(openPR) Die Galerie FELDBUSCHWIESNER präsentiert in der ersten Solo-Ausstellung mit dem 'künstlerischen Feldforscher' Dirk Meinzer Arbeiten aus den Jahren 2010-2012.
Der intermedial arbeitende Objekt- und Aktionskünstler „ist ein ausgesprochen kenntnisreicher, aber auch spitzbübischer Ethnokult-Junkie" mit einer „in der Kindheit verwurzelte(n) Schwarzwald-Faszination." Immer des Nachts schafft er lebendige, inhaltlich vieldimensionale Collagen, Assemblagen, Malerei, wie auch Videos und Installationen. Sie berichten von seinen künstlerichen Entdeckungsreisen in die Kultur und Religion indigener Völker, die Kunst- und Literaturgeschichte, die Mythologie aber auch in die eigene Biographie.
Der Eintritt in die moderne 'Wunderkammer' Meinzers beginnt mit einer nahezu benebelnden optischen Bewegungsillusion, erzeugt von dem schwarz-weiß gestreiften Zebramuster eines sich durch den gesamten Ausstellungsraum ausdehnenden Zaunes. Das 'Installationsgehege' für zahlreiche Malereien, Collagen und Assemblagen lässt den Betrachter in Räume einer magisch-lebendigen Welt voller komplexer Gegensätze eintauchen.
Es sind vor allem poetisch komponierte Gesichter, mit denen man in Form von Collagen und Malerei konfrontiert wird. Doch Meinzer liebt den Schabernack. Erst auf den zweiten Blick werden die gruseligen Bestandteile der Collagen, wie Nostos XI oder Rihra, erkennbar: Es sind Tierfragmente aus der Asservatenkammer der Bundesbehörde für Naturschutz, alljährlich illegal importiert und zollamtlich beschlagnahmt. Die Schlangenteile, Seepferdchen und Insekten werden mit konservierten Speisen wie Pommes und Spaghetti kombiniert und von Hightechmaterialien, wie Polyester, bunten PomPoms, Lack, oder phosphoreszierenden Farben umspielt.
Die Collagen stehen deutlich in der Tradition von den aus Früchten und Gemüse komponierten Porträts Arcimboldos, den Assemblagen Rauschenbergs, der Eat Art Daniel Spoerris und vor allem der organischen Kunstobjekte Dieter Roths. Sie bestechen durch Kontraste des Künstlichen und Natürlichen, des Folkloristischen und der Hochkultur, des Witzes und des Grauens, der Vergänglichkeit und der Lebendigkeit. Nicht zuletzt erzählen sie von kolonialistischer Ausbeutung, von menschlicher Gier und Gewinnstreben.
Die collagierten, doppeldeutigen Masken Meinzers, die meist auf zwielichtige mythologische Gestalten verweisen, sind eng verwandt mit seinen gemalten und gedruckten Arbeiten. Archaisch-geheimnisvolle Antlitze, wie z.B. Huwawa, die Erinnerungen an die Art Brut eines Jean Dubuffet evozieren, bevölkern geisterhaft den Installationsraum. In zersetzter Form scheinen sie in den abstrakten, bunt gemusterten Malereien, wie Immer des Nachts oder Koma Somana wiederzukehren. Diese geben die nächtliche Stimmung ihres Schöpfers wieder und bekräftigen - mit Anlehnungen an Prinzipien der OP-Art - einen fast surrealen Gesamteindruck.
Mit der Videoarbeit Papa Wata II bietet der Künst¬ler ein Pendant zu Mami Wata, einem weiblichen, verführerischen und gleichzeitig Leid und Unheil bringenden afrikanischen Wassergeist. Das männliche Gesäß bewegt sich ritenhaft zum Sound einer Folkpunkband, die mit düsteren, vom Künstler selbst dargebotenen Texten traditionelle Hochzeitsmusik eines tansanischen Volkes spielt.
Finden Dirk Meinzers Arbeiten in einer Ausstellung zusammen, so gerät diese zu einer orgiastischen Feier im Hier und Jetzt, die zugleich dem Spirituellen augenzwinkernd Einlass gewährt.
(Zitate aus: Annett Reckert, „Wenn die Vernunft schläft, singen die Sirenen“, in: Sirenenheime, 2009.)
Dirk Meinzer (*1972, Stuttgart) studierte bei Claus Böhmler an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Er ist in renommierten Sammlungen, wie der Sammlung Falckenberg, Deichtorhallen, Hamburg, der Sammlung der Kunsthalle Göppingen und der Sammlung Stiftungen der Sparkasse Holstein, Bad Oldesloe vertreten.
Zu den zahlreichen Förderungen und Auszeichnungen, die er bereits erhielt, zählen u.a. das HAP Grieshaber Stipendium der Stadt Reutlingen (2011), das Atelier-und Arbeitsstipendium der AZB Zürcher Bildhauer (2010), das Hamburger Arbeitsstipendium für Bildende Kunst (2007), das Begabtenförderstipendium der Hochschule für bildende Künste Hamburg (2004 /2005) und das Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes (2000-2004).
Seine Arbeiten wurden in diversen Einzelausstellungen, u.a. in der Galerie Olaf Stüber, Berlin, im Van Abbemuseum, Eindhoven, Niederlande, sowie in der Kunsthalle Göppingen gezeigt und in internationalen Gruppenausstellungen im AZB, Zürich, Schweiz, in der David Lawrence Gallery, Los Angeles, USA, in der Galería Candela, San Juan, Puerto Rico und im Kunstverein Hamburg präsentiert.













