(openPR) „Nicht nur eine Ressource“: Mittelständische IT-Firmen bieten oft mehr Abwechslung und Weiterbildungsmöglichkeiten als Großkonzerne
Rosige Zeiten für Informatiker aller Bereiche: Laut einer Studie des Staufenbiel Instituts verzeichnen 59 Prozent der befragten Unternehmen 2011 einen wachsenden oder sogar stark steigenden Bedarf an IT-Experten. Für die nächsten fünf Jahre wird sogar mit einem Nachfragezuwachs von 71 Prozent gerechnet. Absolventen und Job-Wechsler könnten sich ihre Arbeitgeber aussuchen. Viele träumen dennoch von einer Stelle bei den Branchen-Riesen – trotz deren starrer Hierarchien und der weitgehend festgelegten Tätigkeitsfelder. Inzwischen etabliert sich allerdings auch ein Trend hin zu mittelständischen IT-Dienstleistern, die mit einem persönlichen Umfeld, wechselnden Projekten und entsprechend vielfältigem Know-how locken. Besonders Softwareentwickler für den technischen Bereich zeichnen sich aufgrund namhafter Kunden und großer Projekte durch einen spannenden Berufsalltag und gute Qualifikationsmöglichkeiten aus.
Computer haben Thomas Brauchle von klein auf interessiert. Schon früh hat er angefangen, an der Hardware zu basteln oder selbst zu programmieren. Als es an die konkrete Berufswahl ging, waren aber andere Faktoren wichtig: „Arbeitsplätze in der IT galten allgemein als sicher. Außerdem habe ich mir einen Job in dem Bereich als abwechslungsreich und verantwortungsvoll vorgestellt“, erzählt der Diplom-Informatiker. Um das theoretische Fachwissen und die wissenschaftlich-struktierte Arbeitsweise, die das Studium vermittelte, durch erste Eindrücke aus dem Berufsalltag zu ergänzen, absolvierte er ein Praktikum bei Boehringer Ingelheim und verfasste seine Diplom-Arbeit in Zusammenarbeit mit General Electric. „Danach war mir auch bei der Suche nach einem Arbeitgeber wichtig, dass ich dort schnell Praxiserfahrung würde sammeln können und ich auch Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung hätte.“ Weitere Auswahlkriterien für den Absolventen waren interessante Projekte und eine gute Atmosphäre im Unternehmen.
Aufgabenspektrum: Maschinenbau bis Raumfahrt
„In vielen Firmen werden Mitarbeiter heute vor allem als Ressource angesehen, als eine ID im System“, meint Dr. Christophe Schoenenberger. Der Experte für Physik und Angewandte Informatik arbeitet seit acht Jahren bei der Konzept Informationssysteme GmbH in Meersburg am Bodensee und leitet inzwischen die Niederlassung in Ulm. Das Unternehmen, das auf Software für komplexe, technische Anwendungen spezialisiert ist, wächst seit der Gründung 1994 stetig, zeitweise sogar im zweistelligen Bereich. Entsprechend schnell steigt auch der Bedarf an Personal. „Für uns ist deshalb wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und dass man auf einer persönlichen Ebene miteinander sprechen kann – bis hinauf zur Geschäftsleitung“, so Schoenenberger. Für dieses positive Betriebsklima spreche zum Beispiel, dass viele Studenten, die zum Praktikum im Unternehmen waren, nach dem Abschluss dort eine feste Stelle annehmen.
Konzept Informationssysteme arbeitet als Softwaredienstleister, im Systems Engineering und in der IT-Qualitätssicherung für Kunden aus verschiedenen Bereichen – von Automotiv und Logistik über Luft- und Raumfahrt bis hin zur Wehrtechnik. Beschäftigt werden hauptsächlich Informatiker, aber auch Nachrichtentechniker, Physiker, Mathematiker, Elektrotechniker oder Chemiker. Die Spezialisten befassen sich teilweise inhouse mit ihren Projekten, großenteils sind sie aber direkt beim Kunden im Entwicklungseinsatz. „Grundvoraussetzung für die Arbeit bei uns ist daher in jedem Fall ein hohes Maß an Qualität und Fachwissen“, erklärt Schoenenberger. „Hinzu kommen Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, sich viel und gerne im Umfeld der High-Tech-Industrie zu bewegen. Immerhin repräsentiert der Mitarbeiter vor Ort beim Kunden das ganze Unternehmen.“ Da von dem Systemhaus effiziente und termingerechte Arbeit erwartet wird und der Betrieb dabei die Risiken trägt, ist mit den Projekten auch eine große Verantwortung verbunden.
