(openPR) Am Software Competence Center Hagenberg (SCCH) werden individuell angepasste Touchscreen-System entwickelt. Nicht nur Smartphones und Tablets werden per Touchscreen bedient, sondern auch bei Industrieanlagen und anderer spezialisierter Technik greift man seit bald 20 Jahren auf die Eingabe per berührungssensitiven Bildschirmen zurück. Dort kamen jedoch dort bisher relativ ungenaue, sogenannte resistive Touchscreens zum Einsatz, die nicht mehrere Berührungseingaben zu einem Zeitpunkt verarbeiten konnten.
Wolfgang Beer, Forscher am SCCH arbeitet daran, die Bedienkonzepte von zeitgemäßen Smartphones mit ihren fortschrittlichen Touchscreens auch bei industriellen Benutzerschnittstellen anzuwenden. Alte Systeme bestehen oft aus überfüllten und unübersichtlichen Eingabemasken mit umständlicher Menüsteuerung. "Neue Interfaces sollen mit jenen Mehrfingergesten, die man von Smartphones kennt, durch aktivitätsgetriebene Dialoge gesteuert werden", erklärt Beer.
Das Interface soll "mitdenken" und nur jene Optionen anbieten, die aktuell zielführend sind. Keine unnötigen Informationen sollen von der momentanen Aktion ablenken. Ähnlich wie bei Smartphone Apps haben die Eingaben auch ein entsprechendes grafisches oder akustisches Feedback zur Folge. "Kunden erwarten etwa, dass das Scrollen durch eine Liste genauso läuft und bremst, wie das momentan auf dem iPad der Fall ist", so Beer.
Mit dem Salzburger Tontechnikanbieter Acousta Engineering entwickelte Beer beispielsweise ein neues Bedienkonzept für professionelle Tonregieanlagen, die unter anderem beim Rundfunk verwendet werden, um Mikrofone und andere Audioquellen zu koordinieren und live zu schalten. Früher waren auf den Touchscreens solcher Anlagen die abgebildeten Equalizer ihren nicht virtuellen Vorläufern nachempfunden und die angezeigten Drehregler waren mühsam zu bedienen. Bei den neuen Interfaces modifiziert der Tontechniker direkt die Equalizerkurve und zieht sie zu einem Punkt seiner Wahl.
Mit einem oberösterreichischen Steuerungshersteller arbeitet Beer zudem am Interface für Spritzgussmaschinen, in denen Kunststoff unter hohem Druckk in Formen gespritzt wird. Hier sollen Anwender künftig per Fünffingergeste von einem Eingabebildschirm zum nächsten wechseln, um die Maschine umzurüsten oder Fehler in der Produktion zu erkennen.
"Um zu einem neuen Interface zu kommen, müssen zuerst die bestehenden Eingabemethoden analysiert werden, um Schlüsselaktionen zu erkennen", erklärt Beer. Darauf basierend entwirft er mit seinem Team ein durchgängiges, konsistentes Interaktionsmodell. "Man muss darauf achten, dass eine Aktion etwa immer mit derselben Wischbewegung ausgeführt wird." Die Anwendungen unterscheiden sich dabei sehr: "Ein Interface in einer lauten Produktionshalle, wo das Interface mit einem Handschuh bedient wird, muss anders aussehen als in einem Tonstudio."
Entwickler haben bei industriellen Geräten auch keine Programmierumgebung wie beim Smartphone zur Verfügung, wo das System die Gestenerkennung übernimmt, die man dann für das Erstellen einer App verwenden kann. Da und dort versuchen Maschinenhersteller aber bereits, das App-Konzept selbst abzuschauen: Eine Heizungssteuerung, auf der Apps eingebettet sind, könnte auch den Ertrag der Solaranlage, den Stromverbrauch und die Wettervorhersage anzeigen.
Mehr Information auf www.scch.at und www.acousta.at












