizierte Individualverkehr. Im Jahr 2020 sollen nach Expertenmeinung mehr als eine Million dieser Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Eine Vielzahl elektrischer Fahrzeugvarianten steht bereits zur Verfügung. Neben Pedelecs, E-Rollern gibt es zunehmend auch Elektroautos unterschiedlicher Klassen. Wie immer, steht am Anfang der Verbreitung neuer Technologien die Wissensvermittlung. Wer sich nicht schon im Studium damit auseinander gesetzt hat, wird sich berufsbegleitend weiterbilden müssen. Seit mehr als 20 Jahren ist das Thema auch an der TAE verankert. Durch Expertenschulungen im offenen Seminarbereich genauso wie in Zertifikatslehrgängen und Tagungen. Wichtiger Meilenstein in 2012 ist das Symposium „Elektromobilität“ am 20. Juni 2012. Die letzte Weiterbildungsinitiative stellt den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Embedded Systems“ dar. Die TAE ist dabei auch Kooperationspartner mehrerer Hochschulen und der im Stuttgarter Raum angesiedelten IHKs.









