(openPR) Göttingen, 5. September 2005 – Auf Grund der sich restriktiven Kreditvergabepraxis der Banken finden ideenreiche mittelständische Unternehmen zunehmend neue Wege der Unternehmensfinanzierung und nutzen Finanzierungsalternativen bei privaten Investoren und Geldgebern.
Neben dem Börsenmarkt existiert ein großer außerbörslicher Markt zur Beschaffung von Eigenkapital, der jedem Unternehmen die Chance und die Möglichkeit bietet, die für Investitionen erforderlichen Mittel ergänzend zu einer Finanzierung durch Fremdkapital oder Beteiligungsgesellschaften aufzunehmen. „Dieser Markt für so genannte Private Placements befindet sich als Teilbereich des Private Equity in einer starken Entwicklungsphase und wächst seit mehr als fünf Jahren“, berichtet Dr. Horst S. Werner von der Kanzlei Dr. Werner & Collegen (www.eigenkapitalbeschaffung.de). So haben der Lebensmittel-Discounter Lidl, die Humana GmbH, die Zimbo Wurstwaren aus Bochum, die Getreide AG aus Rendsburg Genussscheine oder Anleihen ausgegeben und mit Erfolg privat platziert. Auch die OFL-AnlagenLeasing AG aus Dresden konnte mit ihren eingeworbenen Aktien- und Genussrechtskapital weitere Investitionen tätigen und eine Mehrheitsbeteiligung an der Nürnberger Leasing AG erwerben. „Ohne privates Anlegerkapital hätten wir das nicht geschafft“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Kanwischer der OFL-AnlagenLeasing AG. Die PCC Chemiehandel nutzt bereits seit Jahren die Chancen am außerbörslichen Beteiligungsmarkt und konnte so bislang Anleihen in Höhe von € 110 Mio. platzieren.
Eine solche Privatplatzierung ist ein öffentliches Angebot mit einem Beteiligungs-Verkaufsprospekt zur Ausgabe von Genussrechten, Anleihen (Inhaberschuldverschreibungen) oder wertpapierlosen Unternehmensbeteiligungen wie z.B. stillen Beteiligungen an ein breit gestreutes Anlegerpublikum, an Mitarbeiter und unternehmensnahe Kreise. „Es werden Volumina von € 100.000,- bis hin zu € 200 Mio. platziert“ erläutert Dr. Fugger von der Equity Finance AG in Frankfurt (www.equity-finance.de), die seit Jahren das Platzierungsmanagement durchführt. Die neuen Wertpapiere oder Beteiligungen werden interessierten Investoren überwiegend über eine Direktplatzierung durch das Unternehmen in den Print- oder elektronischen Medien oder den freien Kapitalanlagevertrieb angeboten. Als äußerst effektiv haben sich kleinere Werbekampagnen in der überregionalen Presse mit Anzeigeserien erwiesen. Auf diese Weise hat die Firma Zimbo Wurstwaren, Bochum, Anleihen von € 15 Mio. in sechs Monaten platziert. Auch der Ernst Klett Verlag, Stuttgart, hat über eine Direktplatzierung innerhalb nur weniger Tage € 25 Mio. frisches Kapital aufnehmen können. Dabei stand mancher Privatanleger gar direkt mit Bargeld vor dem Firmentor.
Auf Grund der Vielzahl der Kapitalgeber tritt das Unternehmen mit einem verständlichen Verkaufsprospekt an potenzielle Investoren heran. Ein solcher Prospekt muss von Gesetzes wegen seit dem 1. Juli 2005 von der Bankenaufsicht geprüft und genehmigt werden. In dem Prospekt sind die von dem Unternehmen vorgegebenen Bedingungen für eine Beteiligung, eine Darstellung des Unternehmens und weitere Angaben, wie z.B. Risikobelehrung und Widerrufsmöglichkeit für den Anleger enthalten. Dabei können die Beteiligungsmodalitäten auf die individuellen Bedürfnisse des Kapital suchenden Unternehmens zugeschnitten werden. Einen Verlust an Eigenständigkeit brauchen die Unternehmen nicht zu befürchten. Mit der Ausgabe von Genussscheinen, stillen Beteiligungen oder Anleihen stehen Finanzierungsinstrumente zur Verfügung, die den Unternehmer trotz der Beteiligung Dritter nicht in seiner unternehmerischen Entscheidungs- und Handlungsfreiheit einschränken. „Als Familienunternehmen in der fünften Generation ist uns unsere Unabhängigkeit und Eigenständigkeit besonders wichtig“ begründet der Geschäftsführer P.-W. Vogeley von den Vogeley Lebensmittelwerken aus Hameln die Ausgabe von Genussscheinen. Bei dem Verkauf von Genussscheinen können die Kapitalgeber keinen Einfluss auf die Gesellschaft mittels eines Stimmrechts ausüben und auch bei stillen Beteiligungen und Anleihegläubigern werden keine Eigentumsrechte an dem Emissionsunternehmen erworben.