Informatiker Brauchle fühlte sich von diesem Tätigkeitsprofil bei seiner Jobsuche direkt angesprochen: „Die vielen Aufträge und Kunden klangen sehr interessant, auch weil es echte Praxisarbeit ist. Gleichzeitig berücksichtigen die Geschäftsführer bei der Aufgabenverteilung die eigenen Vorlieben und Stärken jedes Einzelnen.“ Schon nach zwei Monaten im Stammhaus in Meersburg wurde er als Programmierer und Tester einem Kundenprojekt in der Satellitentechnik zugeteilt. „Wirklich zu sehen, wofür man arbeitet, die riesigen Satelliten und die Herstellung in den Reinräumen, ist beeindruckend. Vor allem, weil man sich mit der Arbeit ja auch selbst entwickelt“, berichtet er. „Im Augenblick bin ich Systemingenieur mit Projektverantwortung.“
Ausbildungslücken werden mit Schulungen und Praxiserfahrung gefüllt
Je nach Erfahrungsstand werden die Mitarbeiter von Konzept Informationssysteme mitunter schon nach dem ersten Tag direkt beim Kunden eingesetzt. In jedem Fall bekommt man jemanden, der schon länger im Unternehmen ist, als Paten zur Seite gestellt, damit man einen festen Ansprechpartner beim Einleben im neuen Arbeitsplatz hat. Auch der Wunsch nach Aufgaben im Umfeld einer bestimmten der vier Geschäftsstellen wird in aller Regel innerhalb von maximal drei Monaten erfüllt. Uni-Absolventen haben jedoch meist noch einen gewissen Nachholbedarf im Praxisbereich, wie Schoenenberger aus Erfahrung weiß. Besonders im Luft- und Raumfahrtbereich gebe es Lücken. „Hier geht es um sicherheitskritische Anwendungen, daher muss die Softwareentwicklung strenge Standards einhalten und Normen erfüllen, wie die RTCA/DO-178B oder die IEC Safety. Diese Richtlinien werden an der Uni aber kaum behandelt.“ Auch Requirement Engineering und vor allem die sorgfältige Dokumentation kämen in der Ausbildung oft zu kurz.
Andererseits wird dies von den Bewerbern auch gar nicht erwartet, so Schoenenberger: „Wir schätzen das hohe theoretische Niveau der wissenschaftlichen Grundausbildung an den Universität sehr. Analytisches Denken und Abstraktionsvermögen sind die Basis für gute Leistungen in unseren Entwicklungsprojekten.“ Neue Mitarbeiter müssten daher nur genug Offenheit und Interesse an praxisorientierten Aufgaben mitbringen, die nötige Erfahrung und das entsprechende Know-how werden ihnen im Unternehmen vermittelt. Für Brauchle sind vor allem die Fähigkeiten, sich in kurzer Zeit in komplexe Themen einzuarbeiten und sich selbst zu organisieren, große Vorteile der universitären Ausbildung – für die wechselnden Projekte ein wichtiger Faktor. Inzwischen arbeitet er an einem Auftrag aus der Wehrtechnik. „Man muss für diesen Job flexibel sein, aber man erweitert dadurch auch enorm sein Fertigkeitenspektrum.“ So lernte er etwa für sein erstes Projekt eigens C++, da die Kundensysteme mit dieser Sprache arbeiteten.
Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Ressource
Auch Schoenenberger begann in der Softwareentwicklung, bevor er zunehmend Verwaltungsaufgaben übernahm und schließlich half, die Ulmer Niederlassung aufzubauen, die er heute leitet. „Das war etwas Neues für mich, daher hat es großen Spaß gemacht. Vor allem hat man hier immer den Rückhalt der Geschäftsleitung, die einen nicht sofort unter Druck setzt.“ Insgesamt sei man sehr auf das Zwischenmenschliche bedacht, fasst der gebürtige Franzose zusammen. Dazu organisieren die Geschäftsführer auch immer wieder Social Events, wie Betriebsausflüge oder Feste.
Um die Mitarbeiter dabei zu überstützen, Beruf, Familie und Freizeit unter einen Hut zu bringen, werden Überstunden oder lange Arbeitswege so weit es geht vermieden. Reisezeit gilt daher beispielsweise als Arbeitszeit. Das hat einerseits einen ganz praktischen Zweck: Zufriedenes Personal macht beim Kunden einen besseren Eindruck. Vor allem aber sollen sich die Mitarbeiter als wichtigstes Gut des Unternehmens wohlfühlen. Dass das funktioniert, kann Brauchle nur bestätigen: „Rückblickend war es für mich die richtige Entscheidung. Der Betrieb ist breit und stabil aufgestellt. Man hat viele Möglichkeiten, sich zu entfalten. Und man bekommt hier direkt die Wertschätzung für seine Leistungen, die in großen Konzernen oft fehlt.“














