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Schlagkräftig seit Jahrhunderten: Traditionssport Golf im Spiegel der Generationen

11.11.201111:55 UhrVereine & Verbände

(openPR) Viele Epochen alt und doch alles andere als verstaubt hat der Golfsport besonders in den letzten 20 Jahren einen bemerkenswerten Imagewandel vollzogen: Weg vom elitären Zeitvertreib gutsituierter, älterer Herrschaften, hin zu einem immer beliebter werdenden Freizeitsport, der zunehmend auch für jüngere Menschen attraktiv ist – nicht allein dank interessanter Einstiegsangebote und flexiblerer Spielmöglichkeiten, wie sie zum Beispiel die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) bietet. Wie kam es dazu? Die VcG fragte nach bei Kuno Schuch, Leiter des Deutschen Golf Archivs.



Wiesbaden, 10. November 2011. Golf hat Tradition: Schon 1297 wird in Holland Golf gespielt. Auch in Deutschland hört man schon früh von dem Spiel. „1575 übten Kölner Lateinschüler eine virtuelle Golflektion aus einem niederländisch inspirierten Schulbuch, während der Geograph und Pädagoge GutsMuths 1796 Bürgersöhnen das Spiel der ‚Schottländer‘ zur körperlichen und geistigen Übung und Erholung anriet“, weiß Kuno Schuch vom Deutschen Golf Archiv. Spielverliebte Jugendliche in Bad Cannstatt wollen es genau wissen. Um 1890 starten sie - inspiriert von englischen Internatskameraden - unter der Leitung von Philipp Heineken ihre 'Out Door Games'. Mit großem Enthusiasmus gehört das Golfspiel am Neckarufer zum Repertoire; inklusive Regelkunde und journalistischer Aktivitäten. Im Jahr 1900 wird Golf erstmals als Disziplin bei den Olympischen Spielen in Paris aufgenommen, 1907 der Deutsche Golf Verband (DGV) gegründet. Richtig in Schwung kommt der Golfsport allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg.* Den widrigen Umständen zum Trotz hat der DGV schon damals aber ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen zehntausend Golfer haben!“ Und in der Tat geht es in den folgenden Jahrzehnten langsam aber stetig aufwärts.**

Der Golfsport in den 1970er und 80er Jahren: Geschlossene Gesellschaft

Waren 1951 erst 2.700 Golfer in 39 Clubs aktiv, so zählt der DGV zwanzig Jahre später schon 21.000 Golfer und 100 Clubs.*** Golf als Trendport? Das ist allerdings in den 1970er Jahren noch undenkbar. Damals gilt der Golfsport einer gehobenen, in sich geschlossenen Gesellschaft als elitärer Zeitvertreib. Typischer Golfer ist ein wohlhabender Herr älteren Semesters in karierten Hosen, manchmal versnobt, zugeknöpft und nicht ohne Standesdünkel. Tatsächlich schließt der Golfsport durch seine hohen Kosten, die langfristigen Bindungen an einen Club, den Dresscode und die zum Teil beträchtlichen Wartelisten in dieser Zeit den größten Teil der Gesellschaft aus. Das wenig einladende Image des Sports und unflexible Konditionen schrecken viele Interessenten ab. Die Veränderung der Lebensbedingungen in den 1980er Jahren verbessert die Situation. Mehr Wohlstand, Freizeit und Mobilität machen den Golfsport für eine wachsende Zahl von Menschen interessant.**** Vom Status als Sport für Viele ist Golf aber noch ebenso weit entfernt, wie es lange Zeit auch Tennis und Reiten waren. Noch für einige Jahre bleiben die Golfer ein recht exklusiver Kreis. Kuno Schuch erklärt, dass die Situation für Golfeinsteiger damals weitaus schwieriger war als heute: „Vor der Aufnahme in einen Golfclub war in den 1980er Jahren häufig eine lange Warteliste zu überwinden. Auch die notwendige Unterstützung von zwei Bürgen gehörte damals zur gängigen Praxis.“ Dennoch stieg die Zahl der Aktiven: 1980 umfasste der DGV schon 49.211 Golfer und 160 Clubs.*** Mit dem Gewinn des US-Masters-Turnier 1985 in Augusta rückt Bernhard Langer den Golfsport ins Bewusstsein seiner Landsleute. Als erster Deutscher erhält Langer damals den Siegespokal und wird so zum überaus bekannten Aushängeschild des Sports. Der Golfvirus verbreitet sich weiter: 1990 sind bereits 141.885 Golfer und 313 Clubs im DGV organisiert.

