(openPR) "Kreative Seelen muss man einfangen!" so in der Art könnten die Gedanken von Wolfgang Lackerschmid gewesen sein, als er dem amerikanischen Trompeter Ryan Carniaux vorschlug, dessen Debütalbum Reflections of the Persevering Spirit in Lackerschmids eigenem Traumraum Tonstudio aufzunehmen. Ein wenig sanfte Gewalt mag erforderlich gewesen sein: Carniaux ist offenbar keiner derjenigen Musiker, die es für nötig empfinden, sofort nach dem Studium mit der ersten eigenen Platte auf den Markt zu kommen. Im Gegenteil, vordringlich war für ihn das Konzertieren auf internationalen Bühnen. Und seit seiner Zeit am Berklee College ist Carniaux weit gereist, viel unterwegs gewesen.
Der Trompeter ist ein Arbeitstier, ein Vollblutmusiker, der den Weg zu sich selbst über die Bühne gesucht und gefunden hat, sich durch das Livespiel in den USA und in Europa seine Sporen verdiente. Der sich so selbst zu dem machte, was er heute ist: ein Trompeter mit eigenem Ausdruck, einem Ton, der in seiner komplexen Sanftheit an Chet Baker erinnert und doch immer typisch Carniaux ist.
Sein größtes Vorbild sei immer Miles Davis gewesen, erzählt Carniaux. Natürlich kam das erst, nachdem er zur Trompete gekommen war, und zur Trompete kam er quasi durch Zufall: "Ich habe mit zwölf Jahren angefangen Trompete zu spielen. Mein zwei Jahre älterer Bruder spielte da bereits Saxophon Trompete war lauter, also wollte ich Trompete spielen!" Vieles lernte er durch seinen ersten Lehrer, John Allmark, aber auch durch ausgiebiges Hören von Jazzplatten, einer Leidenschaft, der er auch heutzutage noch frönt. So gewissermaßen bereits mit vielen Wassern vorgewaschen, schrieb er sich am Berklee College of Music ein, der US Kaderschmiede des Jazz. Dort wurde der Trompetenklang von Tiger Okoshi zu Carniaux' Offenbarung. Okoshi nahm ihn als Lehrer unter seine Fittiche und brachte ihm bei, wie man mit der Trompete "singt".
Im Anschluss, auf den Bühnen dieser Welt, erwarb Ryan Carniaux nicht nur außerordentliche Qualitäten als Solist, es bot sich ihm auch die Möglichkeit, sich als Bandleader seines eigenen Ryan Carniaux Quartetts zu beweisen. Nicht zuletzt fand er in seinen europäischen Mitmusikern auch Freunde; musikalische Freunde auf der Bühne und Freunde im Leben. Die Musiker seiner Band, schwärmt er, seien "großartige Leute, die mich auf der Bühne und auch außerhalb des Bühnengeschehens stets unterstützen".
Ein Amerikaner findet seine Bestimmung in Europa. Ein musikalisches Märchen? Ja, ein wenig mag dem so sein. Denn zu diesem Märchen gehört auch, dass Ryan Carniaux die Metropole seiner Geburt, New York, verließ und nach Europa zog, tatsächlich der Liebe wegen. Wer alles aufgibt, um von New York, der Jazzmetropole, nach Köln zu gehen, zeigt, dass er bereit ist, ein Wagnis einzugehen, aber auch, dass es ihm ernst ist. Und wer wagt, gewinnt. Carniaux gelang es, Fuß zu fassen, aus einer Auswahl der Creme de la Creme des jungen europäischen Jazz eine feste Band zu schmieden: aus Samuel Dühsler (Drums, Schweiz), Mike Roelofs (Piano, Niederlande), Tomás Baros (Bass, Tschechien) und nicht zuletzt der Vibraphonlegende Wolfgang Lackerschmid (Deutschland), der als häufiger Gast mitwirkt und bei den CD-Aufnahmen auch produzierte.
