(openPR) Mit dem neuen Versorgungsgesetz, das am 01. Januar 2012 in Kraft getreten ist, reagiert die Politik auf die zunehmende „Landflucht“ von Ärzten, die sich verstärkt in Ballungszentren niederlassen, während strukturschwächere, vorwiegend ländliche Regionen schon heute unter medizinischer Unterversorgung leiden. Doch nicht nur der Gesetzgeber handelt, auch Mediziner vor Ort engagieren sich für eine Verbesserung der wohnortnahen Versorgung ihrer Patienten. Um die Kräfte zu bündeln und lokale Synergien zu nutzen, haben sich in der Vergangenheit sog. „Gesundheitsnetze“ bewährt.
Hier schließen sich die medizinischen Leistungsträger einer Region, beginnend bei den Haus- und Fachärzten, über die Krankenhäuser, bis hin zu Heilmittelversorgern, Physiotherapeuten, Logopäden etc. zusammen und bieten so ihren Patienten eine optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmte medizinische Versorgung auf allen Ebenen des Gesundheitssystems.
Wie gut das in der Praxis funktionieren kann, zeigt das 2004 gegründete Gesundheitsnetz „UGOM“ für die Region Oberpfalz-Mitte, dem sich mittlerweile über die Hälfte der dort niedergelassenen Ärzte sowie die Krankenhäuser aus der Region angeschlossen haben. Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der örtlichen AOK versorgt UGOM heute mehr als 15.000 Patienten mit Zusatzleistungen, die über das Standardangebot gesetzlicher Krankenkassen hinausgehen.
Seit kurzem verfügt auch das östliche Mittelfranken über ein eigenes Gesundheitsnetz.
Dr. Andreas Hörl, Facharzt für Innere Medizin und Hausarzt in Altdorf, ist einer von 14 Medizinern aus dieser Region des Nürnberger Landes (Altdorf, Burgthann, Feucht, Diepersdorf/Leinburg, Ezelsdorf, Oberferrieden, Schwarzenbruck, Winkelhaid), die am 16. November 2011 die Trägergesellschaft „Gesundheitsnetz Franken-Jura GmbH & Co KG“, kurz GFJ, ins Leben riefen. Gemeinsam mit GFJ Geschäftsführerin Sabine Kramp erklärt er im Gespräch den Nutzen des neuen Netzwerkes für die Region:
Herr Dr. Hörl, welche Vorteile haben Patienten, wenn sie zu einem Arzt gehen, der sich dem Gesundheitsnetz Franken-Jura angeschlossen hat?
Dr. A. Hörl: „Durch die verbesserte interdisziplinäre Kommunikation der Ärzte untereinander wird der Patient mit einer zielgerichteten Diagnostik und Therapie begleitet. So werden z.B. Doppeluntersuchungen vermieden und die Medikation optimal aufeinander abgestimmt. Auch die Terminvergabe für weiterführende fachärztliche Untersuchungen kann innerhalb des Netzwerkes kurzfristig erfolgen. Damit stellen wir innerhalb des GFJ eine leitliniengerechte Patientenbehandlung auf höchstem medizinischem Niveau sicher.“
Frau Kramp, gibt es schon ein konkretes Leistungsspektrum des Gesundheitsnetzes Franken-Jura?
S. Kramp: Für die angeschlossenen Ärzte beinhaltet die Teilnahme am GFJ zahlreiche Vorteile. So bieten wir ein vielfältiges Programm zur Mitarbeiterfortbildung an sowie eine zentral gesteuerte Softwarelösung mit in Echtzeit verfügbaren Patientenakten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Dadurch ermöglichen wir unseren Ärzten eine effektivere Patientenversorgung und stärken außerdem ihre wirtschaftliche Position.
Darüber hinaus widmen wir uns auch dem Bereich Prävention und planen eine Reihe von Informationsveranstaltungen zu aktuellen Gesundheitsthemen sowie konzertierte Patienten-Aktionen zu speziellen Erkrankungen, wie z.B. Rückenschmerz/Osteoporose, Schwindel, etc.
Unser Ziel ist es, das GFJ als zentrale Schnittstelle im Gesundheitssystem der Region zu etablieren: Für die Patienten als Wegweiser, für die Ärzte und Krankenhäuser mit Synergie-Effekten im Verbund und schließlich auch für die Kostenträger, die durch die zielgerichteten Behandlungsstrategien vermeidbare Kosten sparen. Erste Gespräche mit Krankenkassen sind bereits geplant.“
Mehr Informationen über unser Leistungsspektrum und die angeschlossenen Mitglieder sind bald auch auf unserer Internet-Seite zu finden unter: http://www.gesundheit-gfj.de
Herr Dr. Hörl, ist das Gesundheitsnetz ein reines Ärztenetz?
Dr. A. Hörl: „Nein, das Gesundheitsnetz Franken-Jura steht grundsätzlich allen örtlichen medizinischen Leistungsträgern offen. Im ersten Schritt konzentrieren wir uns allerdings auf die Ärzte der Region, um eine tragfähige Basis zu schaffen. Mittelfristig soll unser Gesundheitsnetz von der Primärversorgung durch den Hausarzt, über fachärztliche Untersuchungen, weiterführende ambulante oder stationäre Behandlungen, bis hin zur Nachsorge (ambulante oder stationäre Reha, Physiotherapie etc.) das komplette medizinische Leistungsspektrum abdecken.
Frau Kramp, Herr Dr. Hörl, wir danken für dieses Gespräch.