Visionäre Idee des DGV: Schaffung eines kostengünstigen Einstiegmodells

1992 brechen neue Zeiten an. Auf dem DGV-Verbandstag wird eine wegweisende Idee geboren: die Schaffung eines unkomplizierten, kostengünstigen und nachfragegerechten Einstiegsmodells als Heimat für alle Golfer, die noch nicht einem deutschen Golfverein angeschlossen sind; die Club-Präsidenten beschließen die Gründung der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG). „Die Golfclubs sollten von ihren Nachwuchssorgen und der Sport von seinem elitären Image befreit werden“, so Kuno Schuch. VcG-Geschäftsführer Marco Paeke ergänzt: „Flexible Angebote und Preisstrukturen vereinfachen den Weg in den Golfsport enorm. Die VcG als preisgünstiges Einstiegsmodell sollte Golf für die Masse attraktiv machen und den Clubs neue Mitglieder zuführen.“ 1993 ist es soweit, die neu gegründete VcG macht sich voller Enthusiasmus ans Werk. Ihr Angebot, ohne Aufnahmegebühr für einen Jahresbeitrag gegen Greenfee bundesweit zu golfen, senkt die Hemmschwelle – mit enormen Erfolg: Von damals 1.213 Mitgliedern ist die Zahl der VcGler auf jetzt 20.950 gestiegen (Stand: 12/2010). Durch Millionenschwere Förderprojekte wie zum Beispiel die bundesweite Golfeinsteigerkampagne „play golf – start living“, die von 2001 bis 2003 mehr als 70.000 Menschen mit dem Golfsport in Berührung brachte, sorgt die VcG für Publicity. Aktionen wie Golferlebnistouren durch die Innenstädte und Projekte wie die erfolgreiche Jugendinitiative „Abschlag Schule“ machen den Golfsport zum attraktiven Medienthema. Heute zählt die VcG zu den größten Sportvereinen der Bundesrepublik. Fundament des Erfolgs ist die enge Zusammenarbeit mit den im DGV organisierten Golfclubs. Dank ihnen kann die VcG Einsteigern, Hobby- und Gelegenheitsgolfern bundesweite Spielmöglichkeiten auf rund 700 Plätzen bieten.

Neue Zielgruppen: So rückt Golf in die Mitte der Gesellschaft

„Mit der Gründung der VcG und dem allgemein auflebenden Interesse am Golfsport ist die gesamte Angebotsseite in Bewegung gekommen“, erläutert Marco Paeke. Flexible Konzepte, günstige Spielgebühren, rund 350 öffentliche Golfanlagen, die zum Großteil sogar ohne Platzreife bespielbar sind, Kurzplätze und innerstädtische Driving Ranges, Indoor-Golfanlagen, verschiedene Mitgliedschaftsformen und Schnuppermöglichkeiten bieten heute Golf für Jedermann und damit die Möglichkeit, prominenten Golfern jeder Couleur wie Hard-Rocker Alice Cooper, Top-Modell Claudia Schiffer oder Sport-Star Boris Becker nachzueifern. Golf ist nun beispielsweise auch für die Mittagspause oder als After Work-Aktivität möglich. Immer mehr kommerzielle Anbieter versuchen, vom boomenden Golfmarkt zu profitieren. So wächst etwa der Markt für Golfreisen, Unternehmen wie Tchibo haben Golfartikel in ihr Sortiment aufgenommen. Im Internet und beim Discounter ist Golf heute vielfach präsent. Spielmöglichkeiten und Mitgliedschaftsformen sind heute breitgefächert und – karierte Knickerbocker adé – ebenso bunt und uneinheitlich wie die Golfer auf den Plätzen.

Der Golfsport heute: Gute Aussichten für die Zukunft

Waren es zur Jahrtausendwende noch 370.490 Golfer und 621 Clubs, so schwingen heute rund 610.000 organisierte Golfer in 788 Clubs quer durch alle Alters- und Berufsschichten die Hölzer und Eisen.*** Hinzu kommen zahlreiche Spieler ohne Clubzugehörigkeit, die hin und wieder auf öffentlichen Anlagen die Schläger schwingen. In der Gesamtbetrachtung aller Sportarten in Deutschland durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) findet sich Golf in den absoluten Zuwachszahlen heute auf Rang zwei als wachstumsstärkste Sportart nach Fußball wieder.*** Ob Manager oder Handwerker, engagierter Amateur oder Gelegenheitsgolferin, Grundschüler oder rüstige Seniorin: Golf ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat heute den Status eines Sports für Viele erlangt. Infrastruktur und Einsteiger-Angebote wachsen weiter. Im Jahr 2016 wird Golf wieder zu den Disziplinen der Olympischen Spiele zählen. Kurz: Der Wachstumsmarkt des Golfsports ist noch lange nicht erschöpft, die Sonne steht noch nicht im Zenit, aber die Morgendämmerung ist schon weit fortgeschritten.

Weitere Informationen unter www.vcg.de und www.golf.de.

Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten.

Befragter Experte:
Kuno Schuch, Leiter des Deutschen Golf Archivs in Köln, Tel.: 0221/4982-3900; Mail: E-Mail; www.golfarchiv.dshs-koeln.de

* Weitere Informationen in der Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“ des Deutschen Golf Verbandes sowie unter www.golf.de/dgv/publikationen, bzw. www.golf.de/100jahredgv
** „Dürfen die Deutschen Golf spielen? Abschlagzeiten Mangelware: erste Golfschwünge nach dem Zweiten Weltkrieg“ von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz auf Grundlage der Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“ des Deutschen Golf Verbandes
*** Statistik (Stand: 31.12.2010) „Golfentwicklung seit 1907“ des DGV unter http://www.golf.de/dgv/statistiken.cfm
**** „Golfmarkt im Umbruch – welche Rolle spielt die VcG?“, golf manager 5/2003

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