So wird Reflections of the Persevering Spirit zu dem, was es ist: ein Gruppenerlebnis, eine fühlbare, miterlebbare musikalische Interaktion, nahezu ein Rausch der Melodien: wer so viel gereist ist, hat auch viel zu erzählen. Erlebte Landschaften werden unter den Händen der Band zu Klanglandschaften, an musikalisch portraitierten Stränden wird melodisch von Stein zu Stein gehüpft, auch mal Anlauf genommen und eine Düne hinaufgerannt. Die Landschaften sind üppig, strahlen eine pastorale Ruhe aus, wie in Reflections oder werden, wie im mystisch angehauchten Uduo, aufs Äußerste reduziert (nämlich ein Duo aus Percussion und Trompete), bersten dabei aber gleichsam vor innerer Spannung, oder zeigen sich, wie Forgotten, in einer sich langsam kristallisierenden, unwiderstehlichen Schönheit, in der Carniaux seinem Idol Miles Davis verblüffend nahe kommt. Auch The Gospel oder Shalom (beide Roelofs) sprechen eine eigene Sprache. Außer Eigenkompositionen findet sich auf der CD das ur amerikanische Traditional, Shenandoah, das den perfekten Abschluss und Ausklang bildet. Lyrisch, mystisch, nahezu beseelt könnte man die Gesamtstimmung dieses Albums nennen. Alle Bandmitglieder zeigen auch in ihren Soli, was in ihnen steckt, nie aber geht dabei der Bandsound verloren, es bleibt immer ein Ganzes, was gespielt wird.
"Echte Musik, in Echtzeit gespielt", fasst Carniaux die Essenz des Jazz zusammen. Man könnte es auch als Motto für diese CD verwenden. Einher mit dieser Stimmung geht eine gewisse Eleganz sie spiegelt sich auch auf dem Coverfoto wider: Carniaux im weißen Hemd, der oberste Knopf geöffnet. Der leicht erotische Touch, der schon seit immer in dieser Musik mitschwingt. Ein wenig Inszenierung muss schon sein.
+++Besetzung+++
Ryan Carniaux (tr)
Samuel Dühsler (dr)
Mike Roehlofs (p)
Tomás Baros (b)
& Wolfgang Lackerschmid (vb)
+++Pressestimmen+++
"Der amerikanische Trompeter Ryan Carniaux lebt schon seit einigen Jahren in Köln und spielt in Bands mit Manfred Schoof, Claudius Valk oder dem niederländischen Pianisten Mike Roelofs, der auch auf der vorliegenden CD mitwirkt. Schon der Titel der CD drückt aus, dass Carniaux nicht der extrovertierte Showman ist, sondern eher Tiefe und Reflektion sucht. Das spiegelt auch die Musik wieder. Die 15 Songs sind nahezu ausschließlich Eigenkompositionen der beteiligten Musiker, überwiegend von Carniaux selbst. Exemplarisch ist schon der erste Titel "Reflections", in dem die Band die schöne Melodielinie spielt, bevor Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid zu
einem ersten ausdrucksstarken Solo ansetzt. Später nimmt Carniaux das Heft selbst in die Hand und liefert ein lyrisch geprägtes Solo, forschend, reflektierend und doch überzeugend. Sehr stimmungsvoll auch "Forgotten", mit zurückhaltender, sehr musikalischer Begleitung des schweizer Schlagzeugers Samuel Dühsler, innerem Feuer aus Carniaux's Trompete und spannendem Solo von Roelofs, dem originelle harmonische Gestaltung wichtiger ist als das Zurschaustellen seiner zweifellos vorhandenen technischen Fertigkeiten. Der tschechische Bassist Tomas Baros komplettiert die Band mit wohlgesetzten Bassnoten, etwa in Roelofs schöner Ballade "Shalom", die Carniaux zu einem expressiven Solo inspiriert. Die CD belohnt mehrfaches Hören mit immer neuen Eindrücken und Entdeckungen."
(Hans-Bernd Kittlaus in Jazz Podium 11/2011)
"Ryan Carniaux hat es 2003 der Liebe wegen aus Amerika nach Europa gezogen. Inzwischen lebt der New Yorker Trompeter in Köln. Seit Debütalbum Reflections of the Persevering Spirit hat er im Studio des Vibrafonisten Wolfgang Lackerschmid aufgenommen, der hier auch gleich zu seinen Klöppeln greift. Herausgekommen ist eine warme, melodische, oft sanft schwingende Platte voller wunderschöner, lyrischer Eigenkompositionen, die aber auch mal mit Schwung nach vorne preschen können."
(Christoph Giese in Recklinghäuser Zeitung 30.9.2011)













