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EHFG 2011: EXPERTEN FORDERN, SPEZIELLE GESUNDHEITSBEDÜRFNISSE VON MIGRANTEN/-INNEN ERNSTER ZU NEHMEN

06.10.201113:57 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Es gibt große Qualitätsunterschiede in der Gesundheitsversorgung zwischen EU-Bürgern/-innen und Menschen mit Migrationshintergrund. Die sollten im Interesse beider Gruppen beseitigt werden, forderten Experten/-innen beim European Health Forum Gastein. Denn von Verbesserungen würden nicht nur Migranten/-innen profitieren, sondern alle Europäer/-innen.



Bad Hofgastein, 6. Oktober 2011 - In vielen EU-Ländern liegt die Gesundheitsversorgung deutlich unter jenen Standards, die für die Mehrheitsbevölkerung gelten. Die Diskrepanz ist zwar von Land zu Land unterschiedlich groß, aber Verbesserungen seien in ganz Europa notwendig, besonders weil der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in allen Ländern ansteigt, erklärten Experten/-innen heute beim European Health Forum Gastein.
Prof. David Ingleby, Migrationsforscher an der Universität Utrecht, hält die individuelle Benachteiligung von Migranten/-innen im Gesundheitssystem für das weniger gravierende Problem als „indirekte oder institutionelle Diskriminierung, also die Tatsache, dass das System für Migranten/-innen einfach weniger gut funktioniert. Das ist auch wenig überraschend, denn darauf waren und sind sie nicht eingestellt.“
Prof Ingleby und Dr. Bernd Rechel vom European Observatory on Health Systems and Policies (London), diskutierten detailliert Migrations-spezifische Gesundheitsprobleme und die Frage, warum diese auch die Mehrheitsbevölkerung interessieren sollten. Die Dimension ist nicht unerheblich: Etwa 7,6 Prozent der EU-Bevölkerung sind in einem anderen Land geboren als dem, in dem sie leben, das sind rund 31 Millionen Millionen Menschen. Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration zufolge leben zwischen 2,6 und 6,4 Millionen Migranten im EU-Raum in einem „irregulären Status“, also ohne offizielle Papiere.
Spezielle Gesundheitsprobleme für Migranten/-innen
Eine Verallgemeinerung bezüglich der Gesundheitsrisiken, denen Migranten/-innen stärker ausgesetzt sind, sei nicht angebracht, betonten die Experten/-innen in Gastein. Auffällige Probleme sehen sie aber im Bereich Schwangerschaft und Geburt und beim Typ-2-Diabetes. „In Europa gab es in den letzten 50 Jahren deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Mütter- und Kindersterblichkeit, nicht zuletzt aufgrund einer verbesserten Schwangerenbetreuung und besserer Lebensbedingungen“, so Prof Ingelby. „Mütter mit Migrationshintergrund haben in allen drei Bereichen Defizite, und das führt zu einer höheren Mütter- und Kindersterblichkeit als in der Mehrheitsbevölkerung.“ Auch Diabetes sei zunehmend ein Problem unter Migranten/-innen, nachdem auch sie immer älter werden. Übergewicht sei hier ein wesentlicher Faktor, oft eine Folge von schlechten Ernährungsgewohnheiten und fehlender Bewegung.
Unter den offensichtlicheren Problemen für Migranten/-innen im Gesundheitssystem sei die Sprachbarriere. Basiskenntnisse oder eine Fähigkeit, im Alltag zu kommunizieren, reiche für medizinische Beratungsgespräche in der Regel nicht aus, die eine sehr präzise Kommunikation über schwierige Themen erfordern. Kulturelle Unterschiede führen zusätzlich zu Problemen. Unterschiedliche Konzepte von Gesundheit und Krankheit oder fehlendes Vertrauen in das Gesundheitspersonal des Gastlandes können ebenso Probleme machen wie „administrative Hürden beim Zugang zu Angeboten“, sagte Prof. Ingleby. „Migranten/-innen kennen auch oft ihre Rechte als Patienten/-innen nicht.“
Migranten/-innen hätten oft so viele Probleme mit dem regulären Versorgungssystem, dass sie mit allen gesundheitlichen Beschwerden gleich zur Notaufnahme gehen, so Prof. Ingleby. Dies sei in der Regel eine kostspielige und wenig adäquate Versorgungsschiene, die auch keine Nachsorge und keine Prävention anbieten könne.
Gesundheit von Migranten/-innen auch wichtig für Gastland
Nicht nur aus moralischen Gründen, aus Gründen der medizinischen Ethik oder aufgrund von völkerrechtlichen Verpflichtungen sei es notwendig, etwas gegen die mangelhafte Versorgung von Migranten/-innen zu tun. Es gehe auch um eine Portion „gesunden Egoismus“, so Prof. Ingelby. „Ein schlechter Gesundheitsstatus ist nicht nur für die betroffenen Migranten/-innen ein Problem, sondern auch für alle anderen. Da geht Produktivität verloren, wir sprechen aber auch von Risiken wie Infektionserkrankungen.“
„Es ist besser, wenn Migranten/-innen ihren auch ökonomischen Beitrag im Gastland leisten und die Wirtschaft im Heimatland unterstützen, wenn Sie Geld auch Hause schicken, als dass sie Unterstützung vom Sozialstaat brauchen“, betonte Dr. Rechel. „Um das zu erreichen, müssen wir ihnen auch die entsprechende Gesundheitsversorgung zukommen lassen, das hat auch für das Gastland ökonomische Vorteile.“