Mittelständler, die dies erkannt haben, versuchen verstärkt, über die Ausgabe von Genussrechten an Kapital zu gelangen. So warb beispielsweise die Rendsburger Getreide AG, ein Agrarhändler, zu dem auch Nahrungsmittelfabrikanten gehören, für ihre Papiere, die über sechs und zehn Jahre laufen und 7,5 Prozent Zinsen abwerfen. „Das Genussrecht ist vom Gesetzgeber in seiner Ausgestaltung nicht geregelt, so dass der Unternehmer hier den größten Spielraum bei der Gestaltung hat“, nennt Wirtschaftsanwalt und Emissionsberater Dr. Werner aus Göttingen den Vorteil dieses Finanzierungsinstruments für die Unternehmen.
Doch nicht nur mittelständische Unternehmen und eigentümergeführte Familienunternehmen können mit der Ausgabe von Unternehmensbeteiligungen neue Wege der Eigenkapitalbeschaffung erschließen. So konnte unlängst 1. FC Köln Genussscheine mit einem Gesamtvolumen von € 5 Mio. erfolgreich bei Privatanlegern platzieren. Er ist damit dem Beispiel der Hertha BSC gefolgt, die Anleihen mit einem Volumen von € 6 Mio. erfolgreich unter das (Fußball-)Volk brachte. Bei der Vielzahl der mittelständischen Privatplatzierungen ist für jeden Anleger etwas dabei. Privatanleger, die es lieber musikalisch mochten, entschieden sich für die „Edelanleihe“ des Hamburger Musikunternehmens Edel Music. Das Unternehmen mit, das 700 Mitarbeiter beschäftigt, platzierte über eine Anzeigenkampagne € 30 Mio. und konnte mit der Kapitalspritze teurere Bankkredite ablösen und in die DVD-Produktion und Logistik investieren. Die Naschkatzen unter den Anlegern investierten € 12 Mio. in die Anleihe der Halloren Süßwaren und kommen so künftig in den Genuss von 7 % Rendite p.a. Anleger, die sich für eine Anlage in erneuerbare Energien interessierte, stellten beispielsweise der EECH European Solar Energy € 20 Mio. zur Verfügung und investierten € 30 Mio. in die Plambeck Windenergien.
Bei einer entsprechenden rechtlichen Gestaltung ist das Beteiligungskapital für das Emissionsunternehmen kein Fremdkapital und stellt deshalb keine Verbindlichkeit dar, welche die Eigenkapitalquote belasten bzw. verringern würde. „Das Unternehmen erhält mit der richtigen konzeptionellen Gestaltung durch die Beteiligungsemission zusätzliches breit gestreutes Eigenkapital bzw. Eigenkapitalersatz ohne Stimmrecht, zumal die Kapitalanleger in erster Linie ein Dividenden- und Gewinninteresse verfolgen,“ so Dr. Werner.
Insgesamt ist daher damit zu rechnen, dass sich Unternehmen neben der klassischen Fremdkapitalfinanzierung vermehrt über mezzanines Privatkapital finanzieren werden, um ein gesundes Unternehmenswachstum erzielen. Der starke Anstieg der Nutzung von Mezzanine-Kapital wird sich auch in einer steigenden Anzahl von Private Placements niederschlagen.
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Ansprechpartner: Dr. Horst S. Werner





