(openPR) Während Griechenland laut einigen Wirtschaftsexperten und Politikern nicht nur in den letzten Zügen liegt, sondern sich vorzugsweise auf eine Zukunft ohne Euro einrichten sollte, bemüht sich Portugal, ohne allzu große Aufmerksamkeit der Medien, seine Schulden zu verringern. Auch an der Algarve blickt man sorgenvoll in die Zukunft, hat doch der Tourismus als treibende Wirtschaftskraft des Südens während der letzten 30 Jahre schon einige Flauten hinnehmen müssen. Doch sorgenvoll bedeutet nicht ohne Hoffnung, so das Credo von Gewerkschaftsvertretern und Gästen aus der Wirtschaft einer Podiumsdiskussion am 18. Februar, die durch die Gewerkschaft União Geral de Trabalhadores angeregt wurde.
Daniel Santana von der UGT machte klar, "ohne Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit können wir nicht erwarten, die Jobziele zu erreichen und die in der Region eskalierende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen zu können." Nur Wachstumsimpulse und nicht Sparmaßnahmen können die Algarve vor ihren wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu bewahren, sagte der Gewerkschaftschef. Er sprach nur einen Tag, nachdem das Nationale Statistik-Institut (INE) die aktuellen Arbeitslosenzahlen bekanntgegeben hatte: 17,5% verzeichnete die Behörde im letzten Quartal des Jahres 2011, das bedeutet mehr als 34.000 Arbeitslose an der Algarve.
"Solche Sparmaßnahmen können nur zu größerer Rezession und steigender Arbeitslosigkeit aufgrund weiterer Geschäftpleiten gehen", sagte er und fügte hinzu, es sei unerlässlich, in den Tourismus zu investieren - eben die Industrie, die Wirtschaft der Algarve retten könne.
Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen, eine bessere Nutzung der vorhandenen und bewilligten EU-Mittel und auch eine aktivere Rolle der Jobagenturen bei der Wiedereingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt sind nur einige der Maßnahmen, zu denen Daniel Santana dringend rät.
Ähnlich äußerte sich Carlos Baía vom regionalen Beschäftigung- und Bildungsinstitute IEFP. Die hohe Zahl an Menschen ohne Arbeit sei eine direkte Folge des Abwärtstrends im Bau-, Hotel- und Dienstleistungssektor der Region.
Nach den Zahlen der IEFP begann sich der Abwärtstrend schon im Jahr 2007 abzuzeichnen und wurde durch die saisonale Abhängigkeit des Tourismussektors an der Algarve sowie durch die Weltwirtschaftskrise in den Folgejahren verstärkt.
Der Präsident des Algarve Hotels and Resorts Verband (AHETA), Elidérico Viegas, wurde konkreter und nannte verschiedene Gründe für den festgestellten Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und verzögerten Wachstum in der Region. Einer sei der unzureichende Bildungsstand der Arbeitskräfte. Die Wirtschaft brauche endlich einen Schub, so dass mehr Arbeitsplätze im privaten Sektor geschaffen werden können, so Viegas.
João Guerreiro, Dekan an der Universität der Algarve in Faro, schloss mit den Worten, dass die Anzahl hoher Bildungsabschlüsse die Bedürfnisse der Wirtschaft widerspiegelten, ein hohes Maß an Wissen und Fachkenntnis aber auch genau die Macht des Einzelnen darstelle, sich einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen.
Noch richten die Medien ihr Hauptaugenmerk auf den Südosten Europas, doch muss auch Portugal damit leben, unter dem strengen Blick der Ratingagenturen und der mächtigen Entscheider in Brüssel, Berlin und Paris zu bestehen. Nicht nur die Regierung in Lissabon und die Entscheidungsträger in der Wirtschaft werden sich anstrengen müssen, um dem Land die Möglichkeit zu geben, den Anschluss an Europa halten zu können, auch die Bürger der Algarve müssen ihre Möglichkeiten erkennen und versuchen, die richtigen Impulse für eine Wiedererstarkung zu setzen.