Einfach umzusetzende Verbesserungsmaßnahmen seien etwa die Einführung von Dolmetschdiensten in Gesundheitseinrichtungen, betonten die Experten/-innen. Außerdem seien gute Daten über die Gesundheit von Migranten/-innen nötig. In manchen Ländern müssten auch gesetzliche Hürden beseitigt werden, in manchen Ländern hätten Asylwerber/-innen und irreguläre Migranten/-innen keinen Versicherungsschutz, selbst könnten sie Behandlungskosten aber auch nicht bezahlen. Das könne auch zu akuten und tragischen Situationen führen. Dr. Rechel regt kultur-sensible Versorgungsmodelle an, speziell geschultes Unterstützungspersonal und die Einbeziehung von Migranten/-innen in alle Bereiche des Gesundheitssystems.

Trotz knapper Budgets, so Dr. Rechel, “müssen die speziellen gesundheitlichen Bedürfnisse von Migranten/-innen eine höhere Priorität auf der politischen Agenda bekommen, und die EU sollte hier eine wichtige Rolle spielen.” Langfristig sei es jedenfalls kostspieliger, die Probleme zu ignorieren. Prof. Ingleby: “Wenn Gesundheitssysteme lernen, auf die speziellen Gesundheitsprobleme von Migranten/-innen besser einzugehen, wird das dazu führen, dass generell besser mit Diversität umgehen können – und das bringt uns näher an das Ziel einer patientenzentrierten Versorgung für alle.“



Das EHFG ist die wichtigste Konferenz zur Gesundheitspflegepolitik in der EU. Dieses Jahr kamen mehr als 600 Entscheidungstreffer aus 45 Ländern nach Gastein, um die letzten Entwicklungen der Gesundheitspflegepolitik zu diskutieren.

Das EHFG ist der wichtigste gesundheitspolitische Kongress der Europäischen Union, mehr als 600 Entscheidungsträger/-innen aus 45 Ländern diskutieren hier zentrale Zukunftsthemen der europäischen Gesundheitssysteme

EHFG Pressekonferenz: “Gesundheitsversorgung ohne Grenzen”. 6. Oktober 2011, EHFG Workshop 9“Migration“. 7.Oktober 2011

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