(openPR) Deutsche Ingenieure sichern Regierungsgebäude
Rumänischer Palast nachträglich vor Erdbeben geschützt
Berlin, November 2011. Zum ersten Mal in der Entwicklung von technischem Erdbebenschutz haben Ingenieure ein historisches Gebäude von über 4.600 Quadratmeter Nutzfläche nachträglich durch ein Tilgersystem vor den Auswirkungen von Beben geschützt. Im Sommer dieses Jahres installierte die in Berlin beheimatete Firma Gerb auf dem bereits 1937 erbauten Palatul Victoria, Sitz der rumänischen Regierung in Bukarest, ein solches System.
Bukarest liegt in einer der meist gefährdeten Erdbebenregionen Europas. Der 1937 erbaute, gut 100 Meter lange und 24 Meter hohe Regierungspalast im Zentrum der rumänischen Hauptstadt war aufgrund seiner Bauweise und des verhältnismäßig weichen Untergrunds bei Erdbeben seit Jahrzehnten sehr gefährdet. Spalten zwischen den Baukörpern, den Säulen und Stützen aus armiertem Beton hätten bei jeder Vibration des Bodens zu wachsenden Schäden führen können. Das vom US Geological Survey (USGS) mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 Prozent bis zum Jahr 2032 prognostizierte Erdbeben der Stärke 6,7 auf der Richter-Skala hätte ihn mit Sicherheit stark beschädigt wenn nicht völlig zerstört.
Nach eingehender Beratung mit Bau- und Erdbeben-Experten entschieden sich die Regierung zunächst, den Bauköper an entscheidenden Stellen zu verstärken und zu versteifen. Doch die Berechnungen von Gerb zeigten, dass dies nicht ausreichen würde, um für alle sich abzeichnenden geophysischen Ereignisse der Zukunft gewappnet zu sein. Die Kombination mit Elementen der Schwingungstilgung würde den Bau deutlich besser schützen. Doch nie zuvor war ein historisches Gebäude mit über 4.600 Quadratmeter Nutzfläche nachträglich mit dieser Technologie ausgestattet worden. Deshalb erhoben die Gerb-Ingenieure zunächst einmal an mehreren neuralgischen Punkten die bei jedem Bauwerk vorhandenen minimalen Eigenbewegungen. Anhand dieser Daten errechneten sie mit Hilfe eines speziellen Programms und dem so genannten FFT-Algorithmus genau jene Schwingungsfrequenzen, auf die das Gebäude besonders ansprechen und in Bewegung geraten würde. Darauf basierend konstruierten sie schließlich ein Schwingungstilgungssystem, das im Sommer dieses Jahres auf dem Dach des Palatul Victoria installiert wurde.
Fünf Betonblöcke mit einem Gewicht von jeweils 95 Tonnen auf Gleitlagern, kombiniert mit je 16 Federelementen und vier Dämpfern, erhöhen jetzt die Eigendämpfung des Gebäudes. Im Erdbebenfall wird die Schwingungsenergie durch die Relativbewegungen zwischen Gebäude und Schwingmasse reduziert werden. Die Dämpfer sorgen zusätzlich dafür, dass die Installation auf einem breitbandigen Frequenzbereich wirkt. Mit diesem Projekt zum Erdbebenschutz nimmt die 2-Millionen-Einwohner-Stadt eine Vorreiterrolle in Europa ein. Das erstmalig auf einem historischen Bau dieser Größenordnung nachträglich installierte Schwingungstilgungssystem von Gerb könnte weltweit sowohl alte wie auch besonders kritische Gebäude vor Erdbeben sichern.
Hintergrundinformationen zur Erdbeben-Situation in Bukarest
Bukarest steht auf wenig festem Boden mit Neigung zu Erdrutschen und noch nicht konsolidiertem Gestein. In einem Projekt der Universität Bukarest zusammen mit dem europäischen geowissenschaftlichen Institut wurde festgestellt, dass Bukarest in Europa bezüglich des Erdbebenrisikos an 10. Stelle steht. Laut der "US Geological Survey (USGS)" soll es eine Wahrscheinlichkeit von 62% für eine Erdbeben der Stärke 6,7 auf der Richter-Skala in der Vrancea Region bis 2032 geben. Dort, im südöstlichen Karpatenknie, 150 bis 200 km von Bukarest entfernt, sorgen mehrere fragmentierte Erdplatten für ständige Erdbeben, die aus 60 bis 220 km Tiefe kommen. Dort entstand auch jenes Beben, dessen Schockwellen in Bukarest 1977 verheerende Schäden und über 1.500 Tote zur Folge hatten.








