(openPR) Das Verhalten des Kapitäns der havarierten Concordia, Schettino, ist rätselhaft und fraglich: Was wäre denn passiert, wenn man seinem Chef widersprochen hätte? Wäre es dann zu solch einem Unglück gekommen? Sind (Unternehmens)kapitäne unverfehlbar?
Der Spiegel beschreibt die Persönlichkeit Schettino in einem Artikel als "Draufgänger" und als "Macho", welcher "sogar einen Bus wie einen Ferrari fahren würde". Dieses berichteten zumindest seine untergeordneten Offiziere. Möglicherweise hätte man solch ein tragisches Unglück verhindern können, wenn man die Entscheidung im Leitungsteam bedacht und gemeinsam als nicht tragbar bewertet hätte.
Was hat dieses mit im Unternehmen getroffenen Entscheidungen zu tun? Wieso sollte auch ein Geschäftsführer einen Dialog mit seinen Abteilungsleitern hinsichtlich wichtigen Entscheidungen führen?
Wieso sollte man als Chef seine Entscheidungen und sein Verhalten auch durchaus mal selbstkritisch hinterfragen?
Die Idee des TRM leitet sich aus dem CRM – Crew Resource Management – ab, welches Anfang der achtziger Jahre als Konsequenz aus dem verheerenden Flugzeugunglück von Teneriffa entstand. Ende der Siebziger kam es dort auf der einzigen Startbahn zu einem verheerenden Zusammenstoß von zwei vollbesetzten Jumbos mit 583 Toten als trauriges Resultat. Dieses war ein tragisches Unglück von mehreren Ereignisfolgen menschlichen Versagens. Wie war es aber möglich, dass so ein Unglück passieren konnte? Wie hätte dieses vermieden werden können? Wie konnte es überhaupt passieren, dass Flug AF 447 vor wenigen Jahren aus 10.000 Meter Reiseflughöhe ins Meer stürzt und 228 Tote als Opfer bringen musste?
Das CRM-Konzept ist ein eigenständiges Fach in der Berufs- und Privatpilotenausbildung. Eine regelmäßige CRM-Schulung zur Erhaltung der Lizenz schreibt der Gesetzgeber vor. Das Ziel ist, Piloten für mögliche Fehlerquellen und –folgen zu sensibilisieren, um vorausschauend unerwartete Ereignisse, wie z.B. den Ausfall von technischen Systemen professionell begegnen zu können und somit die Sicherheit der Flugzeugführung jederzeit zu gewährleisten. Schwerpunkt ist hierbei eine offene und geleitete Kommunikation, die menschliche Faktoren und Grenzen permanent berücksichtigt. Seit der Einführung 1980 ist CRM regelmäßig modifiziert worden, angepasst an die veränderten Arbeitsbedingungen von modernen Flugzeugcockpits und den daraus resultierenden veränderten Anforderungen an beide Piloten (Kapitän und Copilot) als Cockpitmanager.
Geschäftsführer und Führungskräfte im mittleren Management stehen täglich vor Entscheidungen mit teilweise gravierenden Konsequenzen: Wie konnte die Lehman-Pleite 2008 überhaupt passieren? Wieso wollte der ehemalige und erfolgreiche Porsche-Manager Wendelin Wiedeking um jeden Preis VW übernehmen und musste dann sein Scheitern in Kauf nehmen? Das MRT – genannt Management-Reflection-Training- hinterfragt solche Verhaltensweisen. Dabei geht es nicht darum, wer im Recht ist sondern sein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus sensibilisiert MRT, dass gravierende Fehler möglichst nicht auftreten.
Frank Eisenberg zeigt in seinem, insbesondere für mittelständische Unternehmen, modifizierten TRM und MRT–Konzept auf, wie Entscheidungsprozesse grundsätzlich funktionieren, was Fach- und Führungskräfte von Berufspiloten lernen können und welche Werkzeuge in der Praxis vor gravierenden Fehlentscheidungen schützen können. Das von ihm modifizierte Kommunikationskonzept beinhaltet einen hohen Reflexionsanteil und hinterfragt grundsätzliche Rituale und Kommunikationswege. In der Praxis funktioniert dieses Konzept vor allem dann nachhaltig, wenn in einer anschließenden Training- und Reflection-on-the-job-Phase neue Verhaltensweisen verinnerlicht werden, um dieses in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess anzuwenden. Voraussetzung hierfür ist, dass Unternehmens-Kapitäne und Copiloten (Führungskräfte im mittleren Management) offen miteinander kommunizieren können.
Darüber hinaus kann mit einer regelmäßigen Bewertung und Analyse der kontinuierliche Verbesserungsprozess überwacht und modifiziert werden. Gemeinsame Anforderungen und Erwartungen an das Konzept mit Minimal- und Maximalziel werden zu Beginn festgelegt.
Frank Eisenberg berät und trainiert als Personalentwickler und Kompetenzpartner TRM/TRC mittelständische Führungskräfte seit 2003 deutschlandweit. Er verbindet sein Wissen aus der Tätigkeit als Privat- und Sicherheitspilot auf die heutigen Anforderungen an das Personalmanagement und die Führungswerkzeuge moderner Manager. Die Übertragbarkeit des CRM-Konzepts aus der Fliegerei auf Unternehmen ist sinnvoll und nachweislich wirksam.
Man hätte Kapitän Schettino hinsichtlich seines Verhaltens präventiv coachen können, damit dieses verheerende Unglück nicht passiert wäre...




