(openPR) Bonn/Frankfurt am Main – Es herrscht ein Trend zum Fernsehkoch. Johannes B. Kerner, der vom Kochen wahrscheinlich genauso wenig versteht wie vom Fußball, aber über alles mühelos hinwegplappern kann, lässt Freitag für Freitag sogar mehrere profilierungssüchtige Köche in seiner als Einschlafhilfe konzipierten Sendung antreten. Wahrscheinlich dachte sich der Kriminologe Jens Weidner http://www.prof-jens-weidner.de : Ich stricke eine Kombination aus Karriere und Kochen, dann kann eigentlich nichts schief gehen. So geschah es denn auch. Das fertige Buch ist seit kurzem auf dem Markt und heißt „Die Peperoni-Strategie“. Der Untertitel verrät, worum es dem Professor für Erziehungswissenschaften geht: „So setzen Sie Ihre natürliche Aggression konstruktiv ein“. Besonders clever von Professor Weidner: Die in dem Buch vorgestellte Strategie kann auch als Seminar unter dem Titel „Die Peperoni-Strategie: Mit Biss zum Erfolg“ gebucht werden. Allerdings kann nach Lektüre des Buches ein leiser Zweifel angemeldet werden, ob das wirklich ratsam ist.
Gelobt und gepriesen sei die Platitüdenkunst, wird sich der Professor gesagt haben. Ein paar Schmankerl zum Genießen, die unter der Rubrik „Das sollten Sie sich merken“ extra fett hervorgehoben werden: „Gute Mädchen kommen in den Himmel, positiv-aggressive in die Chefetage!“, „Durchsetzungsstarke Taten der Vergangenheit können als Mutmacher für die Zukunft genutzt werden“, „Erfolgreich führen bedeutet, die Schwächen der Mitarbeiter zu erkennen und ihre Stärken zu fördern, damit die Guten Spitze werden“, „Wer seine tiefsten Geheimnisse und Verletzlichkeiten kennt, dem kann Kritik entlassen (sic!) entgegensehen“. Was, Sie werden schon vom reinen Lesen aggressiv? Dann kaufen Sie sich doch das tolle Buch von Jens Weidner. Am Ende dieser Studie sind dann, welch origineller Einfall, ein paar Kochrezepte für mehr Feuer abgedruckt. Vielleicht bringen die ja zumindest etwas mehr Feuer ins Liebesleben der Leser, die laut Weidner die Peperoni-Strategie nicht auf ihre Partnerschaft anwenden sollten, denn dort gelten andere Gesetze.
Sehr amüsant ist auch die Warnung vor chancenlosen Kraftproben: „Bevor Sie einen Kampf beginnen, prüfen sie die Gewinnchance. Liegt diese bei 51 Prozent zu 49 Prozent, lohnt es sich einzusteigen. Ich bevorzuge Kämpfe, die bereits im Vorfeld eher eine 70-prozentige Chance bieten“. Vielleicht sollte man sich an diesen Rat erinnern, wenn man mal wieder einem muskelgestählten Skinhead begegnet, dem man gar nicht erst mit milder Paprika-Süße kommen muss. Der wird an einer so schwierigen Kopfrechenaufgabe nämlich verzweifeln und sogleich kapitulieren. Ist dieses Urteil über Weidners Koch- und Karriere-Ratgeber zu ungerecht? Wohl nicht, denn der Autor kommt mit recht hohem Anspruch daher, zitiert Machiavelli und Hobbes und andere Geistesgrößen und hat letztlich doch nur eine dünne Sauce anzubieten. Aber keine Bange: Das Buch wird sich verkaufen und das Seminar von Jens Weidner wird ausgebucht sein. Was will man mehr?
Jens Weidner: Die Peperoni-Strategie. So setzen Sie Ihre natürliche Aggression konstruktiv ein, Campus Verlag: Frankfurt am Main 2005. 200 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-593-37788-8








